Nicht wie hie in der Hauptstadt Seoul steht der Weihnachtsbaum des Anstoßes, sondern an der Grenze zum atheistischen Nachbarn im Norden
Nicht wie hie in der Hauptstadt Seoul steht der Weihnachtsbaum des Anstoßes, sondern an der Grenze zum atheistischen Nachbarn im Norden

Ein Baum des Anstoßes

Wenn am 23. Dezember in aller Welt die letzten Vorbereitungen für das Weihnachtsfest laufen, könnte es zwischen Nord- und Südkorea zu Schüssen kommen. Ein von Christen initiierter neun Meter hoher Weihnachtsbaum sorgt für Streit zwischen den zwei Staaten.

Eine Gruppe von konservativen Christen und Bürgerrechtsgruppen aus Südkorea haben bei der Regierung in Seoul einen Antrag durchbekommen, der den Aufbau eines neun Meter hohen beleuchteten Weihnachtsbaumes erlaubt. Der Baum ist deswegen brisant, weil man seine Lichter bis ins verfeindete Nordkorea sehen kann. Die nordkoreanische Regierung hat damit gedroht, den Baum abzuschießen.

Früher stand auf dem Aegibong-Hügel ein 18 Meter hoher Überwachungsturm der südkoreanischen Armee. Von dort aus konnten die Soldaten seit 1971 das nordkoreanische Grenzland beobachten. Gleichzeitig war der Turm eine Botschaft an das atheistische Regime im Norden. Schon damals wurde der Turm während der Weihnachtszeit in Form eines Tannenbaums beleuchtet. Erst ab 2004 blieben die Lichter dunkel. Die beiden Staaten hatten sich damals darauf verständigt, gegen den anderen gerichtete Propaganda zu unterlassen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Wegen Rost musste der Turm schließlich abgerissen werden.

„Provokation“ für den atheistischen Norden

Die evangelikale Organisation „Christian Council of Korea“ (CCK) setzte sich mit anderen Bürgerrechtsgruppen dafür ein, einen neuen Turm als Weihnachtsbaum wieder aufzubauen. Laut FAZ-Informationen sammelten insgesamt 256 Gruppen Geld für das Projekt. Am 23. Dezember sollen die Lampen wie in früheren Zeiten in einer Zeremonie mit einem Kirchenchor angeknipst werden. Das Verteidigungsministerium in Seoul zeigte ich einverstanden mit dem Vorhaben und gab grünes Licht. Ein Ministeriumssprecher würdigte den Baum als Zeichen für die Freiheit der Religionen und für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel.

Der Nachbar im Norden indes zeigte sich empört. Wie der Christian Science Monitor berichtet, erklärte die Regierung in Pjöngjang den neuen Baum als „Provokation“, für die der Süden „bestraft“ werden müsse. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete: „Der Turm ist kein Zeichen für ein religiöses Ereignis. Er ist ein Symbol für den Versuch, die Spannungen an der Grenze zu verschärfen und einen bewaffneten Konflikt zu provozieren.“ Die Führung in Pjöngjang droht sogar mit Artilleriebeschuss an den Weihnachtstagen und mit der Zerstörung des Turms.Kritik aus dem eigenen LandDer CCK lässt sich von der Drohung nicht einschüchtern und will die Eröffnungszeremonie wie geplant am 23. Dezember durchführen. Jedoch gibt es auch im eigenen Land Kritik an dem Vorhaben. Lee Jeuk, ein Pastor aus Sükorea, sagte gegenüber dem Christian Science Monitor: „Ich finde nicht, dass der Baum ein Symbol des Friedens ist. Er wird Nordkorea provozieren.“ Auch manche Militärangehörige, die in der Nähe stationiert sind, fürchten Schüsse aus Nordkorea, die auch Zivilisten und ihre Häuser treffen könnten. „Dies ist eine gefährliche Gegend“, sagt ein Anwohner namens Gil Chang-moon. Niemand könne genau wissen, wie Nordkorea auf den Weihnachtsbaum reagieren werde. „Sie können uns jederzeit angreifen.“

Mittlerweile machen Christen mit rund einem Drittel nach den Buddhisten die größte Bevölkerungsgruppen in Südkorea aus. In Nordkorea hingegen werden Christen seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt. Nur rund 300.000 Gläubige soll es in dem Land mit rund 24 Millionen Einwohnern geben. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors steht Nordkorea im 12. Jahr in Folge auf dem ersten Platz. (pro)

Von: js

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