Martin Luther wollte die Kirche wieder zu ihrer Quelle zurückführen

Martin Luther wollte die Kirche wieder zu ihrer Quelle zurückführen

Reformation heißt „Zurück zur Quelle“

Martin Luther wollte die Kirche reformieren und ihre Quelle – Jesus Christus und sein Wort – wieder in den Fokus rücken. Das ist heute genauso wichtig wie damals. An ihrer Kraft hat die christliche Botschaft nichts eingebüßt. Ein Impuls von Egmond Prill

31. Oktober 1517: Mit 95 Thesen will Martin Luther ein Gelehrtengespräch über den Glauben anstoßen. Aus dem kirchlichen Ablass war ein Geschäft geworden. Die Päpste und Bischöfe brauchten und verbrauchten riesige Summen für Bauten und Hofhaltung. Luther fordert eine Erneuerung der bestehenden Kirche im Sinne: Zurück zu den Wurzeln! Oder anders gesagt: eine Re-Formation, zurück in die ursprüngliche Form.

Der junge Martin Luther kämpfte mit der Frage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Es war für den Mönch die seelische Not des Glaubens: Welche guten Werke öffnen den Weg zur Erlösung und in den Himmel? Was muss ich machen, damit ich in Gottes Augen gut aussehe und gut bin?

„Er hilft uns frei aus aller Not“

Antworten und Wegweisung fand er in der Bibel. Der alten Sprachen mächtig, entdeckte er im ursprünglich griechisch verfassten Neuen Testament den gütigen Gott. Durch Gottes Gnade wird der Mensch gerecht, ohne eigene Werke. Im Glauben an Jesus Christus wird der Mensch heil. Der Heiland hat in Sterben, Tod und Auferstehung eine neue Welt gegründet. Mitten in der alten Welt wächst das Reich Gottes. Als Antwort auf seine persönliche Frage nach einem gnädigen Gott hatte Luther neu die Botschaft der Bibel entdeckt. Kurz gefasst: allein die Schrift, allein die Gnade, allein der Glaube, allein Christus.

Zurück zur Quelle, zur Heiligen Schrift, zum Wort Gottes. Dem diente die Übersetzung des Neuen Testaments und später der gesamten Bibel ins Deutsche. Mit der Nutzung neuer Technik im Buchdruck fand die deutsche Bibel rasch Verbreitung. Sie prägte unsere Sprache und Kultur. Sie brachte einen Bildungsschub, denn jetzt wollten die Menschen selber lesen, was in der Bibel steht. Und bis heute gilt das Wort von der Gnade allen Menschen auch jenseits der Kirchengrenzen: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Römer 3,22.23+28).

„Das Wort sie sollen lassen stahn“

Es ist die alte und immer wieder neue Frage: Was ist wirklich Gottes Wort und Wille? Bereits die Propheten ringen in biblischen Zeiten um Klarheit und Wahrheit. Es gibt auch falsche Propheten. Diese sind mehr Meinungsmacher in eigener Sache oder im Auftrag der Mächtigen. Sie flöten, was dem König gefällt oder das Volk hören will oder in die Zeit passt. Jesus warnt vor Verführern in seinem Namen, vor falschen „Christussen“. Luther sah sich von Gott geleitet. Er war der rechte Prophet zu seiner Zeit. Das betraf seine Erkenntnisse, seine Schriften und Predigten.

Sprichwörtlich wurde seine Ansage: „Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!“ Ob es genau so auf dem Reichstag zu Worms 1521 angesichts des Kaisers gesagt wurde, ist heutzutage hinterfragt worden. Dem Anliegen Luthers entspricht die Feststellung: „Auch Konzilien können irren.“ Moderne Synoden und Kirchentagsgremien auch? Ein Webfehler der Reformation war die direkte Anbindung der Protestanten an die politische Macht. Damals vielleicht der einzige Weg. Doch er konnte schnell zum Irrweg werden. Es gibt bis zur Stunde die Gefahr der Anbiederung an Zeitgeist und Politik. Die „Deutschen Christen“ in der Zeit des Nationalsozialismus, die „Kirche im Sozialismus“ in den Jahren des Realsozialismus der DDR sind Beispiele.

Und gegenwärtig lesen sich Programme und Projekte der Evangelischen Kirche ideologisch-einseitig wie rot-grüne Parteitagsbeschlüsse, sagen Kritiker. Die Bibel wird zwischen historisch-kritischer Auslegung und gendergerechter Sprache zerlegt und zerbröselt. Aber Jesu Gemeinde ist Kirche des Wortes oder sie ist nicht. Allein die Schrift!

„Mit unsrer Macht ist nichts getan“

Gerade in einer pluralen Gesellschaft höchst unterschiedlicher Ansichten und Lebensentwürfe darf sich Gottes Wort nicht in Beliebigkeit und Gleichgültigkeit auflösen. Jesus selbst gibt seiner Gemeinde den Zuspruch: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“ Salz verliert seine Kraft, wenn es verwässert wird und sich in Wohlgefallen auflöst. Dabei ist in unseren Zeiten Lebenshilfe aus dem kraftvollen Wort Gottes gefragt.

Wie anders ist es zu erklären, dass nach Tragödien und Katastrophen Unfall-Seelsorger gesucht werden, Pfarrerinnen und Pfarrer gefragt sind? Trost finden Angehörige und Überlebende in persönlichen Gebeten und bei Andachten. Gedenkgottesdienste für Terroropfer sind bis zum letzten Platz besetzt und werden im Fernsehen übertragen. Tatsache, Not lehrt beten. Wo menschliche Möglichkeiten aufhören, fängt Gott erst an. Ist es jene Erkenntnis, die Kirchenvater Augustinus so formulierte: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“? Luther ist auf seiner Suche nach Gott dort zur Ruhe gekommen, wo seine Anstrengungen am Ende waren. Und weil alter und neuer Ablasshandel nicht zur Erlösung führen, bleibt das reformatorische Bekenntnis: Christus allein!

„Mehr Evangelium in den Medien“

Upps, dieser Gedanke gehört nicht zum Lied der Reformation. „Mehr Evangelium in den Medien“ ist das Leitwort des Christlichen Medienverbundes KEP. Ist diese Aufgabe nicht nah dran am Anliegen der Reformation? Auf allen Wegen und Kanälen die tröstende und rettende Botschaft des Evangeliums den Menschen zu bringen. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern war damals die Medienrevolution. Flugschriften und Traktate, Predigten, Psalmen und schließlich die komplette Bibel in deutscher Sprache fanden so rasch Verbreitung. Und die Lieder der Reformation fanden den Weg in die Herzen der Leute.

Luthers Vers „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen“ nimmt Gedanken aus Psalm 46 auf: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke.“ Der gnädige Gott ist unsere Hoffnung jeden Morgen neu. Jesus Christus ist der Retter. Er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben.

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