Suchen Islamisten auf der Krim nun mehr Einfluss? Anhänger der Hizb ut Tahrir bei einer Demonstration in Kopenhagen
Suchen Islamisten auf der Krim nun mehr Einfluss? Anhänger der Hizb ut Tahrir bei einer Demonstration in Kopenhagen

Sorge wegen Islamisten auf der Krim wächst

Auf der Halbinsel Krim, um die seit Wochen ein Konflikt zwischen der Ukraine und Russland herrscht, kämpfen Islamisten schon seit langem um Einfluss, schreibt die Reporterin Ann-Dorit Boy in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jetzt nehme die Sorge zu, dass sich diese Gruppen dort nun radikalisieren.

Ann-Dorit Boy traf Fasyl Amsajew, den Sprecher der islamistischen Organisation Hizb ut Tahrir (Partei der Befreiung) auf der Krim. Das dortige Parlament hat bereits vor einigen Jahren erfolglos versucht, diese Organisation zu verbieten. In vielen anderen Ländern – darunter auch in Deutschland und Russland – ist sie bereits verboten. Im deutschen Verfassungsschutzbericht von 2012 stehe über die Hizb ut Tahrir, sie sehe Gewalt als ein legitimes Mittel zur Durchsetzung des Kalifats an, schreibt die FAZ.

Über die Zahl der Mitglieder der Organisation wolle Amsajew keine Angaben machen, schreibt Boy. Man könne aber von Tausenden Mitgliedern und Zehntausenden Unterstützern unter den Krimtataren sprechen, behauptet Amsajew. „Die radikalsten unter den Radikalen auf der Krim sind wahrscheinlich wir“, sagt er der Reporterin. Sie kämpften für einen weltumspannenden Gottesstaat, in dem das islamische Recht der Scharia gelten soll. Allerdings solle dies ausschließlich mit friedlichen Mitteln geschehen. Die seit dem 13. Jahrhundert sunnitischen Krimtataren trugen wesentlich zur Verbreitung des Islam in der Ukraine bei.

Bislang seien noch keine islamistischen Gewaltakte auf der Krim bekannt geworden, berichtet die Reporterin aus Bachtschissaraj im Süden der Krim. Experten wie der Politologe Wladimir Dscheralla gingen davon aus, dass muslimische Kämpfer von der Krim aus in den syrischen Bürgerkrieg gegen Baschar al Assad geschickt werden. „Er nimmt an, dass die Islamisten auf der Halbinsel so sehr mit den Konflikten in Syrien und Ägypten beschäftigt sind, dass sie sich um heimische Probleme gar nicht kümmern“, schreibt Boy.

Machtkampf unter Krimtataren

Der neue prorussische Machthaber auf der Krim ist Sergej Aksjonow. Das Parlament in der Krim-Hauptstadt Simferopol hat ihn zum Interims-Regierungschef ernannt, der die Krim von der Ukraine abspalten soll. Über einen Anschluss an Russland soll die Bevölkerung in einem Referendum am 16. März entscheiden. Wie die FAZ berichtet, hat Aksjonow der Hizb ut Tahrir den Kampf angesagt. Der Sprecher der Islamisten-Organisation Amsajew sagt dazu: „Wenn wir unterdrückt werden, wird unser Einfluss allerdings nur wachsen.“ Aus dem gegenwärtigen Konflikt und dem Referendum wollen sich die Islamisten nach Angaben ihres Sprechers heraushalten. Ohnehin nähmen sie an politischen Wahlen nicht teil, sagt Amsajew.

Anders sieht es mit dem offiziellen Mufti der Krim, Emirali Ablajew, aus: Obwohl er bislang die Hizb ut Tahrir als gefährliche Sekte bezeichnet hatte, hat er nun Partei für die Islamistengruppe ergriffen.„Wir werden nicht einen Menschen aus unserem Volk ausliefern, nicht an die Staatsanwaltschaft, nicht an die Sicherheitsdienste“, sagte Ablajew Journalisten.

Elmira Muratowa, Dozentin an der Universität von Simferopol, die sich seit Jahren mit dem Islam der Krimtataren beschäftigt, sagt, dass sich die Organisation „Medschlis des Krimtatarischen Volkes“ und der Mufti derzeit in einem Machtkampf befänden. Beide verträten etwa 60 Prozent der rund 300.000 Krimtataren, sagt Muratowa.

Boy schreibt: „In den vergangenen Jahren haben sich, auch wegen der vergleichsweise liberalen Registrierungspraxis unter der Regierung von Viktor Janukowitsch, weit mehr als 300 muslimische Organisationen auf der Krim gegründet.“ Die meisten der Imame auf der Krim haben nach Angaben der Politikwissenschaftlerin Muratowa ihre Ausbildung in der Türkei absolviert, allerdings seien mehr und mehr inoffizielle Imame aktiv, die in arabischen Ländern ausgebildet worden seien.

Es gebe zudem eine salafistische Gruppe auf der Krim namens „Sebat“, schreibt Boy. Sie habe schätzungsweise 50.000 Anhänger. „Die 2011 gegründete Organisation, die sich vor allem mit Fragen der Landrückgabe beschäftigt und dabei die Technik der Landbesetzung perfektioniert hat, unterstützt rückhaltlos den abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.“ (pro)

Von: js

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