Bei der Generalversammlung der Vereinigten Methodistenkirche im Februar in St. Louis hat eine Mehrheit der Delegierten für eine weitere Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen votiert

Bei der Generalversammlung der Vereinigten Methodistenkirche im Februar in St. Louis hat eine Mehrheit der Delegierten für eine weitere Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen votiert

Methodisten: Streit um Abstimmung

Im Februar haben die weltweit 12,6 Millionen Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche die gleichgeschlechtliche Ehe abgelehnt. Bei einer Generalkonferenz in St. Louis stimmten die Delegierten mit 438 zu 384 Stimmen dafür, dass die Kirche weiter wie bisher gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und in Partnerschaft lebende schwule und lesbische Pastoren ist. Doch die Abstimmung sorgt für Widerstand in Teilen der Kirche.

Die Teilnehmer der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche votierten auf ihrer Generalkonferenz am 26. Februar mehrheitlich für den sogenannten Traditionellen Plan („Traditional Plan“). Dieser sieht vor, dass die protestantische Freikirche an ihren derzeit geltenden Vorschriften gegen die gleichgeschlechtliche Ehe festhält. Dies berichtete der Evangelische Pressedienst (epd).

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist die mitgliederstärkste der methodistisch geprägten Kirchen. Am stärksten vertreten ist sie in den Vereinigten Staaten. Weltweit hat sie rund 12,6 Millionen Mitglieder. In den USA ist die Methodistenkirche nach dem südlichen Baptistenverband die zweitgrößte protestantische Kirche. In den USA verliert die Kirche seit Jahren Mitglieder, wie aus Kirchenstatistiken hervorgeht. In afrikanischen Ländern dagegen gewinnt sie stark dazu. In Deutschland gibt es laut Kirchenangaben rund 30.000 Methodisten. Bei der Generalkonferenz in St. Lousi kamen nach Angaben des Informationsdienstes „Religion News Service“ 58 Prozent der Delegierten aus den USA.

Wie der epd berichtet, gibt es nach der Abstimmung weiter Uneinigkeit bei dem Thema unter den Methodisten. Manche sprechen demnach sogar von der Gefahr der Spaltung. Bei der Wahl im Februar soll es eventuell irreguläre Stimmabgaben gegeben haben, weswegen eine Untersuchungskommission eingerichtet worden sei, teilte der Informationsdienst der Kirche gegenüber der New York Times mit. Die Delegierten stimmten mit 438 zu 384 Stimmen dafür, dass die Kirche an ihren Vorschriften gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen in Partnerschaft lebende schwule und lesbische Pastoren festhält.

Allerdings sollen laut einem Bericht der Zeitung „wenigstens vier Stimmzettel“ von nicht autorisierten Personen abgegeben worden sein. Sie sollen aus afrikanischen Kirchendelegationen stammen, heißt es in dem Bericht. Laut dem Sekretär der Generalkonferenz, Gary Graves, ist die Zahl nicht hoch genug, um das Resultat der Abstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu verändern. Dennoch solle das Ergebnis auf Unregelmäßigkeiten geprüft werden, erklärte Graves. Der Rechtshof der Evangelisch-methodistischen Kirche, deren oberstes rechtliches Gremium, überprüft bei seiner Sitzung vom 23. bis 26. April die Beschlüsse der Generalkonferenz daraufhin, ob sie verfassungskonform sind.

Reaktionen des deutschen Kirchenvorstandes der Evangelisch-methodistischen Kirche

Bischof Thomas J. Bickerton, der in der Kommission zur Durchführung des Kongresses tätig war, sagte gegenüber der New York Times: „Die Entdeckungen, die wir gemacht haben, haben einen ernsten Einfluss auf das Vertrauen und die Integrität des gesamten Prozesses.“ Die Zeitung berichtete, eigener Recherchen zufolge hätten zwei Delegierte aus der Demokratischen Republik Kongo auf der Wahlliste gestanden, doch sie seien wegen Problemen mit ihren Visa nicht in St. Louis erschienen. Außerdem sei der offizielle Übersetzer der Konferenz, Pastor Kalaba Chali, der Abstimmung offenbar bewusst ferngeblieben, weil er einen weiteren Ausschluss von homosexuellen Kirchenfunktionären nicht mittragen wollte. Des weiteren sollen drei Personen als Delegierte aus der Republik Kongo abgestimmt haben, doch ihre Namen standen gar nicht auf der Teilnehmerliste der Generalkonferenz.

Der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland hat auf seiner Frühjahrssitzung am 8. und 9. März 2019 in Fulda eine Botschaft formuliert. Der Vorstand besteht aus den für die neun Distrikte der EmK in Deutschland zuständigen Superintendenten (eine Frau und acht Männer) sowie weiteren 21 stimmberechtigten und beratenden Mitglieder des Kirchenvorstands. Harald Rückert, der für die EmK in Deutschland zuständige Bischof, sagte auf der Tagung, der Beschluss des „Traditionellen Planes“ habe „Scherben, Zerbruch und tiefe Gräben“ ausgelöst.

Die Mitglieder der EmK zeigten „tiefe Betroffenheit und große Sorge um die Einheit der EmK“, hieß es in der Mitteilung, und weiter: „Unabhängig von unseren inhaltlichen Überzeugungen sind wir einstimmig der Meinung, dass diese Bestimmungen des ‚Traditional Plans‘ für unsere Kirche in Deutschland nicht akzeptabel sind.“ Deshalb gehe sie „den damit eingeschlagenen Weg von Gesinnungskontrolle und verschärften Strafen nicht mit“. Außerdem rief der Kirchenvorstand zur Bewahrung der Einheit der Methodistischen Kirche auf. Man wolle „eine Kirche werden, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können“.

Die pro-Redaktion hat zum Thema auch Pastor Klaus Ulrich Ruof vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland (EmK) angefragt. Das Interview mit ihm wird in Kürze hier veröffentlicht.

Von: Jörn Schumacher

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