Der frühere Fußball-Profi Michael Sternkopf blickt mittlerweile wieder zuversichtlich in die Zukunft

Der frühere Fußball-Profi Michael Sternkopf blickt mittlerweile wieder zuversichtlich in die Zukunft

Ein Ausgebrannter brennt für Jesus

Michael Sternkopf konnte nicht mehr. Er hatte Angst, Depressionen und verspürte einen ungeheuren Druck. Dabei musste der Fußballprofi stark sein und funktionieren. Über 20 Jahre später geht es ihm gut, dank Jesus. Die Medien kritisiert er scharf.

Die Fußball-Karriere von Michael Sternkopf verläuft geradlinig. Seine erste sportliche Station absolviert der „Badener Bub“ beim Karlsruher SC. Im Winter 1990 sitzen Bayern-Boss Uli Hoeneß und der damalige Trainer Jupp Heynckes im Wohnzimmer der Eltern. Der deutsche Rekordmeister will Sternkopf verpflichten. Ein halbes Jahr später wechselt er zum FC Bayern: Er ist der bis dahin teuerste Transfer der Fußball-Bundesliga.

„Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Wenn ich am Wochenende gespielt habe, waren sie wie selbstverständlich dabei“, erzählt der 49-Jährige. Das Ziel, Profi zu werden, hatte er für sich selbst nie ausgegeben: „Ich hatte weder einen hohen Selbstwert noch großes Selbstbewusstsein.“ Das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: „Ich hatte Angst davor, erdrückt zu werden. Ich hatte Angst davor, gesteckte Ziele nicht zu erreichen.“

Strahlkraft der Bayern wurde zum Verhängnis

Diese Angst sollte sich intensivieren. Er verlässt sein „Wohnzimmer“, das Wildpark-Stadion, und wechselt 1990 als 20-Jähriger nach München. „Ich hatte kaum Lebenserfahrung und Bayern München hatte viel Strahlkraft.“ Die 3,4 Million D-Mark Ablösesumme vergrößert den Druck. In München landet er erstmal auf der Ersatzbank: „Wenn du in der Jugend erfolgreich bist, hast du oft mehr als 90 Prozent deiner Spiele gewonnen. Jetzt wirst du mit persönlichen und sportlichen Niederlagen konfrontiert.“

Gemeinsam mit Giovanne Elber spielte Michael Sternkopf beim FC Bayern München

Gemeinsam mit Giovanne Elber spielte Michael Sternkopf beim FC Bayern München

Während der Karlsruher SC nach drei Siegen in Folge schon von höheren sportlichen Weihen träumt, ist der Anspruch bei Bayern ein anderer. „Nach einer Niederlage kam Hoeneß in die Kabine und sagte: ‚Zwei Niederlagen in Folge genügen nicht dem Anspruch des Vereins.‘“ Viele Profis können damit umgehen. Sternkopf fällt das schwer. Die ersten Rückschläge lassen ihn daran zweifeln, ob seine mentale Stärke reicht. 1991 schickt ihn Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zu einem Spezialisten, der ihm Anti-Depressiva verschreibt.

Spieler werden schnell be- und verurteilt

Seine gesundheitlichen Probleme bleiben Verschlusssache: „Der Druck wurde für mich dadurch nicht kleiner.“ Fußballer dürfen keine Schwäche zeigen, meint er. Heute betont er: „Profi­sportler sind keine Maschinen. Keiner kann 365 Tage Höchstleistung bringen. Weil Fußballer so viel verdienen, setzen es die Menschen voraus.“ Leistung habe aber nichts mit dem Gehalt zu tun.

Dass Medien und Zuschauer trotzdem schnell be- und ver­urteilen, erhöht den Druck für ihn. Sternkopf zieht eine Parallele zum Ausscheiden der Nationalspieler bei der WM 2018: „Das war demütigend und verletzend. Jeder versagt einmal, aber dadurch ist er kein Versager“, kritisiert er die schreibende Zunft: „Journalisten können das nicht nachvollziehen.“

„Seit Gründung der Bundesliga hat noch kein Profi zugegeben, dass er Angst hat zu versagen. Heute muss er sich gnadenlos dem Urteil der Sozialen Medien aussetzen“, glaubt Sternkopf. Spieler würden sehr schnell von den Medien zerrissen. Gerade von ehemaligen Mitspielern und heutigen TV-Experten wünscht er sich mehr Empathie: „Die Experten dürfen gerne sagen, unter welchem Druck die Sportler stehen. Das wäre wichtiger, als noch mehr Druck aufzubauen.“

Gegen Maradona auf dem Platz

Wirklich befreit kann Sternkopf nicht mehr spielen. „Ich saß nassgeschwitzt im Bus auf dem Weg zum Stadion, weil ich Angst hatte zu versagen. Wenn du dann den ersten Zweikampf verlierst und die Zuschauer raunen, fängst du an zu überlegen und spielst Alibi.“ Sein volles Potenzial ruft er nie mehr ab: „Kein Mensch macht seinen Job ohne Angst so, wie er ihn mit Angst macht“, verdeutlicht er.

Heute noch läuft Michael Sternkopf mit alten Größen für die Bayern München-Traditionself auf

Heute noch läuft Michael Sternkopf mit alten Größen für die Bayern München-Traditionself auf

Und natürlich redet Sternkopf auch über den Torwart Robert Enke. Der Fußballprofi hat sich 2009 wegen seiner Depressionen das Leben genommen. „Er war Deutschlands Nummer 1 und hätte auch bei der WM 2010 gespielt. Und die Journalisten schreiben, dass er ‚nur‘ die Nummer 2 beim FC Barcelona ist. Das ist der Traum von Millionen Kindern auf der Welt. Wer das schreibt, versteht gar nicht, wie lange und anstrengend der Weg dorthin ist und wie viel Wille und Talent es braucht.“

Sternkopf darf gegen Stars wie Diego Maradona auflaufen, „den Fußballer meiner Jugend und Kindheit schlechthin“. Er darf die Meisterschale in den Händen halten. Trotzdem bleibt er immer hinter den eigenen Ansprüchen und den gefühlten Anforderungen anderer zurück. Die letzten Jahre als Profi in Bielefeld ist Sternkopf von Verletzungen gebeutelt. Der Übergang in das Leben danach gelingt. Er steigt als Mitarbeiter bei Kickers Offenbach ein. Er hilft dem Verein bei der Sponsorensuche und in der Vermarktung.

Nie gelernt Nein zu sagen

2011 wagt er die Herausforderung. Er beerbt Andreas Möller bei den Offenbacher Kickers als sportlicher Leiter. Die Schwäche, nicht Nein sagen zu können, wird ihm zum Verhängnis. Ihm wächst alles über den Kopf: die Arbeit und private Schwierigkeiten bringen das Fass zum Überlaufen. Besonders Menschen zu kritisieren und durch Entscheidungen zu enttäuschen, fällt ihm schwer. Sternkopf leidet unter Panikattacken.

Vor fünf Jahren schickt ihm der „Body-Guard und Herzenskämpfer“ Michael Stahl über Facebook eine Nachricht. Der Christ hat eine Lebensgeschichte voller Verletzungen und Demütigungen. Er hat heilsame Vergebung erfahren. Mit seiner Sportschule und seinen Selbstverteidigungskursen möchte er Menschen stärken und sie auf Gottes bedingungslose Liebe hinweisen. Stahl hatte das Gefühl, Sternkopf „fehle etwas“.

Sternkopf und Stahl bleiben in losem Kontakt. Bis sie sich persönlich kennenlernen, dauert es noch vier Jahre. Am 26. März 2018 besucht der Fußballspieler den Kampfsportler in dessen Heimat Bopfingen: „Obwohl wir uns nicht wirklich kannten, war die Atmosphäre herzlich.“ Stahl erzählt Sternkopf seine Geschichte: „Ein Mann, der über seine Schwächen redet. Das beeindruckte mich.“

Stahl fällt nicht mit der Tür ins Haus. Er weiß, dass in Sternkopfs Umfeld niemand gläubig ist. Dennoch versorgt Stahl den Fußballer täglich mit Bibelstellen und Sprüchen. Genau einen Monat später ist sich Sternkopf sicher, dass er ein Leben mit Gott ausprobieren möchte. Am 26. April beschließt er gemeinsam mit seinem damals zwölfjährigen Sonn Lenni, sein Leben Jesus anzuvertrauen. „Ich habe mich wie neu gefühlt.“ Er sagt: „Ich bin weder bibelfest, noch Profi-Christ. Ich habe ihn in meinem Herzen. Er hat in den letzen 18 Monaten Unfassbares bewirkt. Ich war ein körperliches und psychisches Wrack.“

Sternkopf hat seine Berufung gefunden

„Ich muss keine Leistung bringen, um zu wissen, dass ich geliebt bin.“ Mittlerweile hält Sternkopf Vorträge zu seiner Biografie. Dabei ist ihm eines besonders wichtig: „Wenn Menschen anderen von ihren Erfolgen erzählen, fühlen diese sich klein. Aber auch vermeintlich erfolgreiche Menschen haben Ängste: Der Fußballprofi genau wie der Arbeiter einer Firma.“

Sternkopf möchte Hoffnung geben, weil er weiß, wie es Menschen geht, die sich über Leistung und Erfolg definieren. „Ich habe mich schlecht und klein gefühlt, obwohl ich beim FC Bayern München war.“ Heute kann er mit Druck viel besser und befreiter umgehen. Er glaubt, seine Berufung gefunden zu haben: „Gott nutzt mich, um anderen Menschen die Augen zu öffnen.“

Der Beitrag über Michael Sternkopf ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5667751, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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