Der Theologe Thorsten Latzel ist neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Der Theologe Thorsten Latzel ist neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Thorsten Latzel zum neuen rheinischen Präses gewählt

Neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland wird der promovierte Theologe Thorsten Latzel. Er tritt die Nachfolge von Manfred Rekowski an, der nach achtjähriger Amtszeit im März in den Ruhestand geht.

Thorsten Latzel steht zukünftig an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode wählte den 50-jährigen Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt am Donnerstag für acht Jahre zum leitenden Geistlichen der zweitgrößten deutschen Landeskirche mit 2,4 Millionen Mitgliedern. Er setzte sich im ersten Wahlgang mit 113 von 190 Stimmen gegen den aus Bayern stammenden Theologieprofessor Reiner Knieling (57) und die Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk (53), durch. Er sagte in seiner Vorstellungsrede, er brenne für die evangelische Kirche als weltoffene Gemeinschaft mit einem freien Glauben, der mit einer hohen sozialen Verantwortung einhergehe: „Unsere Aufgabe ist es, als Kirche Ort der Hoffnung für die Welt zu sein.“ Zu den Aufgaben gehöre aber auch, kirchliche Strukturen umzubauen, weil die Kirche in den kommenden Jahren „weniger, älter und ärmer“ werde.

Der in Bad Laasphe im Kreis Siegen-Wittgenstein aufgewachsene Latzel studierte Evangelische Theologie in Marburg und promovierte 2002 in Heidelberg mit einer Arbeit über den Heidelberger Katechismus. Nach einer Zeit als Vikar und Gemeindepfarrer wechselte er 2005 ins Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, wo er als Oberkirchenrat das Projektbüro Reformprozess leitete und auch für die EKD-Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zuständig war.

Seit 2013 leitet er die Evangelische Akademie in Frankfurt, die 2017 konzeptionell neu aufgestellt wurde. Der in Darmstadt lebende Theologe ist Mitglied der EKD-Bildungskammer und veröffentlicht im Blog „glauben-denken.de“ regelmäßig theologisch-essayistische Impulse. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Von der fundamentalistisch-konservativen Haltung seines Bruders Olaf, der kürzlich vom Bremer Amtsgericht wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, distanziert sich Thorsten Latzel vehement.

Die rheinische Kirche umfasst 37 Kirchenkreise mit 655 Gemeinden und erstreckt sich über Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland. Der Präses vertritt die Landeskirche nach außen und ist Vorsitzender der Landessynode und der Kirchenleitung sowie Chef des Kollegiums im Landeskirchenamt.

„Mich und mein Bruder trennen theologisch Welten“

Latzel, dessen Bruder Olaf im November wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, weil er zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt habe, sagte in einem Interview mit epd, ihn trennten von seinem Bruder Welten. „Ich spreche nicht öffentlich über ein Mitglied meiner Familie. Aber ich halte es generell für inakzeptabel, wenn Menschen diskriminiert werden, aus welchen Gründen auch immer.“ Seine Kirche stehe wie er selbst „klar für Wertschätzung, Vielfalt und Freiheit. Das schließt die freie sexuelle Orientierung eines Menschen ein.“

Ihm sei im Präsesamt eine „geistliche Leitung“ wichtig, „um die Gemeinden zu stärken und evangelische Perspektiven in die Gesellschaft zu vermitteln“. Latzel weiter: „Wir müssen neu von Jesus Christus reden, von der Hoffnung, die uns trägt, von Gottes Liebe zu seiner ganzen Schöpfung und jedem Menschen.“ Das Evangelium sei nicht Privatsache, sondern habe immer einen politischen Anspruch, so Latzel. „Wir machen keine Parteipolitik, sondern stärken Demokratiefähigkeit, indem wir christliche Perspektiven einbringen. Dass Menschen nicht im Mittelmeer ertrinken und Verfolgte Asyl genießen, ist ein Menschenrecht. Gegen das Politikversagen der EU müssen wir dies öffentlich betonen. Als Kirche schaffen wir auch Begegnungsräume für Menschen verschiedenster Herkunft und Ansichten und tragen so zum Funktionieren der Zivilgesellschaft bei.“

Angesprochen auf die „Querdenker“, sagte der Theologe, die Möglichkeit zu demonstrieren sei ein fundamentales Grundrecht, aber mit ihrer Nähe zu Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern gefährdeten die Querdenker die Demokratie. „Ich kann verstehen, dass Menschen Sorgen haben oder einzelne Maßnahmen kritisieren. Ich habe aber kein Verständnis dafür, wenn die Gesundheit anderer Menschen mutwillig gefährdet wird.“

Von: epd

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