Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn (Archivbild) möchte die Coronakrise nicht mit der Theodizee-Frage verknüpfen

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn (Archivbild) möchte die Coronakrise nicht mit der Theodizee-Frage verknüpfen

Kardinal Schönborn: Umdenken beim Lebensstil

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn sieht in der gegenwärtigen Coronakrise keine Strafe Gottes. Die Menschen sollten ihren Lebensstil überdenken.

Warum lässt ein guter Gott Krisen zu? Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn erkennt in der gegenwärtigen Coronakrise keine Strafe Gottes. Er plädierte in einem Interview des ORF vom Sonntag dafür, die Gottesfrage nicht in Verbindung mit dem Coronavirus zu bringen.

Bereits in früheren Jahrhunderten hätten Menschen in Krisenzeiten eine Strafe Gottes erkannt. Beispielsweise hätten Menschen die Pest als eine „Geißel Gottes“ gesehen. Dagegen wandte sich der Kardinal. „Ich würde da zuerst einmal die Gottesfrage herauslassen“, erklärte Schönborn in der Pressestunde mit Simone Stribl vom ORF und Doris Helmberger-Fleckl von der Wochenzeitung Die Furche, die am Sonntag im ORF ausgestrahlt wurde.

„Globalisierung korrigieren“

Die gegenwärtige Situation wertete Schönborn vielmehr als „eine Zeit der Besinnung“. Die Menschen sollten sich seiner Ansicht nach fragen, ob der derzeitige „Lebensstil angepasst ist für die Welt". Der Kardinal stellte die Frage, ob Menschen unter anderem zum Shoppen am Wochenende nach London fliegen müssten oder über Weihnachten auf die Malediven. Die Frage nach einem angemessenen Lebensstil stelle sich und die Menschen sollten sich fragen, ob Gott dadurch etwas sagen wolle. „Will Gott uns etwas sagen dadurch? Will er uns vielleicht daran erinnern, dass er uns die Schöpfung anvertraut hat und nicht zur Verwüstung gegeben hat?“ Der Kardinal erwartet ein Umdenken nach der Krise.

Nach Schönborns Ansicht werde die Krise „das Angesicht der Erde verändern“. In dem Interview stellte der Kardinal zudem infrage, ob in Zukunft weltweit agierende Unternehmen weiterhin „Gewinne abgrasen" könnten, ohne dafür Steuern zu entrichten. Dies werde nach Überwindung der Krise so hoffentlich nicht weitergehen. „Wir werden die Globalisierung korrigieren müssen", sagte der Erzbischof.

Online-Messen sind „Notmodell“

Es sei schmerzlich, dass das Osterfest in diesem Jahr nicht wie üblich gefeiert werden könne. Der Glaube werde gestärkt durch die Feiern, hänge aber nicht davon ab. „Ostern kommt auf jeden Fall. [...| Jedes Jahr zu Ostern erinnern wir uns daran, dass Jesus Christus gestorben ist für uns Menschen“, sagte Schönborn in dem Interview, und weiter: „Und, dass er auferstanden ist und dass er lebt. Und, dass das Leben stärker ist als der Tod. Und das Gute stärker ist als das Böse, und die Gnade stärker ist als die Sünde.“ Das sei die Osterbotschaft.

Dass derzeit vielerorts Messen online gefeiert werden, bezeichnete Schönborn in dem Gespräch als „Notmodell“. Außerordentliche Situationen erforderten seiner Ansicht nach außerordentliche Mittel. Er freue sich jedoch über die vielen Menschen, die über das Radio an Gottesdiensten teilnehmen könnten, sagte der Kardinal. Seinen Angaben zufolge erlebten in Österreich mehr als 700.000 Gläubige die Sonntagsmesse über den Rundfunk. Schönborn: „Das ist durchaus eine große Chance der heutigen Medien, dass Menschen in Einsamkeit doch diese Verbindung haben.“

Von: Norbert Schäfer

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