Ein Inferno haben die Atombombenabwürfe in Japan im August 1945 hinterlassen. Das Bild zeigt den Abwurf über der japanischen Stadt Nagasaki.

Ein Inferno haben die Atombombenabwürfe in Japan im August 1945 hinterlassen. Das Bild zeigt den Abwurf über der japanischen Stadt Nagasaki.

Kirchen warnen: Nukleare Kampfführung kein Gespenst der Geschichte

Um Japan möglichst schnell zur Kapitulation im Zweiten Weltkrieg zu zwingen, befahl der amerikanische Präsident Harry S. Truman am 6. August 1945, eine Atombombe auf Hiroshima (und drei Tage später auf Nagasaki) zu werfen. Den 75. Jahrestag der Explosion nehmen die evangelische und die katholische Kirche zum Anlass, um auf die Gefahren von Atomwaffen aufmerksam zu machen.

Der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki am 6. August und 9. August 1945 hat sofort 100.000 Menschen getötet. An den Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den nächsten Jahren kamen etliche hinzu. Am 75. Jahrestag der Ereignisse erinnern die evangelische und die katholische Kirche an das Ereignis und warnen in einer gemeinsamen Erklärung davor, „nukleare Kampfführung als Gespenst der Geschichte“ abzutun.

Ziel des amerikanischen Abwurfs war es, den Kriegsgegner aus Japan möglichst schnell zur Kapitulation zu zwingen. Weltweit wurden Hiroshima und Nagasaki zu Symbolen für die Schrecken des Krieges und als dauernde Abschreckung vor einem möglichen Atomkonflikt zu Zeiten des Kalten Krieges.

„Atomsprengköpfe gewinnen an strategischer Bedeutung“

Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Heiner Wilmer, und der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, haben anlässlich des 75. Jahrestags betont, dass weltweit immer noch 16.000 Atomsprengköpfe existieren und in der Gegenwart wieder an strategischer Bedeutung zunehmen.

In einer gemeinsamen Verlautbarung erinnerten beide an die vielen zivilen Opfer, die „ihr Leben in einem aussichtslosen Krieg gelassen und das atomare Inferno erlitten“ haben. Der Blick in die Vergangenheit sei eine Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Aktuell erlebe die Welt eine „fatale Deregulierung internationaler Nuklearwaffenabkommen“. In einer „globalen Krise der Diplomatie rückt die Gefahr atomarer Gewalteskalation in greifbare Nähe“.

„Viele neue Gefährdungslagen“

Politisches Ziel müsse eine Welt ohne Atomwaffen sein, betonen beide. Dafür bedürfe es der (Wieder-)Aufnahme vertrauensvoller Dialoge und des politischen Willens zur Veränderung: „Ein erstes und eindrückliches Zeichen sollte die Annahme und Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags der UN – auch durch Deutschland – sein“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der beiden Kirchen.

Gedanken machen sich die Unterzeichner auch über „neue“ Gefährdungslagen wie Cyberwar, Terrorismus, Handelskriege und andere. Zwar hatten die Kirchen den Wert der Abschreckung in der Vergangenheit durchaus anerkannt: „Doch als Massenvernichtungswaffe war und ist ihr Einsatz ethisch nicht zu rechtfertigen.“

Papst Franziskus hatte am 24. November 2019 am Friedensdenkmal in Hiroshima betont: „Aus tiefer Überzeugung möchte ich bekräftigen, dass der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken heute mehr denn je ein Verbrechen ist, nicht nur gegen den Menschen und seine Würde, sondern auch gegen jede Zukunftsmöglichkeit in unserem gemeinsamen Haus. Der Einsatz von Atomenergie zu Kriegszwecken ist unmoralisch, wie ebenso der Besitz von Atomwaffen unmoralisch ist.“ Die EKD hatte bereits in einer Friedensdenkschrift 2007 betont, dass die „Drohung mit Nuklearwaffen nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung“ betrachtet werden kann. Bis heute wird über die politische und ethische Dimension des Atombombenabwurfs teils kontrovers diskutiert.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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