Margot Käßmann schreibt in Christ & Welt darüber, wie es war, als Frau in der Evangelischen Kirche Verantwortung zu tragen

Margot Käßmann schreibt in Christ & Welt darüber, wie es war, als Frau in der Evangelischen Kirche Verantwortung zu tragen

Käßmann rät jungen Pastorinnen: „Seid so frei, wie ihr nur könnt“

„Seid mutig, fröhlich, trotzig, zornig und vor allem glücklich.“ Diesen und einige andere Ratschläge gibt die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ihren jüngeren Kolleginnen in der Zeit-Beilage Christ & Welt. Auch mit dem Thema #MeToo in der Evangelischen Kirche beschäftigt sie sich.

In einem Artikel in der Zeit-Beilage Christ & Welt blickt Margot Käßmann auf ihre Zeit als Verantwortungsträgerin in der Kirche zurück. Von 1999 bis 2010 Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers sowie von 2009 bis 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie resümiert, wie sich die Rolle der Frau in der Institution im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Ihren jüngeren Kolleginnen rät sie: „Wenn ihr Mutter werden wollt, werdet es, wenn nicht, dann nicht. Wir leben in einer freien Gesellschaft, Gott sei Dank. Und gerade Frauen sollten aufhören, Urteile über Lebensentwürfe zu fällen. Beruf und Familie sind schwer zu vereinbaren, das war so, das bleibt so. Aber es ist zu schaffen.“ Dabei gebe es ohnehin weder eine perfekte Pfarrerin noch eine perfekte Mutter.

„Ihr jungen Frauen im Pfarramt“, schreibt Käßmann in Christ & Welt, „lasst euch nicht verbiegen! Seid ihr selbst und versucht nicht, eine Rolle zu spielen im Amt. Verstellt eure Stimme nicht auf der Kanzel, sondern redet so, wie Gott euch die Redegabe auch im Alltag gibt.“ Und weiter: „Ihr tragt gern kurze Röcke und roten Lippenstift? Dann tut es! Ihr geht gern tanzen oder eben auch nicht? Dann lebt das. Versucht nicht, euch an irgendeine Erwartung anzupassen, das geht nur schief. Habt Lust daran, das Evangelium auszulegen! Es ist wunderbar, diese biblischen Geschichten lebendig werden zu lassen. Und dabei darf gelacht und auch geweint werden im Gottesdienst.“

„Mansplaining“ in der Kirche

Sie habe den Kampf für die Frauenordination immer mit Bewunderung gesehen. „Was für Auseinandersetzungen mussten da geführt und welche Demütigungen hingenommen werden! In

Kriegszeiten waren Frauen gut genug, um einzuspringen, später durften sie dann zunächst ausschließlich Frauen und Kinder unterrichten im Glauben.“ Doch noch immer sei das Bild von Kirche in aller Welt von Männern bestimmt. Sie erinnere sich an einen russisch-orthodoxen Priester, der ihr nicht die Hand geben wollte, „weil ich ein Symbol der Anpassung an westlichen Zeitgeist sei“.

Käßmann fragt sich, ob das Thema #MeToo in der Evangelischen Kirche eigentlich aufgearbeitet, „die Machtfragen geklärt“ seien. Sie selbst habe es immer genervt, wenn Ältere, besonders Männer, ihr „die Welt, die Theologie, die Kirche erklären wollten“. Sie fügt hinzu, „Mansplaining“ sei inzwischen ein soziologischer Fachbegriff.

Als sie im letzten Jahr in den Ruhestand ging, habe sie ein „gutes Grundgefühl“ gehabt: „Da sind viele junge Frauen, die weitergeben, weiterleben, weitergehen, was unsere Generation schon von anderen als Wege übernommen hat.“ Sie rät jungen Pastorinnen: „Seid so unabhängig und frei, wie ihr nur könnt, freut euch an diesem so besonderen Beruf, den in anderen Kirchen Frauen noch immer nicht ausüben dürfen.“

Von: Jörn Schumacher

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