Einer der wichtigsten Wegbegleiter in sieben Lebensjahrzehnten von Arno Backhaus war Andreas Malessa: gemeinsam traten sie als "Arno und Andreas" auf und prägten die christliche Musikszene.

Einer der wichtigsten Wegbegleiter in sieben Lebensjahrzehnten von Arno Backhaus war Andreas Malessa: gemeinsam traten sie als "Arno und Andreas" auf und prägten die christliche Musikszene.

Arno Backhaus: Mit Menschen über Gott und die Welt reden

Der Missionar und Evangelist Arno Backhaus versteht es, Humor und Tiefsinn miteinander zu verbinden. Im Gespräch mit pro erklärt er, was eine gute Predigt mit Kartoffelkäfern zu tun hat, verrät, was er über Donald Trump denkt und was auf seinem Grabstein stehen könnte.

pro: Wenn du dich selbst mit drei Attributen beschreiben müsstest: Welche wären das?

Arno Backhaus: Authentisch, verrückt, missionarisch. In diesen drei Begriffen kommt meine Frau aber nicht vor. Nach meinem Glauben kommt ziemlich schnell sie. Wir sind jetzt bald 50 Jahre verheiratet. Wenn es noch ein viertes Wort sein dürfte, würde ich sagen eheorientiert.

Stichwort Glaube: Was war für dich die wichtigste Erkenntnis der Bekehrung?

Es war wertvoll zu wissen, dass ich bei Gott keine Leistung bringen muss, um geliebt und geachtet zu werden. Deswegen habe ich meine Bekehrung bis heute nicht bereut. Ich habe viele engstirnige Christen erlebt. Als Jugendliche haben wir gerne getanzt. Danach haben wir wie selbstverständlich in der Bibel gelesen. Ich kenne Menschen, die das unmoralisch fanden. Spaß und Tiefgang dürfen zusammengehören.

Du bist ein lustiger Mensch. Wie viel Humor sollte eine gute Predigt enthalten?

Wichtiger finde ich, dass sie den Zuhörer überrascht. Ich möchte irgendwann noch einmal predigen ohne christliche Floskeln und Begriffe wie Gnade, Liebe und Vertrauen. Wenn ich Worte wie Kartoffelkäfer oder Sommerschlussverkauf oder einen Witz in die Predigt einbaue, hören die Menschen ganz anders zu. Ich möchte auch noch einmal einen Bibeltext vorlesen, der für sich spricht. Danach würde ich sagen: „Liebe Zuhörer, ihr habt alles gehört. Nach dem Hören kommt das Handeln.“ Dann können sie nach Hause gehen und es umsetzen.

Ein ähnliches Konzept haben deine missionarischen Straßenaktionen?

Da geht es auch um Neugierde und Verwirrung. Die Leute langweilen sich, wenn sie etwas Bekanntes sehen. Manchmal stehe ich mit einem großen Schild auf dem Marktplatz. Darauf steht: „Ich bin Gott“. Das provoziert natürlich. Klein darunter steht „es Ebenbild“. Die Menschen sind zunächst provoziert, aber dann kommen sie zu mir und wir reden über Gott und die Welt.

Bespielt Arno Backhaus die Sozialen Medien?

Eigentlich kaum. Im Bereich Computer und Internet bin ich zu oft auf Hilfe angewiesen. Es dauert zu lange, bis ich da durchblicke. Das ist nicht meine Welt. Ich habe kein Smartphone und nur ein Handy für Notfälle. Ich hätte Stress, wenn ich Sklave meines Mobiltelefons wäre. Meine Internetseite könnte auch ein neues Design vertragen.

Welcher deiner Wegbegleiter hat dich am meisten beeindruckt?

Wahrscheinlich sind es die Menschen, die mich am härtesten kritisiert, aber trotzdem gemocht haben. Als Paar tut uns eine Freundschaft gut, die noch nicht so lange existiert, aber sehr intensiv ist. Das Ehepaar freut sich an unseren Erfolgen und leidet mit uns, wenn es schwierig ist. Neben meiner Frau hat mich wohl Andreas Malessa am meisten geprägt (Mit ihm ist Backhaus mehrere Jahre als das Duo „Arno und Andreas“ aufgetreten; Anm. d. Red.). Aber auch ein alter Pastor, der immer das Positive gesehen hat.

Wie politisch denkst du heute?

Die Entwicklung in den USA macht mir Sorgen. Ich finde es bedenklich, wie deutlich viele Evangelikale für Donald Trump Partei ergreifen. Ich hatte schon überlegt, ob wir den Begriff evangelikal nicht ersetzen können. Sollte Franklin Graham nächstes Jahr Köln besuchen, werde ich seinen Auftritt mit kritischen Plakaten begleiten. Ich frage mich, wie dessen Christsein mit der Trump-Politik zusammenpasst. Keine Regierung dieser Welt kommt ohne Fehler aus, aber Trumps Verhalten ist extrem schlimm. Klar lehnt er Abtreibung ab und unterstützt Israel, aber ganz andere Bereiche werden total ausgeklammert.

Wie erlebst du die Corona-Zeit als Selbständiger?

Es ist Chaos und Wunder zugleich. Ich hatte monatelang keine Veranstaltungen und musste über 70 Termine absagen. Ohne Bettelbriefe haben uns fremde Menschen Geld gespendet. Ich bin erstaunt, wie viele uns unterstützen. Seitdem bin ich selbst viel großzügiger geworden. Wir spüren die wirtschaftlichen Einbußen deutlich. Aber ich jammere nicht.

Wo kommst du zur Ruhe?

Bei meiner Frau, im Garten und in unserer Gemeinde. Ich habe den Vorteil, dass ich meinen Körper schnell runterfahren kann. Ich nehme meine Probleme nicht mit ins Bett. Außerdem fotografiere ich gerne, vor allem in der Natur.

Wir sind mit drei Attributen von Dir in das Gespräch gestartet. Welche Eigenschaften wünschst du dir von Christen?

Auf jeden Fall sollten sie bedarfsorientiert sein und den Menschen in ihrer Nachbarschaft helfen, damit andere etwas von der Liebe Gottes spüren. Wir brauchen Christen, die barmherzig sind wie Mutter Teresa, und wir brauchen humorvolle Menschen.

Weißt du schon, was auf deinem Grabstein stehen wird?

Ich halte nichts von einer abgekürzten Bibelstelle. Pfiffiger fände ich eine Nummer der Telefonseelsorge. Meine Beerdigung soll in Schwarz und Weiß stattfinden: einer Mischung aus Trauer und Freude. Ich könnte mir einen Satz vorstellen wie „Jetzt geht es erst richtig los.“ Ein bisschen humorvoll, nachdenklich, aber auch ermutigend.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellten Norbert Schäfer und Johannes Blöcher-Weil

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