Sigurd Rink und Ulrich Körtner führten ein Streitgespräch über das EKD-Schiff für die Seenotrettung (Archivbilder)

Sigurd Rink und Ulrich Körtner führten ein Streitgespräch über das EKD-Schiff für die Seenotrettung (Archivbilder)

„Kein Asylanspruch – Wozu bringen wir die Flüchtlinge dann hierher?“

Die EKD machte im September öffentlich, dass sie ein Schiff zur Seenotrettung ins Mittelmeer schicken möchte. Dass es kirchenintern darüber keine Einigkeit gibt, zeigt ein Streitgespräch zwischen dem EKD-Militärbischof und einem evangelischen Theologen, das in der Zeitung Die Zeit erschienen ist.

Über das Schiff der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Seenotrettung diskutieren in einem moderierten Streitgespräch der Wochenzeitung Die Zeit der evangelische Militärbischof, Sigurd Rink, und der Wiener Theologe Ulrich Körtner. Rink verteidigt die Linie des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und sagt: „Solange es keinen besseren Weg aus der Hölle Libyen gibt, müssen wir verhindern, dass Menschen ertrinken.“ Der Militärbischof sei stolz auf den Ratvorsitzenden, „der gegen massive Widerstände innerhalb wie außerhalb der Kirche geradesteht“.

Körtner, der bis 2018 Kuratoriumschef der EKD-Zentralstelle für Weltanschauungsfragen war, widerspricht und kritisiert, dass die EKD ein Bündnis mit Sea-Watch schmiede, deren Kapitänin Carola Rackete eine „politisch zweifelhaft(e) (...) Haltung in der Flüchtlingspolitik“ vertrete: Er sei „gegen das Schiff – und sei es nur als moralisches Zeichen. Wenn die Kirche schon für sich in Anspruch nimmt, die politische Dimension des Evangeliums so stark herauszustreichen, dann soll sie es auch politisch zu Ende denken“.

„Kirche begibt sich in ein ganz bestimmtes ideologisches Milieu“

Weiter erklärt der Wiener Theologe, dass „wir als Kirche uns mit dem Schiff in ein ganz bestimmtes ideologisches Milieu begeben. Das ist für eine Kirche keine gute Position“. Was von der EKD zum Thema Flucht und Migration in den vergangenen Jahren kam, findet Körtner „theologisch dürftig“.

Rink betont wiederum das Thema Barmherzigkeit. Er habe auf Booten der Bundeswehr im Mittelmeer die Rettung von entkräfteten und teilweise kranken Flüchtlingen miterlebt. Dazu habe er eine „sehr schlichte theologische Auffassung: Sie folgt dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter“. Der Moment für ein Kirchenschiff sei jetzt genau richtig, „weil zum Leidwesen der Bundesrepublik und ihrer Bundeswehr die Mission Sophia beendet wurde“. Nun sorge die Kirche dafür, dass die Europäer als „Wertegemeinschaft“ trotzdem tätig werden.

Körtner warnt wiederum vor einer „Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit“. „Nach Ansicht des UNHCR gibt es in Libyen sehr viele Flüchtlinge, die in Europa höchstwahrscheinlich keinen Anspruch auf Asyl haben. Wozu bringen wir sie dann hierher?“ Er bekomme immer wieder Briefe von Christen, die keine Meinungsvielfalt kirchenintern zum Thema Flüchtlinge sehen „und deshalb aus der Kirche austreten“. Weiter bleibe für Körtner „das Problem, dass ein Kirchenschiff den Schleusern in die Hände spielt“. Rink appelliert an die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Er fordert, „schnellstens wieder ein funktionierendes Seenotrettungssystem im Mittelmeer zu installieren“. Es könne nicht sein, dass ein System, „das über Jahre gut funktioniert hat, plötzlich ausgesetzt wurde“.

Von: Martina Blatt

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