Bischofsvikar Wilhelm Vieböck und Projektleiter Michael Kraml (v. l. n. r.)

Bischofsvikar Wilhelm Vieböck und Projektleiter Michael Kraml (v. l. n. r.)

„Grüß Gott!“: Red Bull produziert Kirchenzeitung

Die Katholische Kirche in Oberösterreich hat zusammen mit dem Konzern Red Bull eine Kirchenzeitung herausgegeben. Das Hochglanzmagazin informiert niederschwellig über spirituelle Themen und soll der Mitgliederbindung dienen. pro-Autor Raffael Reithofer hat reingeschaut und mit den Machern gesprochen.

„Grüß Gott!“ ist im mehrheitlich katholischen Österreich ein landläufiger Gruß, der zunächst nichts darüber verrät, ob die Grüßenden an diesen Gott glauben oder nicht. „Grüß Gott!“, das ist aber auch der Titel eines neuen Magazins der Katholischen Kirche in Oberösterreich. Das gut siebzigseitige Heft, das seit Herbst als Postwurfsendung halbjährlich an alle Haushalte in Oberösterreich verteilt wird, ist auf den ersten Blick kein frommes Blatt.

Vielmehr ist die Zeitschrift ein modern gestaltetes Hochglanzmagazin, das optisch mit großformatigen Bildern, frischen Farben und einem schnörkellos-aufgeräumten Layout arbeitet. Inhaltlich geht es beispielsweise um das soziale Engagement eines pensionierten Mechanikers, die Rolle von Spiritualität in einer zunehmend von künstlicher Intelligenz geprägten Welt oder um verschiedene Facetten des Glücks. Wäre da nicht auf Seite drei das Editorial des Linzer Diözesanbischofs Manfred Scheuer, man käme wohl kaum darauf, dass es sich bei dem nun halbjährlich erscheinenden Heft um eine offizielle Publikation der Kirche handelt. Doch die Zeitschrift berichtet auch über einige wenige im engeren Sinne kirchliche Themen. Etwa finden sich in dem Heft Berichte über die Umweltenzyklika von Papst Franziskus, über gestohlene und wieder zurückgegebene Reliquien und den geistesgeschichtlichen Hintergrund des katholischen Feiertags Mariä Empfängnis, der in Österreich am 8. Dezember für viele ein freier Tag ist.

Die Katholische Kirche und Red Bull – ein ungleiches Paar

Die ungewöhnliche Themensetzung von „Grüß Gott“ erklärt sich sowohl durch die Zielsetzung des Magazins, als auch durch seine praktische Gestaltung. Einerseits kam die Idee dazu laut Bischofsvikar Wilhelm Vieböck, dem Herausgeber der Zeitschrift, ursprünglich aus der Finanzabteilung der Diözese Linz: Die dortigen Mitarbeiter wollten all jenen etwas in die Hand geben, die zwar immer noch den Kirchenbeitrag zahlen, dem kirchlichen Leben aber zunehmend fern stehen. Jenen, die bestenfalls selten ein Kirchengebäude von innen sehen, wollten die Macher wohl nicht allzu viel Theologie zumuten.

Der Mariendom Linz bietet 20.000 Personen einen (Steh-)Platz und ist damit die größte Kirche Österreichs

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Die Kirche hat die Produktion des Magazins weitgehend an einen externen Partner ausgelagert. Und zwar an den eigentlich für Energy-Drinks und Extremsport bekannten, aber auch als Medienunternehmen tätigen Red-Bull-Konzern, der in Salzburg beheimatet ist. Die Katholische Kirche und Red Bull, wie gestaltet sich die Zusammenarbeit bei einem so ungleichen Paar? Bischofsvikar Viehböck stellt gar nicht in Abrede, dass es bei manchen Geschichten Auffassungsunterschiede zwischen beiden Partnern gegeben habe, aber die Rollen seien gut aufgeteilt. Die Diözese achtet auf die theologische Stoßrichtung und das Red Bull Media House auf die handwerklich-redaktionelle. Im Großen und Ganzen sei die Kooperation positiv vonstattengegangen. Eine klassische Kirchenzeitung hätte Red Bull gar nicht produzieren wollen, verrät Michael Kraml, Projektleiter von „Grüß Gott!“ vonseiten des kirchlichen Kommunikationsbüros.

Sehr offen heißt es im bischöflichen Editorial: „Kirche kann heilsam sein, aber auch verletzen. Kirche ‚menschelt‘ – mit allen Konsequenzen.“ Kontroverse Themen wie etwa die Debatte rund um Zölibat oder Frauenpriestertum spart die Zeitschrift dann aber doch aus. Darauf angesprochen meint Kraml, dass dies ohnehin schon zur Genüge von weltlichen Medien angesprochen würde, daher müsse man das in einem kircheneigenen Medium nicht noch zusätzlich thematisieren.

Frommes Marketing und „Schäfchenbindung“

Jedenfalls hatte die Katholische Kirche in Oberösterreich vergangenes Jahr rund 9.700 Austritte, aber nur knapp 900 Eintritte zu verzeichnen. Bischofsvikar Vieböck sagt dazu: „Es ist uns anscheinend nicht überall gelungen, die lebensfördernde und menschenbejahende Botschaft des Jesus von Nazareth zu vermitteln, die unseren Glauben ausmacht.“ Die Herausforderung bestehe daher darin, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. „Grüß Gott!“ ist ein Versuch, sich dieser Herausforderung anzunehmen. Frommes Marketing also, im positiven Sinne? Dieser Kategorisierung widersprechen Vieböck und Kraml im Interview von pro nicht, man wolle durch „Grüß Gott!“ auch wieder neu darauf hinweisen, dass man Spiritualität nicht nur in fernöstlichen Angeboten wie Yoga finden könne, sondern eben auch in der Kirche. Das Magazin sei dabei durchaus auch als missionarischer Impuls zu verstehen, auch deshalb, weil es – teilweise allerdings aus logistischen Gründen – nicht nur an Kirchenmitglieder, sondern an alle Haushalte in Oberösterreich geschickt werde.

Das Bemerkenswerte an „Grüß Gott!“ ist jedenfalls, dass es sich dabei momentan wohl um eine der modernsten Kirchenzeitungen im deutschsprachigen Raum handelt, die trotz ihres sehr breiten Verständnisses von Spiritualität nicht in die völlige theologische Beliebigkeit abgleitet. Einen richtigen roten Faden lässt das Heft vermissen, auch hätte etwas mehr Mut, die sogenannten letzten Fragen zu thematisieren, einem modernen Kirchenmagazin sicher nicht geschadet. Trotzdem ist „Grüß Gott!“ insgesamt ein Heft geworden, das jedenfalls lesenswerter ist, als viele Firmenzeitungen der profanen Welt. Das sehen offenbar auch viele Leser so, die laut Kraml mit positiven, teils ausführlichen E-Mails reagiert hätten. Klar ist aber natürlich auch: Selbst ein doppelt so gut gemachtes Magazin würde den schleichenden Bedeutungsverlust einer ehemals äußerst mächtigen Volkskirche nicht aufhalten können. Dass „Grüß Gott!“ unter Oberösterreichs Katholiken allerdings eine gewisse Kundenbindung – oder besser gesagt: „Schäfchenbindung“ – schafft, scheint aber denkbar.

Von: Raffael Reithofer

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