Der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist am Wochenede mit 67 Jahren gestorben

Der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist am Wochenede mit 67 Jahren gestorben

Eberhard Schockenhoff gestorben

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist tot. Er starb am Samstag in Freiburg im Alter von 67 Jahren. Schockenhoff galt als kritische und einflussreiche Stimme innerhalb der katholischen Kirche. Er war unter anderem Mitglied im Nationalen Ethikrat.

Einer der bedeutendsten Moraltheologen Deutschlands ist tot: Eberhard Schockenhoff starb am Samstag, wie Ferdinand Prostmeier, Dekan der theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mitteilte. Der gebürtige Stuttgarter studierte nach dem Abitur Theologie in Tübingen und Rom. 1978 wurde er zum Priester geweiht.

Nach einer Zeit als Vikar schlug er eine wissenschaftliche Karriere ein. Er promovierte 1986 in Tübingen und arbeitete anschließend als Assistent des späteren Bischofs und Kardinals Walter Kasper, wo er sich 1989 habilitierte. Seit 1990 war Schockenhoff Professor für Moraltheologie, die ersten vier Jahre in Regensburg und seit 1994 in Freiburg.

Von 2001 bis 2016 war er zudem Mitglied des Nationalen Ethikrates (ab 2008: Deutscher Ethikrat) und zeitweise dessen stellvertretender Vorsitzender. Neben dieser Arbeit engagierte er sich in der Katholischen Ärztearbeit Deutschland. Ab 2001 war er geschäftsführender Herausgeber der „Zeitschrift für medizinische Ethik“. 2011 unterzeichnete er das Memorandum „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“. Im März 2019 hatte er in einem Referat bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eine Reform der römisch-katholischen Sexualmorallehre gefordert.

Kein Mensch darf über die Eigenschaften des anderen bestimmen

Schockenhoff forschte vor allem zu speziellen moraltheologischen Fragestellungen wie der theologischen Sichtweise der Stammzellen-Forschung oder Abtreibung. Im Blick auf die Gentechnik vertrat Schockenhoff im Interview des Christlichen Medienmagazins pro 2016 eine klare Linie: „Kein Mensch darf über die Eigenschaften eines anderen bestimmen.“ Embryonen dürften nicht für einen Zweck instrumentalisiert werden, „der ihm von außen aufgezwungen wird“.

Ein Eingriff in das menschliche Erbgut sei unverantwortlich, bis nicht alle Sicherheitsaspekte geklärt sind. Auch die Anfangsphasen der menschlichen Existenz dürften nicht vom Schutz der Menschenwürde ausgenommen werden. Der Mensch sei von Gott geschaffen und habe vor ihm einen Wert: „Diesen Wert muss er nicht unter Beweis stellen durch eine eigene Leistungsfähigkeit oder bestimmte Eigenschaften. Sondern diese Würde kommt ihm von Gott zu.“

Es spreche nichts dagegen, Krankheitsursachen zu erforschen und zu beheben. Die Forschung müsse sich aber auch an bestimmte moralische Maßstäbe halten und fragen, ob die konkreten Methoden erlaubt sind und die Folgen verantwortet können. Die Manipulation des Erbgutes benötige ethische Schranken. Aus seiner Sicht müsse die Manipulation streng begrenzt sein auf die Eliminierung von Krankheitsursachen im engen Sinn. Ein Designer-Baby mit aufgenötigten Eigenschaften bezeichnete Schockenhoff als totalitär.

Kretschmann: „Scharfer Verstand und analytische Fähigkeiten“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezeichnete Schockenhoff gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als „einflussreichen Theologen, dessen Stimme weit über die Grenzen der katholischen Kirche Gehör fand“. Seine Positionen zu medizinethischen Fragen oder zur katholischen Sexualmoral „zeugten von seinem scharfen Verstand und analytischen Fähigkeiten“. Der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, betonte die „visionäre Kraft in seinem theologischen Forschen und Reden“ und die „bemerkenswerte analytische Brillianz“. Es sei ihm immer ein Anliegen gewesen vom „Menschen und dessen Gewissen her zu denken“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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