Die Corona-Pandemie könnte auch die üblichen Weihnachtsgottesdienste verändern

Die Corona-Pandemie könnte auch die üblichen Weihnachtsgottesdienste verändern

Weihnachten gibt es trotzdem

Es ist nicht das höchste christliche Fest, aber wohl das beliebteste: Weihnachten lockt alljährlich Millionen in die Kirchen. So die Corona-Auflagen einzuhalten, wäre unmöglich. Um trotzdem zu feiern, entwickeln Gemeinden kreative Möglichkeiten.

Ohne Weihnachtsmärkte und -konzerte wird es in diesem Jahr vor allem an den Kirchen hängen, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten und Zuversicht zu wecken, schrieb kürzlich die Pastorin Hanna Jacobs (32) in ihrer Kolumne in der Zeit-Beilage Christ und Welt. Darum müssten die Kirchen besonders dick auftragen: Weihnachtskarten der Kirchengemeinden an alle Anwohner, beleuchtete Kirchtürme und Weihnachtsgottesdienste im Rundfunk.

Wie das Weihnachtsfest in diesem Jahr in den Kirchen gefeiert werden kann, ist noch offen. Die jüngsten Beschlüsse des Bundes und der Länder sehen vor, dass in Regionen mit einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche maximal 100 Personen zu Veranstaltungen kommen dürfen. Seit Anfang Mai sind Gottesdienste grundsätzlich wieder möglich, allerdings nur mit strikten Hygieneregeln: Begrenzung der Besucherzahl, kein Gemeindegesang, Abstand, Mund-Nasenschutz und der Verzicht auf direkten Körperkontakt beim Austeilen des Abendmahls oder beim Segen.

„Die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln ist für uns selbstverständlich“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mit Blick auf das Weihnachtsfest. Tausende von Haupt- und Ehrenamtlichen hätten in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie verantwortungsvoll mit den Spielräumen umgingen. „Neben den Gottesdiensten in den Kirchen wollen wir, wo immer möglich, auch Freiluftgottesdienste anbieten, so dass viele Menschen an Gottesdiensten teilnehmen können“, sagte er.

Einen Umzug nach draußen planen zum Beispiel die evangelischen Gemeinden in Bremen. Sie feiern in diesem Jahr „Weihnachten auf der Straße“. Das Singen ist im normalen Gottesdienst nicht erlaubt, zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung. Als Alternative könnte es in der Hansestadt Open-Air-Veranstaltungen mit Bläsern oder ein Weihnachtsliedersingen auf einem Industriegelände geben, ähnlich wie ein Autokino.

Krippenspiel in der ganzen Stadt

Im Rheinland plant eine Gemeinde einen ökumenischen Gottesdienst auf einem Parkdeck, eine andere überlegt, Weihnachten auf einem Friedhof zu feiern. Die Organisatoren müssten „in alle Richtungen denken, um niemanden abweisen zu müssen“, sagte der Präses der Evangelische Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski.

In Hamburg-Hoheluft ist in der Gemeinde St. Markus die Idee eines Krippenspiels quer durch den Stadtteil entstanden. Auf zehn Balkonen sollen Konfirmandinnen und Konfirmanden stehen, die dem Publikum kurze Teile des Krippenspiels präsentieren. An der zehnten Station sind Geschenke für die Besucherinnen und Besucher geplant. Ein Engel soll die Schaulustigen anführen und mit einem Stern den richtigen Weg zum nächsten Balkon weisen. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat derweil eine Ideenbörse eingerichtet, auf der sich Gemeinden gegenseitig inspirieren können.

Neben Outdoor-Gottesdiensten könnten auch mehrere kleine Andachten über den Tag verteilt eine Lösung sein, wie der katholische Liturgie-Experte Marius Linnenborn jüngst empfahl. Der Grundsatz bei der Planung müsse der gleiche wie auch sonst in der Corona-Pandemie sein: „Abstand halten. Sowohl zeitlich als auch räumlich“. Der Pfarrer hält kurze Gottesdienstformen für sinnvoll, die nicht länger als 15 oder 20 Minuten dauern und eine Bibel-Lesung und ein kurzes Krippenspiel enthalten.

Die Corona-Pandemie treibt die Kirchen zudem weiter in die digitale Welt – von der Online-Platzreservierung bis zum Livestream der Andacht. Wie schon an Ostern sollen vielerorts Predigten gestreamt und online zur Verfügung gestellt werden. Es sei eine Herausforderung, den Spagat zwischen den Corona-Vorgaben und der Sehnsucht nach einem feierlichen Weihnachten in Gemeinschaft zu meistern, sagte Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs. „Deshalb brauchen die Menschen jenseits von Punsch und Geschenken gerade jetzt Licht und Zuversicht.“

Von: epd

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