Obiora Ike: „Eine familienfreundliche, freie Gesellschaft entzieht Boko Haram die Macht über die Menschen.“
Obiora Ike: „Eine familienfreundliche, freie Gesellschaft entzieht Boko Haram die Macht über die Menschen.“

„Gleichberechtigung von Homosexuellen hält Nigeria nicht aus“

Eine Gleichberechtigung von Homosexuellen halte die Gesellschaft in Nigeria derzeit nicht aus. Diese Meinung vertritt der nigerianische Theologe Obiora Ike im Interview mit der Die Zeit-Beilage Christ und Welt.

„Die afrikanische Kirche will zunächst einmal bestätigt sehen, dass die Familie wichtig ist, dass sie stark bleibt, dass die Liebe zwischen den Partnern und zu den Kindern gestärkt wird.“ Mit diesen Worten erklärt der nigerianische Theologe Obiora Ike in einem Interview mit Christ und Welt, warum sich die afrikanischen Teilnehmer mit Reaktionen bedeckt hielten. Zuvor war die Bischofssynode in Rom zu Familie und Ehe ohne Konsens zu wichtigen strittigen Themen zuende gegangen.

Der europäische Blick auf die Ehe sei geprägt von Loslösung, von Scheidung und Wiederheirat und der Zulassung der neu Verheirateten zu den Sakramenten. Ike, römisch-katholischer Generalvikar im Bistum Enugu, meint zudem: „Eine familienfreundliche, freie Gesellschaft entzieht Boko Haram die Macht über die Menschen.“

„Staat mischt sich in Partnerschaften ein, weil es sonst keine Orientierung mehr gibt“

Gelebte Homosexualität steht in Nigeria unter Strafe. Die Kirche verurteile Homosexuelle nicht, sagt Ike. „Sie wehrt sich nur dagegen, dass der Staat ihre Partnerschaften mit der Ehe gleichstellt.“ Der Staat mische sich in die Partnerschaften seiner Bürger ein, „weil es sonst keine Orientierung mehr gibt“, rechtfertigt Ike. „Das wäre Relativismus ohne Ende. Als Nächstes wollen Leute ihre Haustiere heiraten! Nein, die Gesellschaft braucht eine Position und muss dazu stehen.

Ike sagt zudem, dass privat jeder in Nigeria leben könne, wie er wollee. „Aber wenn er öffentlich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen eintritt, gefährdet er die Einheit der Gesellschaft. Das hält Nigeria derzeit nicht aus.“ Ein Streit darüber würde den Frieden zwischen Christen, Muslimen und den Anhängern anderer Religionen stören, meint der Theologe, und fügt an: „Vielleicht werden wir die Frage ja in einigen Jahren anders sehen.“

„Kirche in Europa ächzt vor Arthritis“

Ob sich in Afrika einige Fragen wie die Teilnahme Wiederverheirateter am Abendmahl nicht stellten, weil die Kirche jung sei, bejaht der nigerianische Theologe. „Die afrikanische Kirche ist jung. Sie will sich bewegen, sie will vorwärtskommen. Die Kirche in Europa hat 2000 Jahre hinter sich gebracht. Sie ist alt und müde und ächzt vor Arthritis.“(pro)

Von: ms

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