Militärbischof Rink über Afghanistan: „Das Land ist alles andere als befriedet“
Militärbischof Rink über Afghanistan: „Das Land ist alles andere als befriedet“
Militärbischof Rink besuchte Mitte Mai deutsche Soldaten in Afghanistan
Militärbischof Rink besuchte Mitte Mai deutsche Soldaten in Afghanistan

Militärbischof Rink: „Einiges ist gut in Afghanistan“

In der afghanischen Gesellschaft zeichnen sich positive Entwicklungen ab. Gleichzeitig ist das Land „noch mitten im Konflikt“. Das hat der evangelische Militärbischof Sigurd Rink nach seiner Reise zu deutschen Soldaten in Afghanistan berichtet.

Es war seine erste Afghanistan-Reise: Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink besuchte vergangene Woche deutsche Soldaten und Seelsorger in Afghanistan. Noch sind rund 840 deutsche Soldaten im Einsatz, der Großteil in Mazar-e-Sharif, ihr Schwerpunkt ist die Ausbildungs- und Beratungsmission für afghanische Sicherheitskräfte.

Anfang 2010 sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Dem entgegnete Rink am Donnerstag in Berlin: „Einiges ist gut in Afghanistan.“ Ganz deutliche Fortschritte gebe es im Gesundheits- und Bildungswesen, gerade junge Mädchen profitierten von dieser Entwicklung. Zudem würden Einheiten von Polizisten und Armee gebildet. Kürzlich habe es in den „rudimentären Formen einer demokratischen Ordnung“ eine Wahl gegeben. Auch berichtete Rink von „einem Keim wirtschaftlicher Prosperität“ in Mazar-e-Sharif, wo der zivile Flughafen mit deutscher Unterstützung aufgebaut wird.

„Noch mitten im Konflikt“

Gleichzeitig habe der Militärbischof den Eindruck bekommen, „dass das Land alles andere als befriedet ist“. Rink blickt mit Besorgnis auf die gestiegene Todesopferzahl. Das Land sei „noch nicht in der Phase der Friedenskonsolidierung, sondern noch mitten im Konflikt“. Die Zahl der Opfer bei den Regierungstruppen sei im Vergleich zum vergangenen Jahr um rund 70 Prozent gestiegen, bei den Taliban um 200 Prozent.

Kürzlich sei ein Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entführt worden. Rink spricht mit Blick auf die Sicherheitslage von einer „ganz schwierigen Situation“. 14 Jahre waren deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. „Wird denn dieser Einsatz wirklich nachhaltig sein oder versinkt das Land in zehn Jahren wieder im Chaos?“, fragt Rink.

Die Präsenz internationaler Truppen vor Ort und die Ausbildung der Einsatzkräfte sei „dringend notwendig“. Er hält es für richtig, dass sich die Bundeswehr „aus der aktiven Phase“ zurückgezogen habe. Die Internationale Gemeinschaft leiste „Hilfe zur Selbsthilfe“. Gleichzeitig sei die Frage, wie bald der nächste Schritt vollzogen werde. Aktuell steige die Gefährdung der Menschen wieder. „Der Kommandeur sagt, wir sind im Krieg, ich würde sagen, wir sind im Bürgerkrieg.“ Und weiter: „Der Irak ist ein Beispiel, dass das Zurückziehen zu früh war, weil das Land wieder im Chaos versinkt.“ Jedoch sei der Einsatz nicht verloren. „Jetzt geht es darum, das Erreichte zu sichern und den Bau der Institutionen zu unterstützen.“

Kapelle und Moschee im Lager

In dem Lager in Mazar-e-Sharif gibt sowohl eine Kapelle als auch eine Moschee für die Einsatzkräfte von vor Ort. Teile der Kapelle sollen am Standort des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Schwielowsee bei Potsdam wieder aufgestellt werden. „Es ist gut, einen Ort der Erinnerung zu haben“, meint Rink.

Die Delegation um den Militärbischof war Mitte Mai in die „fighting season“ (Kampfsaison) gekommen, die dann beginne, wenn der Schnee schmelze. Die Reise des Militärbischofs war ursprünglich angedacht für die Woche vom 18. bis 22. Mai, und sollte den Bischof auch nach Kabul führen. Weil es in der Zeit eine Reihe von Attentaten gab, wurde der Besuch auf drei Tage verkürzt und umfasste nur den Truppenbesuch in Mazar-e-Sharif.

Dabei lernte er die Arbeit der Militärseelsorge vor Ort kennen und feierte einen Gottesdienst mit den Soldaten. Jedoch konnte Rink das Lager nicht verlassen. Dies sei grundsätzlich nur mit einem Hubschrauber möglich. Dass die Soldaten quasi in dem Lager festsäßen, führe zu starker Belastung. Rink sagte: „Die Institution der Miltärseelsorge erfährt ein hohes Maß an Akzeptanz.“ In den Lagern in Kabul und Mazar-e-Sharif seien immer abwechselnd ein katholischer und ein evangelischer Seelsorger vor Ort. (pro)

Von: ms

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