Der christliche Sender SAT-7 strahlt Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Nahen Osten und Nordafrika aus
Der christliche Sender SAT-7 strahlt Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Nahen Osten und Nordafrika aus

Das Fernsehen der Minderheit

In manchen Ländern im Nahen Osten und Nordafrika werden Christen diskriminiert und verfolgt. Der Fernsehsender SAT-7 möchte ihnen dennoch eine öffentliche Stimme geben. Auch Muslime schauen das Programm – nicht ohne Risiko.

Eine junge Frau aus dem Libanon bekommt von einer Freundin eine CD mit christlichen Liedern und biblischen Texten geschenkt. Die junge Frau ist Muslima, ihre Freundin arbeitet bei dem christlichen Fernsehsender SAT-7. Sie kommen ins Gespräch über Gott und seine Liebe. Die SAT-7-Mitarbeiterin ermutigt sie, den Sender einzuschalten. Tag für Tag schaut sie dann das Kinderprogramm an, wenn sie allein zu Hause ist. Vor allem die biblischen Gute-Nacht-Geschichten gefallen ihr. Sie nimmt Kontakt mit der Moderatorin auf. So lernt sie, worum es in der Bibel geht und was es mit Jesus und dem Glauben an ihn auf sich hat.

Eine Bibel hat sie nicht, ihr Vater duldet im Haus keine. Doch die junge Frau ist von den Liedern der CD und den Botschaften aus dem Fernsehen so berührt, dass sie Christin wird. Sie verlässt ihren Verlobten und will stattdessen einen christlichen Mann heiraten. Als ihre Familie von ihrem neuen Glauben erfährt, löscht sie SAT-7 vom Receiver, nimmt ihr das Handy weg und lässt sie nicht mehr aus dem Haus. Nachdem die junge Frau den Sender wieder auf der Progammliste installiert, schlagen ihre Eltern sie und schicken sie nach Saudi-Arabien zu Verwandten. Ihren Eltern sagt sie: „Auch wenn ihr mich irgendwohin in der Welt verbannt, werde ich Jesus lieben und in seinem Frieden glücklich sein. Denn ich habe einen wundervollen und erstaunlichen Frieden in meinem Herzen erfahren.“ Wo die junge Frau heute ist und wie es ihr geht, weiß niemand.

Eine Stimme für die Christen

Die Mitarbeiter von SAT-7 kennen viele Geschichten wie diese. Über die junge Frau berichtet der Sender in der September-Ausgabe seines vierteljährlichen Magazins Uplink und ruft die Leser dazu auf, für sie zu beten. Dass Christen im arabischen Raum jemals eine eigene Medienpräsenz via Satellit haben könnten, erschien bis Anfang der neunziger Jahre wie ein Traum. Der Brite Terence Ascott, Gründer von SAT-7 und heutiger Geschäftsführer, verfolgte diesen Traum zusammen mit einigen anderen Geistlichen aus verschiedenen Ländern, die christliche Gemeinden im Nahen Osten unterstützten.

Im Zuge des ersten Golfkriegs etablierte sich das Satellitenfernsehen in der Region. Sie sahen darin die beste Möglichkeit, arabische Christen in ihren Orten zu erreichen. 1996 strahlte SAT-7 seine erste Sendung aus. Mittlerweile hat der Sender vier Kanäle in drei verschiedenen Sprachen: SAT-7 ARABIC und den Kinderkanal SAT-7 KIDS auf Arabisch, SAT-7 PARS für den Iran in persischer Sprache und SAT-7 TURK für die Türkei. Alle Kanäle senden 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche Programme. Der türkische ist bislang nur übers Internet zu empfangen.

Paulus Hieber ist der einzige Deutsche in dem internationalen Team von etwa 150 Mitarbeitern. Die Liebenzeller Mission hat ihn ins SAT-7-Studio nach Zypern entsandt, die Zentrale des Senders. Von dort strahlt SAT-7 den persischen Kanal aus, für den Hieber bis vor Kurzem unter anderem als technischer Betreuer tätig war. Mit dem Kulturkreis des Nahen Ostens hatte er bis dahin keine Berührung. Im Studio wird auf Englisch kommuniziert, einige persische Sprachgrundlagen hat er auch. Derzeit ist er im Heimataufenthalt in Deutschland, hält Vorträge über seine Arbeit und plant eine Sendung mit jungen persischen Migranten. Im Iran selbst darf der christliche Sender kein Studio haben. Dort ist Satellitenempfang generell verboten, da westliche Informationen unkontrolliert ins Land gelangen könnten, erklärt Hieber. Wer SAT-7 empfängt, tut dies illegal. Besonders Muslime begeben sich in Gefahr, wenn sie den christlichen Sender anschauen oder sogar den christlichen Glauben annehmen. Sie gälten dann als „Nestbeschmutzer“, sagt Hieber. Das könne dazu führen, dass die Person aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder umgebracht wird.

Außer auf Zypern hat SAT-7 Studios in Istanbul, Kairo und im Libanon. In dem kleinen Mittelmeerland ist etwa ein Drittel der Bevölkerung christlich. Doch damit ist es im Sendegebiet von SAT-7 eine Ausnahme. In den meisten Ländern von Marokko bis Afghanistan machen Christen weniger als fünf Prozent der Bevölkerung aus. Nur in Syrien und Ägypten ist der Anteil etwas höher. Für viele, die weit von einer Kirche entfernt wohnen, ist das Fernsehen der einzige Weg, um etwas von der biblischen Botschaft zu erfahren. In den Flüchtlingslagern, in die Syrer vor dem Bürgerkrieg geflohen sind, ist es das wohl wichtigste Medium, um sich über die Lage in der Heimat zu informieren. SAT-7 schätzt seine Zuschauerzahl auf insgesamt etwa 16 Millionen.

„Verfolgung verbindet“

SAT-7 möchte der christlichen Minderheit in Nordafrika und dem Nahen Osten eine öffentliche Stimme geben und ein positives Bild vom Christentum vermitteln. Ausgestrahlt werden beispielsweise verschiedene Liveshows und Talkshows über das aktuelle Geschehen in der Region; es gibt Sendungen zum Bibelstudium, Comedy, aber auch Filme über biblische Figuren oder zu sozialen Themen. Im Programm sollen Christen aller Konfessionen zu Wort kommen. So haben die Kopten eine kirchliche Predigtsendung. Eine andere Sendung, die sich mit Zeichen und Wundern beschäftigt, hat mehr charismatischen Charakter.

„Inklusiv“ nennt der Sender das Konzept. Für Hieber war das herausfordernd. Von seiner Arbeit beim Evangelischen Fernsehen Ulm kannte er nur verschiedene evangelische Gruppierungen. Hier ist die Spannweite von theologischen Positionen und Frömmigkeitsstilen noch viel breiter. Die Zusammenarbeit funktioniere manchmal gut und manchmal nicht so gut, formuliert es Hieber vorsichtig. Aber seine Beobachtung ist auch: „Verfolgung verbindet. Die Unterschiede werden geringer, es geht mehr um das christliche Zeugnis.“ In den fünf Jahren bei SAT-7 habe er „die anderen“ schätzen gelernt. „Die alten Kirchen leben noch, Gott stellt sich zu ihnen. Warum sollte ich das nicht auch tun?“

Fernsehen aus dem Kinderzimmer

Auf einer Couch mit hellgrüner, geschwungener Lehne und pink-weiß gestreifter Sitzfläche hat es sich Rita Elmounayer gemütlich gemacht: die Beine ausgestreckt übereinandergeschlagen, Schuhe aus, ein Kissen auf dem Schoß, zwei Bücher daneben. Zu Füßen der Frau mit den glatten, dunklen Haaren sitzt Donald Duck aus Plüsch auf dem Sofa. Ein Teddybär liegt in einer Kiste, ein Plüschhund auf dem Fußboden, auf dem die Teile eines Schaumgummi-Puzzles mit Zahlen und Buchstaben verstreut sind. Die Wände sind bunt bemalt und behangen mit Sternen, Wolken und einem Regenbogen. Das Studio sieht aus wie ein unaufgeräumtes Kinderzimmer: Zeit für die Gute-Nacht-Geschichte im Kinderkanal von SAT-7. Elmounayer ist Executive Director der arabischen Kanäle. In der Abendsendung erzählt sie eine biblische Gute-Nacht-Geschichte, wie die von dem Gelähmten, dessen Freunde ihn zu Jesus bringen und dafür das Dach eines Hauses abdecken. In einer anderen Kindersendung singt die Libanesin Lieder über Gott. Ein neunjähriges Kind aus Ägypten hat einmal an den Sender geschrieben: „Ich mag alle eure Sendungen und ich habe allen meinen Freunden von SAT-7 Kids erzählt. Ich habe einige Lieder gelernt und singe und bete immer, wenn ich Hausaufgaben gemacht habe.“ Einer der Moderatoren des Kinderprogramms schaute es als Kind selbst in Marokko an. Gedurft hat er es nicht. Als seine Eltern ihn einmal beim Fernsehen erwischten, wurde er gerade als Gewinner eines Quiz‘ verkündet. Daraufhin erlaubten sie ihm, das Programm weiter anzuschauen. Doch als er von dem Sender ein Johannesevangelium bekam, musste er Prügel einstecken.

Es gehört zum Selbstverständnis des Senders, in den lokalen Studios in erster Linie einheimische Mitarbeiter zu beschäftigen, Menschen, die denselben kulturellen Hintergrund haben, wie diejenigen, die der Sender erreichen möchte. Den größten Teil des Programms produziert er selbst oder in Co-Produktion mit anderen Unternehmen in den Ländern des Sendegebiets. Ein kleinerer Teil von Spielfilmen, Dokumentationen und Trickfilmen kommt von christlichen Produktionsfirmen aus anderen Ländern. Der Sender finanziert sich vor allem über Spenden und Sponsoring aus der ganzen Welt, auch von Kirchen und Organisationen aus Deutschland. Mitunter fördern auch Regierungen europäischer Staaten einzelne Filmprojekte.

Unpolitisch, aber sozial

Anfang November hat der von SAT-7 produzierte Kurzfilm „A Dress“ (Ein Kleid) den Preis für den besten Film und die beste Schauspielerin bei einem ägyptischen Filmfestival gewonnen. Darin geht es um eine junge arabische Frau, die sich gegen soziale Konventionen und Kleiderordnungen auflehnt – Stichwort Frauenrechte. Es ist den Senderverantwortlichen wichtig, keine religiöse oder ethnische Gruppe zu kritisieren und ebenso keine politische Partei oder Ideologie zu unterstützen. So hat es der Sender in seinem Ethos formuliert. „Wir möchten als Minderheit keinen Anstoß erregen, deshalb haben wir sehr enge Richtlinien“, erklärt Hieber. Für gesellschaftliches Engagement, Menschenrechte und ein friedliches Zusammenleben macht sich SAT-7 dennoch stark. „Unsere Vorgabe ist die Bibel und sie bezieht natürlich Stellung zu sozialen Themen. Das dürfen wir dann auch.“

Im nächsten Jahr wird Hieber wieder ins Sendegebiet von SAT-7 reisen und dann eine Schulungsarbeit für Mitarbeiter aufbauen. Wie er sagt, genießt SAT-7 als Medienorganisation in der arabischen Welt hohen Respekt. Imame setzten sich über den Sender mit dem Christentum auseinander. Manche muslimischen Eltern ließen ihre Kinder den Kinderkanal schauen, weil dort keine politische Propaganda laufe. Während der Unruhen in Ägypten sei SAT-7 außer Al-Dschasira zeitweise der einzige lokale Sender gewesen, der auf dem Tahrirplatz filmen durfte. Hieber hat in seinen fünf Jahren bei dem Sender nicht erlebt, dass er oder Kollegen wegen ihres Glaubens beeinträchtigt oder in ihrer Arbeit behindert wurden. Dennoch weiß er, dass Geheimdienste den Sender genau beobachten. (pro)

Von: JSt

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