Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, Erzbischof Heiner Koch und Wall-Geschäftsführer Patrick Möller (v.r.n.l) stellten an der Berliner Haltestelle Spandauer Str./Marienkirche die neue Werbekampagne vor

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, Erzbischof Heiner Koch und Wall-Geschäftsführer Patrick Möller (v.r.n.l) stellten an der Berliner Haltestelle Spandauer Str./Marienkirche die neue Werbekampagne vor

Kirchen starten Kampagne für Corona-Seelsorgetelefon

Inmitten der Pandemie wollen die Berliner Kirchen mehr Menschen mit ihrem Corona-Seelsorgetelefon erreichen. Dafür wurde nun eine spezielle Werbekampagne gestartet.

Mit mehr als 1.500 Plakaten an Berliner Haltestellen wollen die Berliner Kirchen auf ihr spezielles Seelsorgeangebot während der Corona-Krise aufmerksam machen. Den Startschuss für die großangelegte Werbekampagne gaben der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), Christian Stäblein, Erzbischof Heiner Koch und dem Geschäftsführer der Berliner Wall GmbH, Patrick Möller, einem Außenwerbeexperten. Neben den Plakaten sollen weiterhin zehntausende Postkarten in Berliner Restaurants und Kneipen auf das kirchliche Angebot aufmerksam machen.

Stäblein bezeichnete die Seelsorge als „elementar“ und „immens wichtig“ in der jetzigen Zeit. Er sei froh, dass das Projekt ebenfalls von der Katholischen Kirche unterstützt wird. Deren Berliner Erzbischof Koch bezeichnete das Zuhören als größte Stärke der Seelsorge. Die, die nach einem offenen Ohr suchen, würden hier fündig. Finanziell wird das Projekt vom Außenwerbe-Unternehmen Wall mit getragen. Deren Geschäftsführer Möller kündigte an, die Kampagne so lange zu unterstützen, wie es notwendig sei.

Soziale Ängste wachsen

Obwohl bereits seit Wochen viele Beschränkungen im öffentlichen Leben wieder aufgehoben sind, sei der Bedarf an Telefonseelsorge weiterhin sehr hoch, erklärt die ehrenamtliche Telefonseelsorgerin Gerlin Verspermann auf Nachfrage von pro. Dabei spiele das Alter der Anrufer keine Rolle. Vielen machten sich Sorgen um eine zweite Welle oder fühlten sich sozial isoliert – obwohl die Kontaktbeschränkungen teilweise aufgehoben sind. Dies betreffe auch in einem hohen Maße junge Menschen.

Gewandelt habe sich in den vergangenen Monaten der Grund der Anrufe. Während zu Beginn der Pandemie viele Anrufer nach Informationen zum Virus und zum Verhalten im Alltag gefragt hätten, gehe es jetzt vornehmlich um soziale Ängste und Existenznöte. Vermehrt habe Vespermann auch Personen in der Leitung, die in einer suizidalen Krise steckten.

Nach eigenen Angaben gingen bis Ende Juli 1.500 Anrufe bei der Hotline ein. Die durchschnittliche Gesprächsdauer betrug demnach 24 Minuten. Aktuell sinkt die Anzahl der Gespräche leicht. Die Länge der Gespräche nehme dafür aber zu. Das Corona-Seelsorgetelefon ist ein gemeinsames Projekt des Erzbistums Berlin, der Landeskirche EKBO, von Diakonie und Caritas.

Von: Martin Schlorke

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