Lisa Makas spielt beim MSV Duisburg. Die 25-Jährige war 2015 Österreichs Fußballerin des Jahres.

Lisa Makas spielt beim MSV Duisburg. Die 25-Jährige war 2015 Österreichs Fußballerin des Jahres.

„Der Glaube gibt den Weg vor“

Die österreichische Fußballerin Lisa Makas war mit ihrer Mannschaft die Sensation der Europameisterschaft 2017, riss sich aber das Kreuzband. Im pro-Interview erzählt sie, wie der Glaube ihr über die wiederholte Verletzung hinweghilft und wie sie für Papst Benedikt gekocht hat.

pro: Sie sind in der niederösterreichischen Stadt Mödling geboren. Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

Lisa Makas: Ich bin durch meine Eltern zum Fußball gekommen. Sie haben mich mit fünf Jahren im heimischen Fußballklub angemeldet.

Haben Sie Rituale, die Sie vor oder während eines Spiels machen?

Wir tragen am Handgelenk ein Tape-Band. Da schreibe ich immer die Initialen meiner verstorbenen Großeltern und meines Onkels und ein Kreuz drauf.

Was bedeutet Ihnen der Glaube?

Der Glaube ist ganz wichtig. Er gibt dem Menschen auch in schwierigen Zeiten viel Halt. Und er gibt den Weg vor. Ich bin froh, dass mir meine Familie den Glauben vorgelebt hat.

Wie haben Ihre Eltern das gemacht?

Sie haben mit mir über den Glauben gesprochen, wir sind in die Kirche gegangen und haben viele Feste gefeiert. Zwar hat jeder Jugendliche eine Zeit, in der er sagt: Ich möchte jetzt nicht in die Kirche, das interessiert mich weniger. Aber wichtig ist, dass man mit dem Glauben aufgewachsen ist und weiß, dass Gott da ist. Je älter ich geworden bin, desto intensiver habe ich zum Glauben zurückgefunden.

Lesen Sie in der Bibel?

Ich lese schon in der Bibel, wenn auch nicht täglich. Ich habe die Bibel auch ganz gelesen.

Sie haben im Stift Heiligenkreuz eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau gemacht. Was hat Ihnen daran gefallen?

Die Menschen dort. Es war eine harmonische und coole Zeit, in der ich viel gelernt habe. Ich hatte auch Einblick in die Philosophisch-Theologische Hochschule. Ein Highlight war der Besuch von Papst Benedikt im Jahr 2007.

Sie haben auch bei der Zubereitung der Speisen für den Papst geholfen. Wissen Sie noch, was Sie gekocht haben?

Ich weiß sicher, dass es als Vorspeise eine Frittatensuppe gab. Das ist eine klare Rindsuppe mit Streifen von Eierkuchen. An die Hauptspeise erinnere ich mich spontan nicht mehr. Es war auf jeden Fall etwas Österreichisches.

Im Jahr 2015 wechselten Sie aus Österreich in die deutsche Bundesliga zum SC Freiburg. Jetzt stehen Sie beim MSV Duisburg unter Vertrag. War der Wechsel nach Deutschland eine schwierige Entscheidung?

Sportlich gesehen ist es mir nicht schwer gefallen. Aber natürlich sieht man die Familie nicht mehr so häufig, was es dann doch nicht ganz einfach macht.

Trotz Ihres Kreuzbandrisses in Freiburg haben Sie die Zeit im Verein als wertvoll bezeichnet. Warum?

Durch meine Verletzung habe ich Phasen erlebt, die nicht einfach waren. Aber ich durfte neue Menschen kennenlernen, mit denen ich auch heute noch im Kontakt stehe, was ich wertvoll finde.

Trügt der Eindruck, dass erstaunlich viele Fußballer und Fußballerinnen gläubig sind? Haben Sie Gleichgesinnte in der Bundesliga gefunden?

Ich kenne sehr viele, die gläubig sind. Sie kommunizieren das nur nicht unbedingt nach außen. Ich habe es auch nicht offiziell bekannt gemacht. Das waren eigentlich die Medien, die es durch meinen Blick in den Himmel beim Tor gegen Frankreich in der Gruppenphase der Europameisterschaft aufgeschnappt haben. Es gibt natürlich Fußballer wie David Alaba vom FC Bayern München, die ihren Glauben öffentlich machen.

Österreich war die positive Überraschung der Fußball-EM 2017. Bei der erstmaligen Qualifikation für eine Endrunde erreichte Ihre Mannschaft auf Anhieb das Halbfinale. Wie lautet das Erfolgsgeheimnis?

Wir sind als eine Mannschaft aufgetreten. Es war der Teamgeist. Jede hat für jede gespielt. Wenn Fehler passierten, waren wir füreinander da. Außerdem hat sich die harte Arbeit der vergangenen Jahre, was die technische und taktische Vorbereitung betrifft, ausgezahlt. Wenn dann alles so aufgeht, ist das natürlich auch ein Stück weit Glück. Wir sind in einen gewissen Rauschzustand gekommen. Da hat einfach alles zusammengespielt.

Beim Elfmeterschießen gegen Spanien im Viertelfinale schauten 44 Prozent der Österreicher im TV zu. Wie haben Sie diese neue Aufmerksamkeit wahrgenommen?

Was in Österreich passierte, haben wir nicht mitbekommen, weil uns das Nationalteam gut abgeschirmt hat. Wir konnten uns auf die Spiele konzentrieren, was wichtig war. Aber es ist schön zu hören, dass so viel Unterstützung im eigenen Land da war.

Sie haben zwei weitere Kreuzbandrisse erlitten. Wie geht es Ihnen jetzt?

Ich bin zwar noch auf Krücken unterwegs, aber mir geht es körperlich sehr gut. Auch im Kopf geht es mir gut. Ich bin eigentlich guter Dinge. In Österreich bin ich voll in der Reha. Im Oktober fliege ich wieder nach Deutschland und setze die Reha fort.

Inwieweit hilft der Glaube, mit solch einer Verletzung umzugehen?

Mir hilft der Glaube extrem, weil ich die Gewissheit habe, dass ich zurückkommen werde. Er gibt mir die Kraft, das Ganze wieder durchzuziehen und nicht zu sagen: Das war es jetzt mit meiner Karriere.

Wie ist der Rückhalt beim MSV Duisburg? Unterstützen Sie der Trainer und die Mannschaft?

Mit dem Trainer telefoniere ich öfter. Ich freue mich auch jetzt schon, wenn ich im Oktober wieder bei der Mannschaft sein kann. Die Mitspielerinnen unterstützen mich sehr.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 5/2017 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Die Fragen stellte Michael Müller

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