Maria und Jesus in der Hagia Sophia: Christen in der Türkei fürchten sich vor nationalistischen Gewalttätern
Maria und Jesus in der Hagia Sophia: Christen in der Türkei fürchten sich vor nationalistischen Gewalttätern

Christen in der Türkei fürchten sich

Nach der Freilassung mutmaßlicher Christenmörder in der Türkei leben viele Gläubige in Angst. Manche vermuten gar, die Regierung verfolge damit politische Ziele.

Vor fast drei Wochen entließen die Behörden die mutmaßlichen Mörder an drei Mitarbeitern eines christlichen Verlages in der Türkei aus dem Gefängnis. Seitdem stehen sie unter Hausarrest. Der Grund für die Entlassung: Ein neues Gesetz schränkt die Dauer ihrer Untersuchungshaft auf fünf Jahre ein. Der Mord in der Stadt Malatya ereignete sich vor sieben Jahren.

In einer Reportage des Deutschlandfunks vom Donnerstag kommen nun türkische Christen zu Wort. So erklärt etwa Susanne Geske, die Witwe einer der 2007 ermordeten Männer: „Es ist unrecht, die Täter einfach so frei zu lassen, das bringt uns in Gefahr. Und dann wurden ja noch viele weitere solche Häftlinge freigelassen. Unter uns Christen herrscht jetzt Angst und Spannung, wir fragen uns, was diese Leute tun werden, ob uns etwas zustößt. Viele Mitglieder unserer Gemeinde fühlen sich gefährdet.“

„Belohnung für das Christenmassaker“

Ein Pastor aus Istanbul namens Semir Erkek kommt ebenfalls zu Wort und erklärt, die Gewalt gegen Christen werde vom türkischen Staat nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert: „Die Freilassung der Täter von Malatya läuft auf eine öffentliche Belohnung und Belobigung für das Christenmassaker hinaus, das sie ja ganz offen verübt haben. Indem der Staat diese Leute laufen lässt, gibt er die Christen zum Abschuss frei. Es gibt in der Türkei ja noch Zehntausende weitere Menschen, die so denken, die die Christen hassen. Wozu werden die sich nun berufen fühlen? Der Staat ruft mit dieser Freilassung regelrecht dazu auf, die Christen in diesem Land zu töten.“

Die Freilassung der auf frischer Tat ertappten Angeklagten hätte leicht verhindert werden können, meint er: „Man hätte ja bei diesem Gesetz mit einem einzigen Satz diejenigen Untersuchungshäftlinge von der Freilassung ausnehmen können, die auf frischer Tat bei einem Tötungsdelikt ertappt wurden, so einfach wäre das gewesen.“ Deshalb ist er sich sicher, dass die Freilassungen kein Versehen sind. „Warum? Um von der Korruptionsaffäre abzulenken, um dem nationalistischen Affen Zucker zu geben, um Stimmung zu machen im Land.“ Auch in seiner Gemeinde gehe die Angst um, sagt er. Einige Gemeindemitglieder spielten mit dem Gedanken, aus der Türkei auszuwandern. (pro)

Von: al

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