Susanne Kluge-Paustian brachte es mit einem abgebrochenen Medizinstudium zur TV-Moderatorin. Mit Menschen und deren Gesundheit beschäftigt sie sich aber weiter.
Susanne Kluge-Paustian brachte es mit einem abgebrochenen Medizinstudium zur TV-Moderatorin. Mit Menschen und deren Gesundheit beschäftigt sie sich aber weiter.

Moderatorin mit Leidenschaft für Menschen und Gott

Susanne Kluge-Paustian ist Moderatorin und selbstständige Journalistin – mit einer großen Begeisterung für Menschen. Über Umwege hat sie in eine evangelische Freikirche gefunden. Dass der Glaube auch in schweren Stunden trägt, hat sie bei ihrer Arbeit für das Gesundheitsmagazin „Visite“ des Norddeutschen Rundfunks erfahren. Ein Porträt von Moritz Breckner

Funken sprühen, wenn Susanne Kluge-Paustian über Menschen spricht. Dann strahlt ihr Gesicht, und die Worte sprudeln aus ihr heraus. Menschen, das merkt ihr Gegenüber schnell, sind die große Leidenschaft der Fernsehmoderatorin, die in ihrer Laufbahn Bauern, Künstler und Politiker interviewt und journalistisch begleitet hat. „Mir ist es wichtig, die Menschen authentisch abzubilden, und sie dabei kritisch zu hinterfragen“, erklärt sie.

Ihre beruflichen Wurzeln liegen im Gesundheitswesen, doch es zog sie in die Medien: Nach ihrem Abitur machte sie in Kiel ihr Examen zur medizinisch-technischen Assistentin in der Radiologie und bekam einen Studienplatz für Medizin. Doch das erfüllte sie nicht. Nebenbei schrieb sie für eine Zeitung in Kiel und packte dann die Gelegenheit für ein Praktikum in einer kleinen TV-Produktionsfirma beim Schopfe. Danach bekam sie – so viel Glück ist in der Branche selten – ein Volontariat bei Sat.1 angeboten, das sie schließlich annahm. Heute ist sie selbstständig, dreht Filme und moderiert das NDR-Gesundheitsmagazin „Visite“. Im Studio sitzt sie beispielsweise mit einem Experten zusammen und lässt sich für Laien verständlich erklären, mit welchen Turnübungen Patienten Schwindelanfälle bekämpfen können. Der Medizin ist sie also treu geblieben.

Kluge-Paustian lebt mit ihrem Mann, einem Heilpraktiker, und ihren zwei Söhnen in der Nähe von Hamburg. Dort besucht sie auch eine evangelische Freikirche, das Christus-Zentrum Arche in Elmshorn. „Ich habe mich ganz bewusst in meinem Herzen für Jesus entschieden“, sagt sie. Der Weg dorthin war ein verschlungener Pfad. Sie wuchs katholisch auf, diskutierte schon im Firmunterricht neugierig mit dem Pfarrer. Eine Weile war sie auch Messdienerin, verabschiedete sich nach dem Abitur aber von der Kirche: „Sie war mir zu eindimensional und dogmatisch, kam mir so weit vom Leben entfernt vor“, erinnert sie sich. Positionen der Kirche zu Verhütung oder Scheidung erschienen ihr als nicht zeitgemäß. Als junge Frau probierte sie unterschiedliche Religionen aus – etwa den Buddhismus. „Manches an dieser Weltanschauung fand ich ansprechend“, sagt sie heute, „zum Beispiel die Meditation und die friedliche Einstellung. Aber ich habe festgestellt, dass ich im Christentum verwurzelt bin und hier meine Identität liegt. Ob ich will oder nicht, der christliche Glaube bedeutet für mich Heimat.“ Fortan schaute sie sich Landes- und Freikirchen an und wurde fündig: Die Arche Elmshorn gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, schon mehrfach wurde von hier der ZDF-Fernsehgottesdienst ausgestrahlt. Kluge-Paustian kann sich an den Tag erinnern, als sie sich für den Glauben entschied: „Der Pastor hat gefragt, wer in seinem Herzen bewusst Ja zu Jesus sagen will“, erinnert sie sich. An diesem Tag habe sie ihr Leben Gott übergeben. Als Erwachsene taufen lassen hat sie sich seitdem nicht, sie spielt aber mit dem Gedanken.

Leid als Herausforderung für das Vertrauen

Gerade als Medizinjournalistin weiß Kluge-Paustian darum, dass viele Menschen nicht glauben können – weil sie so viel Schreckliches erleben mussten. „Ich habe über einen Zeitraum von mehreren Monaten eine Reportage über einen Arzt gedreht, und in diesem Zeitraum ist seine kleine Tochter an Krebs gestorben“, erinnert sie sich. Das habe sie demütig gemacht – und dankbar für die Gesundheit der eigenen Kinder. „Mir wurde klar: Auch Ärzte, die scheinbar alles können, müssen mit schweren Schicksalen umgehen.“ Ein anderes Mal begleitete Kluge-Paustian eine schwer herzkranke Frau mit der Kamera, die auf ein Spenderherz wartete. Für sie kam das Organ rechtzeitig – nicht jedoch für ihre Zimmernachbarin, die schließlich starb. „Es ist, wie es ist“, sagt die Journalistin zu der unbequemen Tatsache, dass Christen immer wieder um ein Heilungswunder beten – und dass dieses ausbleibt. „Trotzdem ist da immer wieder so ein Vertrauen, dass Wunder geschehen können“, findet sie. „Es gibt Wege, die sind hart und bitter, und es bleibt eine Herausforderung, das Vertrauen in den Glauben zu behalten.“

Die Begleitung von Menschen auch in schwierigen Situationen nennt Kluge-Paustian ein Privileg und ein Geschenk. Zwischen journalistischer Distanz und Einfühlungsvermögen ist es dabei oft eine Gratwanderung. „Aber ohne sich zu öffnen, Nähe zuzulassen und dann die Situation auch wieder neu zu betrachten, kann Berichterstattung nicht gelingen“, ist ihre Erfahrung. Mehrfach durfte sie Menschen Mut zusprechen, die sich ihr anvertraut hatten. Dass ihr Weg über die Medizin in den Journalismus führte, war mehr Glücksfall und Gottes Führung als ihr eigener Masterplan, meint sie. Die Moderatorin rät jungen Leuten, die in die Medien einsteigen möchten, davon ab, Journalismus zu studieren, und empfiehlt Fächer, die den persönlichen Interessen entsprechen. Sie selbst hat sich auf Medizin spezialisert, andere Quereinsteiger in den Journalismus könnten Meteorologen, Juristen oder Politikwissenschaftler sein. Sachen auszuprobieren und dabei Gaben, Talente und den eigenen Enthusiasmus zu entdecken, sei wertvoller, als von Kindesbeinen an eine Strategie zu entwickeln, wie man an den vermeintlichen Traumjob komme.

„Medien sollten Christen positiver darstellen“

Dass Kluge-Paustian an Jesus Christus glaubt, ist bei ihrer Arbeit kein Geheimnis. „Ich finde schon, dass es Privatsache ist, aber ich würde mich nicht scheuen, darüber beim Mittagessen zu sprechen, wenn es sich ergibt“, sagt sie. Kluge-Paustian weiß, dass die Medien oft mit evangelikalen Christen fremdeln: „Ich würde mir wünschen, dass die Medien Christen positiver zeigen würden, oft werden sie verurteilt oder als naiv dargestellt“, erklärt sie. „Man kann ja durchaus differenziert berichten, aber trotzdem positiv an die Sache herangehen.“ Die kritische Analyse von Kirche und Gemeinden in den Medien sei nicht immer hilfreich für die Menschen.

Vorbilder im Glauben sind für Kluge-Paustian zwei Frauen: Die amerikanische Bibellehrerin Joyce Meyer, deren Humor und Authentizität sie schätzt, und die Reformations-Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann. An ihr gefällt Kluge-Paustian die Ehrlichkeit, mit der die damalige EKD-Ratsvorsitzende ihre Alkohol-Fahrt öffentlich eingestand. „Ich hätte mir gewünscht, dass sie damals nicht zurückgetreten wäre, weil dann genau das praktiziert worden wäre: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“, sagt Kluge-Paustian. „Der Fall hätte ein Beispiel dafür sein können, wie Vergebung aussehen kann.“ Vergebung und Rücksichtnahme sind Lehren, die Kluge-Paustian an ihrem Glauben besonders schätzt: „Ich beachte, wie sich die Menschen entwickelt haben, und warum sie so handeln, wie sie es tun“, sagt sie. (pro)

Dieser Text ist der Ausgabe 5/2016 des Christlichen Medienmagazins pro entnommen. Bestellen Sie pro kostenlos unter Tel. 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Radiomoderatorin mit Standleitung zu Gott (pro)

Von: mb

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