Hamed Abdel-Samad, hier bei einem Podiumsgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung
Hamed Abdel-Samad, hier bei einem Podiumsgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung

Publizist Hamed Abdel-Samad in Ägypten entführt

Der islamkritische deutsche Journalist und Autor Hamed Abdel-Samad („Entweder Broder“) ist laut Sicherheitskreisen in Kairo entführt worden. Medien spekulieren über einen islamistischen Hintergrund der Täter, da gegen den 41-Jährigen eine Todes-Fatwa vorliegt.

Das ägyptische Nachrichtenportal youm7 meldet unter Berufung auf den Bruder des Journalisten, Abdel-Samad sei am Sonntag in der Nähe des Al-Azhar-Parks in Kairo verschwunden. Vorher soll Hamed Abdel-Samad am Telefon berichtet haben, er fühle sich verfolgt. Der Autor hatte in Büchern und Artikeln mehrfach die Ideologie des politischen Islams kritisiert. Daraufhin hatte er Morddrohungen erhalten (pro berichtete). Weil Abdel-Samad unterwegs zu einem besonderen Treffen war, sei er nicht von Leibwächter begleitet worden.

Ägyptische Sicherheitskreise haben die Entführung des Journalisten mittlerweile bestätigt. Die Polizei ermittle gegen Unbekannt, meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Ein Beamter sagte, es sei nicht auszuschließen, dass radikale Extremisten für das Verschwinden des Publizisten verantwortlich seien.

Das erste deutschsprachige Medium, das die Nachricht verbreitete, war das Journalisten-Portal ruhrbarone.de. Dort wurde eine Übersetzung des Artikels von youm7 veröffentlicht. Die Seite verlinkt auch auf eine Online-Petition, nach der sich der scheidende Außenminister Guido Westerwelle für die Freilassung Abdel-Samads einsetzen soll. Bis zum frühen Montagabend wurden fast 7.000 Unterschriften gesammelt.

Fernsehpreis für Sendung mit Broder

Der 1972 in Ägypten geborene Hamed Abdel-Samad ist dem deutschen Publikum auch durch seine Zusammenarbeit mit dem jüdischen Publizisten Henryk M. Broder bekannt. Für die ARD-Reihe „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“ unternahmen die beiden Freunde eine Autoreise durch Deutschland und warfen einen kritischen Blick auf aktuelle Probleme, etwa beim Thema Integration. Bei einem Abstecher nach Dänemark besuchten sie den Karikaturisten Kurt Westgaard, der aufgrund seiner in der Zeitung Jyllands Posten veröffentlichten Mohammed-Karikaturen von Islamisten mit dem Tod bedroht wird. 2012 erhielten Abdel-Samad und Broder den Bayerischen Fernsehpreis für die Sendung.

Abdel-Samad ist Sohn eines sunnitischen Imams. Er studierte Englisch und Französisch in Kairo und Politik in Augsburg. Er kam 1995 er als 23-Jähriger nach Deutschland und heiratete eine Lehrerin. Später arbeitete er als Wissenschaftler in Japan, wo er seine zweite Ehefrau kennenlernte. Bis Ende 2009 forschte er am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München, 2010 war er Teilnehmer der zweiten Deutschen Islamkonferenz. Seit November 2011 engagiert er sich im Beirat der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung. (pro)

Von: mb

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