Wurde durch Bilder im Playboy international bekannt: Ursula Buchfellner

Wurde durch Bilder im Playboy international bekannt: Ursula Buchfellner

Ein Sexidol wird Botschafterin der Versöhnung

Das Model Ursula Buchfellner wurde durch Nacktbilder im Männermagazin Playboy international bekannt. Ihre schwere Kindheit mit Missbrauch konnte sie lange nicht verarbeiten. Ein Gospellied half ihr.

„The most beautiful girl on the planet“, titelte das US-amerikanische Herrenmagazin Playboy in seiner Oktober-Ausgabe 1979. Das Nacktmodel Ursula Buchfellner wurde als erstes und bisher einziges deutsches „Playmate des Monats“ international als „das schönste Mädchen auf dem Planeten“ gefeiert. Heute nach über 40 Jahren ist sie immer noch außergewöhnlich hübsch und stellt sich in ihrem Buch „Lange war ich unsichtbar“ als „Botschafterin der Versöhnung“ vor.

Günther Klempnauer hat Ursula Buchfellner getroffen und sich ihre Geschichte erzählen lassen

Günther Klempnauer hat Ursula Buchfellner getroffen und sich ihre Geschichte erzählen lassen

Warum hat sie sich unsichtbar gemacht? Ihre Antwort lautet: „Aufgrund meiner schwierigen Kindheit musste ich notgedrungen ein System entwickeln, das mich unsichtbar machte, um dieser brutalen Welt zu entkommen. Ich habe aufgehört zu atmen, wenn ich Angst hatte, wenn Erwachsene in meiner Umgebung aggressiv wurden, anfingen zu streiten oder mich mit Schlägen traktierten. Meine Lebens­energie habe ich auf ein Minimum reduziert und wurde so in der Menge nicht wahrgenommen. Es funktionierte ganz gut. Dieser Schutzpanzer war für mich als Kind überlebenswichtig, weil mein Vertrauen immer wieder enttäuscht wurde. Dieses Verhaltensmuster hat sich in mein kindliches Gehirn geritzt, das ich unbewusst in meinem Erwachsenleben auch verwendet habe.“

Der Tiefpunkt nach sexuellem Missbrauch

Zur Welt gekommen und aufgewachsen ist Buchfellner in einer Holzbaracke im Münchener Stadtviertel „Am Hasen­bergl“ in einer Familie mit zehn Kindern. „Wir hatten kaum was zu essen, nichts anzuziehen. Also extrem arm. Drei Familien mit acht bis sechzehn Kindern mussten in dieser Notunterkunft eine Toilette benutzen. Wir zehn Geschwister haben uns gegenseitig getröstet. Wenn wir hungerten, haben wir uns umarmt und Mut zugesprochen. Bis heute sind wir beste Freunde geblieben.“ Die überforderten Eltern, Onkel und Tanten sowie Nachbarn dagegen jagten den Kindern panische Angst ein, mussten diese doch ständig damit rechnen, verprügelt zu werden.

Wiederholt wurde Buchfellner sexuell missbraucht: „Ich war sieben Jahre alt, als ein Mann mich bat, mit ihm seine Brille im Wald zu suchen. Im tiefen Wald hat er mich zu Boden geworfen und mir befohlen, mein Höschen auszuziehen. Dann hat sich der nach Alkohol stinkende Mann auf mich geworfen und sich an mir gerieben. Danach hat er sich verzogen, und ich lag starr vor Entsetzen auf dem Waldboden. Irgendwann raffte ich mich auf und rannte aus dem Wald. Auf der Straße begegnete ich meiner Oma, der ich diese grausame Geschichte erzählte. Daraufhin packte sie mich und schrie mich an, ich wäre eine Nutte und hätte diesen Mann verführt. Ich wäre am liebsten gestorben.“

Erwachsene haben Buchfellner wehgetan, aber Kinder schenkten ihr ehrliche Liebe. Als Achtjährige hatte sie schon einen „Kindergarten“ von zwölf Kindern. Die „Freudenbringerin am Hasenbergl“ hatte sich tausend Spiele ausgedacht, um diese verwahrlosten Kinder glücklich zu machen. Das hat ihr Kraft gegeben, all das Leid auszuhalten.

Vom Aschenputtel zur Prinzessin

In einem Münchener Biergarten wurde die 16-Jährige von einem Redakteur des Magazins Playboy mit den Worten angesprochen: „Wissen Sie eigentlich, wie schön Sie sind? Ich würde Sie gern als ‚Playmate des Monats‘ fotografieren.“ Sie hatte keine Ahnung, was ein Playmate war. Auf Drängen ihres Freundes ließ sie sich auf ein 14-tägiges Fotoshooting ein. Als sie sich im Scheinwerferlicht des Ateliers gestylt und geschminkt nackt im Spiegel betrachtete, erschrak sie vor sich selbst. Aber die Playboy-Crew meinte: „Endlich mal eine perfekt schöne Frau.“

Model Ursula Buchfellner im amerikanischen Playboy (Archivbild)

Model Ursula Buchfellner im amerikanischen Playboy (Archivbild)

Die Massenmedien feierten das „Playmate des Monats“ in der deutschen Ausgabe des Magazins. Scharenweise umlagerten Fotografen bekannter europäischer Modezeitschriften und Magazine, Filmemacher und Journalisten das attraktive Model aus München. Als „Aschenputtel“ vom Hasenbergl hatte Buchfellner kein Selbstwertgefühl, hielt sich für ein hässliches Mädchen und konnte sich selbst nicht lieben. Darum gierte sie geradezu nach Fremdliebe. Als „Prinzessin“ wurde sie von einem Tag auf den anderen mit Anerkennung aus aller Welt überschüttet. Rückblickend gesteht sie: „Als Model und Schauspielerin wurde ich sehr sichtbar. Es war mein Körper, der gesehen und bestaunt wurde, aber nicht meine Seele, die auch in diesem Showbusiness unsichtbar blieb. Auch der ,Playboy‘-Fotograf sah in mir nur ein Objekt, eine schöne Frau, mit der man Geld verdienen kann. Mehr nicht. In den folgenden Jahren bin ich seelisch verhungert.“

Die Schönste im ganzen Land

Zwei Jahre nach diesem Medienrummel in Deutschland erschien das Sex­idol als „Miss Oktober“ in der amerikanischen Ausgabe des Playboy und wurde weltweit als „The most beautiful girl on the planet“, das schönste Mädchen der Welt, gefeiert. Erster Klasse flog sie auf Einladung des mächtigen Playboy-Imperiums nach Chicago, wo sich der internationale Jetset trifft. Der Schriftsteller Norman Mailer verglich einst das luxuriöse Zentrum des Gründers Hugh Hefner mit einem „Raumschiff auf dem Weg ins All, auf dem man weder Tag noch Stunden kennt“. Buchfellner wurde von Hefner in seiner 100-Millionen-Dollar-Luxusvilla in Los Angeles herzlich willkommen geheißen. Es folgten verlockende Angebote als Schauspielerin in Erotikfilmen und als Fotomodell in Glanzmagazinen. In New York besuchte sie die weltberühmte Modelagentur „Elite“, die nur die schönsten Frauen der Welt in ihre Datenbank aufnimmt. Das Model gehörte dazu. Sogar in Hollywood lockte eine Schauspielkarriere. Als das Herrenmagazin Penthouse ihr dann für Nacktaufnahmen eine Viertelmillion Mark anbot, fragte sie sich: „Bist du eigentlich verrückt, deine Seele für Geld zu verkaufen? Bis hierhin und nicht weiter.“

Versöhnung mit Mama und Papa

Buchfellner war bereits 49 Jahre alt, als sie endlich den Mut fand, ihre traumatischen Belastungsstörungen, vor allem ihre schrecklichen Kindheitserlebnisse, aufzuarbeiten und sich mit ihren Eltern zu versöhnen. Nach inständigem Bitten war ihre Mutter bereit, die „verlorene“ Tochter für ein paar Tage bei sich wohnen zu lassen. „Zuerst habe ich ihr nur zugehört, ohne sie anzuklagen“, sagt Buchfellner. „Allmählich habe ich in ihr Herz geschaut und verstanden, warum sie mich als Kind vor den Schlägen meines Vaters nicht beschützen konnte. Aufgrund ihrer eigenen schlimmen Kindheit ist sie bis heute noch schutzbedürftiger als ich. Jetzt konnte ich sie seelisch umarmen.“

Nach dieser befreienden Versöhnung fühlte sie sich stark genug, auch ihrem Vater zu begegnen, der getrennt von seiner Ehefrau ganz in der Nähe wohnte, aber seine Tochter nicht empfangen wollte. Diese schlüpfte in seine „Mokassins“ und besuchte ihn in seiner Stammkneipe: „Stillschweigend habe ich mich neben ihn gesetzt“, erzählt sie, „und er hat mich nur angeguckt, ohne ein Wort zu sagen. Auch ich hab’ mir ein Bier bestellt und eine Zigarette geraucht, nur seinetwegen. Ich wollte ihm einfach das Gefühl geben: Ich bin auf deiner Ebene. Nach einer Stunde bin ich wieder gegangen. Viermal habe ich ihn in seiner Kneipe aufgesucht, bis er schließlich sein Herz öffnete.“

Ihr Vater war das zehnte Kind einer sehr armen Familie. Im Zweiten Weltkrieg fielen zwei seiner Brüder in Russland, auch sein Vater kehrte nicht wieder zurück. Seine schwermütige Mutter konnte sich um die noch lebenden Kinder kaum kümmern. Die älteren Brüder waren extrem aggressiv und ließen ihren Frust an ihm aus. Viele Schläge musste er einstecken und seine aufgestaute Wut und Hilf­losigkeit verdrängen. Als er arbeitslos wurde, fing er an zu trinken und wusste nicht mehr, wie er vor lauter Sorgen die Familie durchbringen sollte. In seiner Hilflosigkeit schlug er nur noch um sich und benutzte seine Kinder als Ventil. Freundliche, unbekümmerte Menschen in seiner Umgebung konnte er nicht ertragen, weil er selbst voller Angst und Verzweiflung war. Als er sich bei seiner Tochter ausgesprochen und sie ihm vergeben hatte, konnte er wieder lachen.

Es war der Gospelsong „Why me, Lord“ („Warum ich, Herr“), der Buchfellner in dieser schweren Zeit und bis heute begleitet: „Als ich das Lied zum ersten Mal hörte“, bekennt sie, „bin ich in Tränen ausgebrochen, weil die Worte mein Herz berührten. Ich habe mich hingekniet und habe es voller demütiger Dankbarkeit zu meinem Gebet gemacht: ‚Lieber Gott, warum ich? Was habe ich getan, dass ich so viel Freude erleben darf? Hilf mir, Jesus, ich habe so viel Zeit verschwendet und jetzt weiß ich erst, wer ich bin. Sag mir, mein Gott: Gibt es einen Weg, alles zurückzuzahlen, was du mir je gegeben hast? Vielleicht, lieber Gott, kann ich ja anderen Leuten zeigen, wie ich mich geändert habe auf dem Weg zu dir.‘“

Von: Günther Klempnauer

Dieser Beitrag stammt aus folgendem Buch: Günther Klempnauer: „The show must go on – Legenden und Idole entdecken Gott“, St. Benno, 19,95 Euro, 232 Seiten, ISBN 9783746255798

Dieser Beitrag stammt aus folgendem Buch: Günther Klempnauer: „The show must go on – Legenden und Idole entdecken Gott“, St. Benno, 19,95 Euro, 232 Seiten, ISBN 9783746255798

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