„Die Kirche steckt in der Reproduktionskrise“: Für die Kirche ist es eine Herausforderung, junge Menschen in den Gottesdienst einzuladen

„Die Kirche steckt in der Reproduktionskrise“: Für die Kirche ist es eine Herausforderung, junge Menschen in den Gottesdienst einzuladen

Darum gehen Menschen in den Gottesdienst

Gute Musik, eine herausfordernde Predigt, eine persönliche Einladung – welcher dieser Faktoren bringen Menschen dazu, in den Gottesdienst zu gehen? Auf diese Frage möchte die EKD mit einer neuen Erhebung Antworten geben.

Warum gehen Menschen in einen evangelischen Gottesdienst? Was motiviert sie zum Kirchgang – und was hindert Menschen daran, einen Gottesdienst zu besuchen? Diesen Fragen geht eine Studie nach, die von der Liturgischen Konferenz in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Auftrag gegeben wurde. Nun legt die Arbeitsgruppe der Liturgischen Konferenz erste Auswertungen vor.

Geschlecht, Bildungsstand und Wohnortgröße haben keinen signifikanten Einfluss auf die Teilnahme am Gottesdienst. Vielmehr geht es um emotionale Faktoren. Vier von fünf Befragten (81 Prozent) sagen, dass sie die Atmosphäre im Gottesdienst ansprechen muss. Drei von vier Personen interessiert die Predigt. Eine ansprechende Musik lädt zwei Drittel der Befragten ein.

Seltene Kirchgänger motivieren persönliche Einladungen

Weil es dem persönlichen Glauben guttut, gehen 77 Prozent der Teilnehmer in den Gottesdienst. Im Detail lassen sich doch Unterschiede erkennen: 95 Prozent derjenigen Befragten, die jede Woche gehen, gewichten die Aussage „ob es meinem Glauben guttut“ hoch, aber nur 65 Prozent derjenigen, die angeben, „mehrmals im Jahr“ einen Gottesdienst zu besuchen. Dazu heißt es in der Studie: „Daraus lässt sich nicht unbedingt eine unterschiedliche Intensität beziehungsweise Relevanz des Glaubens ablesen, wohl aber, dass individueller Glaube und das gottesdienstliche Leben in sehr unterschiedlich hohem Maße als zusammenhängend begriffen werden.“

Knapp ein Drittel (30 Prozent) der Studienteilnehmer gehen in den Gottesdienst, wenn dort Abendmahl gefeiert wird. Für durchschnittlich 15 Prozent der Personen ist es wichtig, dass sie persönlich in die Kirche eingeladen werden. Einige wenige Faktoren scheinen für nur gelegentliche Kirchgänger eine größere Rolle zu spielen als für häufig Teilnehmende. So gewichten 20 Prozent derjenigen, die angeben, „jährlich oder seltener“ einen Gottesdienst zu besuchen, eine persönliche und konkrete Einladung als motivierenden Faktor hoch, aber nur 13 Prozent derjenigen, die mehrmals im Monat oder öfter in die Kirche gehen.

Gottesdienst hat „keinen zusätzlichen Effekt auf mich“

Die Teilnehmer sollten im Rahmen der Studie auch erläutern, warum sie dem Gottesdienst fern blieben. Ein gutes Viertel (26 Prozent) der Befragten kommt nicht in den Gottesdienst wegen der „zeitlichen Vereinbarkeit“ oder weil sie „zu wenig Zeit“ hätten. Zwölf Prozent der Antworten thematisierten Stimmungen, Gefühle oder die Lebenseinstellung. Erwähnung finden „Müdigkeit“, „Bequemlichkeit“ oder „das Bedürfnis, einen Sonntag für sich allein haben zu wollen“ oder die Tatsache, dass die Lust auf andere Aktivitäten stärker ist („zu lange feiern Samstag abends“, „Wanderwetter“). Manche Befragten geben an, dass Gottesdienste als religiöse Angebote sie entweder nicht ansprechen oder dass sie sie als verzichtbar erleben. So heißt es etwa in den Antworten: „Ich sehe keine Notwendigkeit, keinen zusätzlichen Effekt auf mich.“

Junge Generation nimmt seltener an Gottesdienstes teil

Interessant für die Studienleiter war auch, zu sehen, was die jüngere Generation zwischen 20 und 29 Jahren (hier „Twens“ genannt) antreibt. In dem Dokument heißt es: „Die Kirche steckt in der Reproduktionskrise.“ Eine aktuelle EKD-Studie macht für diese Entwicklung die „schwächelnde Religiosität der Jüngeren“ verantwortlich: Der Glaube wachse nicht mehr selbstverständlich nach, die Verbundenheit mit der Institution sinke. Ein Vergleich der jungen Erwachsenen mit dem Gesamt aller Befragten zeigt: Die Jüngeren nehmen insgesamt seltener an Gottesdiensten teil. Zudem vergrößerten sich bei ihnen die Abstände, in denen sie Gottesdienste besuchen.

Am gravierendsten sei die Abweichung beim Sonntagvormittagsgottesdienst sowie bei Festen im Kirchenjahr. Zugleich sind es neben den klassischen Kasualien wie Taufe, Einschulung oder Beerdigung eben jene Gottesdienste zu Kirchenjahresfesten, die noch am häufigsten besucht werden. Besondere Bedeutung kommt dem Weihnachtsgottesdienst zu. Andererseits nehmen die 20- bis 29-Jährigen relativ häufig an alternativen Gottesdiensten teil. Sie besuchen sie genauso häufig wie den Sonntagsgottesdienst.

Mehr als 12.000 Menschen nahmen zwischen März und Juli 2018 an der Studie teil. „Die hohe Beteiligung deutet darauf hin, dass die Zukunft des gottesdienstlichen Lebens vielen am Herzen liegt – vielleicht aber auch, dass sich damit hier und dort Sorgen verbinden,“ sagt Pastorin Julia Koll, die die Arbeitsgruppe der Liturgischen Konferenz leitet.

Das Alter der Befragten reichte von neun bis 92 Jahren, am stärksten vertreten war die Gruppe der 40- bis 59-Jährigen. 41 Prozent der Teilnehmenden sind Männer. Insgesamt 90 Prozent geben an, Mitglied einer evangelischen Kirche zu sein.

Von: Martina Blatt

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