Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Kirchentagsbesucher zum gesellschaftlichen Engagement auf

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Kirchentagsbesucher zum gesellschaftlichen Engagement auf

Kirchentag in Dortmund eröffnet

Unter dem Motto „Was für ein Vertrauen“ hat der Deutsche Evangelische Kirchentag am Mittwoch in Dortmund begonnen. Der Bundespräsident und andere Redner mahnten zum Auftakt, sich gegen den Rechtsextremismus in Deutschland einzusetzen. Ministerpräsident Armin Laschet warf der AfD vor, nicht die Werte des Christentums zu vertreten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier thematisierte in seinem Grußwort zur Eröffnung des Kirchentages den mutmaßlich rechtsextremistischen Mord an Walter Lübcke, den er als „abscheuliches Verbrechen“ bezeichnete. Steinmeier forderte, dass „das Verbrechen umfassend und schnellstmöglich aufgeklärt werden muss“.

Steinmeier rief die Christen auf, die Welt zum Besseren zu verändern, zum Beispiel in Bezug auf den Klimawandel. „Weil Gott uns vertraut, suchen wir nicht das stille Kämmerlein und die Echokammer“, sagte der Bundespräsident. „Wenn wir wollen, dass unsere Kinder auf dieser Welt eine Zukunft haben, dann müssen wir sehr viel mehr tun.“ Natürlich richteten sich die Forderungen der Schüler von „Fridays for Future“ zuerst an Regierungen. Doch auch jeder Einzelne müsse sein eigenes Verhalten ändern, um das Klima zu retten.

Alle Menschen verdienten Vertrauen, wie es im Kirchentagsmotto zum Ausdruck komme. Es gebe keine Bürger erster und zweiter Klasse. Kein Jude solle sich fürchten müssen, auf deutschen Straßen Kippa zu tragen. „Solange Jüdinnen und Juden Angst haben und nicht vollkommen sicher sind, darf unser Land nicht ruhig schlafen“, sagte Steinmeier vor 25.000 Menschen am Ostentor. Insgesamt nahmen laut Kirchentag 40.000 Menschen an Eröffnungsgottesdiensten teil, die an verschiedenen Orten in Dortmund stattfanden.

„Wer Nation und Volk zum Gott macht, der lästert Gott“

Zuvor hatte Kirchentagspräsident Hans Leyendecker den Kirchentag eröffnet. Der renommierte Journalist der Süddeutschen Zeitung forderte angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel einen „tiefgreifenden Bewusstseinswandel“. Deutlich wandte er sich gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Leyendecker nahm dabei ebenfalls Bezug auf den mutmaßlich rechtsextremistisch motivierten Mord an dem Kasseler CDU-Politiker Walter Lübcke, der zuletzt Chef des Regierungspräsidiums Kassel war. „Wer Nation und Volk zum Gott macht, der lästert Gott. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Hass der Hetzer unser Land hässlich macht.“

Der Kirchentagspräsident rief dazu auf, sich gegen Missstände in der Gesellschaft einzusetzen. „Gegen das Misstrauen setzen wir unser christliches Vertrauen“, sagte Leyendecker. „Gott traut uns so viel zu.“

Laschet kritisiert AfD

„Nie dürfen wir wieder so wegschauen, wie wir das in den letzten Jahrzehnten beim Rechtsterrorismus gemacht haben“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und nahm ebenfalls Bezug auf den Mord an Lübcke. Der Staat habe die Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ jahrelang ignoriert. Nicht nur der Staat habe in den vergangenen Jahren an Vertrauen eingebüßt, sondern auch Medien, Banken und Unternehmen, etwa durch den Dieselskandal. Der Ministerpräsident lobte den Kirchentag als einzige Veranstaltung bundesweit, bei der die echte Begegnung und der Dialog im Vordergrund stehe.

Laschet unterstützte die Entscheidung des Kirchentages, Politiker von der AfD nicht auf ihren Podien vorkommen zu lassen, ohne sie explizit zu erwähnen. „Wer die Werte des Christentums nicht vertritt, hat auf Podien des Kirchentages nichts verloren.“

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, ordnete in ihrer Predigt das Kirchentagsmotto ein. „Was ist das für ein Vertrauen, das du da hast?“ ist die Frage an den König Hiskia in 2. Könige 18,19, der trotz einer schweren Krise auf Gott vertraut. Kurschus stellte die Frage, wie es möglich sei, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen.

Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund treffen sich von Mittwoch bis Sonntag Protestanten, um ihren Glauben zu feiern. Unter den mehr als 2.000 Angeboten finden sich Vorträge, Workshops, Gottesdienste und Konzerte. Nach Veranstalterangaben haben sich 118.000 Menschen für den Kirchentag angemeldet.

Von: Nicolai Franz

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