Eine Studie hat die Bindung von Katholiken an ihre Kirche untersucht

Eine Studie hat die Bindung von Katholiken an ihre Kirche untersucht

Glaube ist für Mehrheit der Katholiken Lebensgrundlage

Zwei Dritteln der Katholiken in Deutschland gibt der Glaube inneren Halt. Viele wollen dennoch aus der Kirche austreten. Sie haben sich von der Kirche entfremdet, sagt eine Sinus-Studie zur Kirchenbindung.

Den Katholiken, die in ihrer Kirche bleiben, ist es wichtig, eine individuelle Beziehung zu Jesus Christus zu haben und einen persönlichen Weg zum Glauben zu finden. Das hat die Studie „Kirchenmitglied bleiben?“ des Sinus-Instituts für Markt- und Sozialforschung in einer repräsentativen Umfrage über die Bindung an die Kirche unter Deutschlands Katholiken ergeben. Die deutschlandweite Erhebung, die in Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Beratungsunternehmen MDG Medien-Dienstleistung im Auftrag und in Kooperation mit dem Erzbistum München und Freising entstand, ging der Frage nach, was Katholiken bewegt, Kirchenmitglied zu bleiben. Zwei Drittel der rund 1.400 Befragten gaben dabei an, dass ihnen der Glaube inneren Halt bietet und dass es einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat.

Kein Problem, über den Glauben zu sprechen

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) erklärten, dass Gebete in ihrem Alltag dazugehören und dass der christliche Glaube für sie Lebensgrundlage ist. Gottes Gegenwart im Leben spüren 59 Prozent der Befragten. „Es stimmt nicht, dass der Glaube an Gott und Jesus Christus den Bach runter geht", erklärt Thomas Nahrmann von der MDG Medien-Dienstleistung, der die Studie mit begleitet hat. Der Wunsch nach Sinn im Leben, die Sinnsuche in der Religion, der Glaube an Gott und Jesus Christus spielten immer noch eine große Rolle.

„Unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildung hat auch der größte Teil der Katholiken kein Problem damit, über den eigenen Glauben zu sprechen“, erläutert der Theologe im Gespräch mit pro. Nur ein Viertel der Befragten hätten geäußert, dass ihnen dies schwerfalle. „Das ist insofern bemerkenswert, weil wir als Katholiken gar nicht so gelernt haben, über den Glauben zu sprechen, und man landläufig annehmen müsste, dass das unangenehm ist", sagt Nahrmann. Die Katholische Kirche verfüge nicht über die entsprechenden Kommunikationsräume oder pflege diese nicht. Daher sei überraschend, dass die Gläubigen kein Problem damit hätten, über ihren Glauben zu reden. Das findet der Theologe ermutigend.

Mehrheit fühlt sich mit der Kirche weiter verbunden

Für die Studie, die am Dienstag in München veröffentlicht wurde, wurden deutschlandweit 1.369 Katholiken im Alter ab 18 Jahren zu ihrer Einstellung zur Kirche befragt. Auf die Frage, ob sie schon einmal daran gedacht hätten, aus der Katholischen Kirche auszutreten, antworteten 59 Prozent der Befragten mit „Nein, nie". Die verbleibenden 41 Prozent „spielen mehr oder weniger mit dem Gedanken eines Kirchenaustritts", heißt es in der Studie. Fest entschlossen zum Austritt sind 7 Prozent, 13 Prozent machen sich zwar Austrittsgedanken, sind aber noch unentschlossen. Insgesamt zeigte sich: Rund 80 Prozent der Befragten fühlen sich mit der Katholischen Kirche weiter verbunden. Die größte Bindungskraft der Kirche liege in den Gottesdiensten, den Sakramenten und Kasualien und der Familientradition, erklärt Nahrmann. „Diese Angebote gilt es im Auge zu behalten und sehr gut zu machen, sodass man gerne wiederkommt." Nach Ansicht Nahrmanns spielt die „Qualität" der Angebote eine entscheidende Rolle.

Kirche muss Medienangebote überdenken

Laut der Studie sind besondere Gottesdienste, etwa an hohen Festtagen, mit Abstand die populärsten kirchlichen Angebote. Geschlecht oder Bildung spielen in der Frage keine Rolle, wohl aber das Alter. Die über 66-Jährigen nutzen kirchliche Angebote in der Form besonderer Gottesdienste mit 81 Prozent überdurchschnittlich oft. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten gaben an, kirchliche Angebote in den Medien, etwa in Form kirchlicher Zeitungen, Radioprogramme oder Internetangebote, zu nutzen.

Die Studie frage die Nutzung kirchlicher Medien nicht genauer ab. „Wir können aber als Mediendienstleistungsunternehmen die Frage nach der Mediennutzung mit anderen Studien in Verbindung bringen." Die geringe Nutzung kirchlicher Medienangebote liegt nach Nahrmanns Einschätzung daran, dass kirchliche Medien zu wenig versuchen, die jüngeren Schichten in der Kirche zu erreichen, die eine Bindung an die Kirche haben. Für diese jungen Menschen seien die kirchlichen Angebote nicht attraktiv genug – gemessen an ihren Interessen schlicht zu langweilig.

„Es gibt noch Kirchengemeinden, die nicht einmal eine gut gepflegte, stets aktuelle und attraktiv aussehende Webseite haben", konstatiert der Theologe. „Auch den kirchlichen Printmedien, die in der Breite noch funktionieren, etwa die Bistumspresse, schmelzen die Verkaufszahlen so rasant wie Schnee in der Sonne." Wenn sich dort nichts ändere, werde es in absehbarer Zeit keine Bistumspresse mehr geben oder es träten andere Medien oder Publikationsformen an ihre Stelle. „Über die Nutzung kirchlicher Medien muss sich die Kirche ernsthafte Gedanken machen. 61 Prozent der Befragten nutzen kirchliche Medien überhaupt nicht. Das ist ein Alarmsignal. Hier besteht sehr großer Entwicklungsbedarf", sagt Nahrmann. Dies gelte gerade bei den Neuen Medien.

Jeder Vierte von Kirche entfremdet

Die Sinus-Studie ermittelt unter den Befragten insgesamt sieben Kategorien. Unter den Katholiken macht der Typus der „Entfremdeten" demnach 26 Prozent aus und bildet damit die größte Gruppe, gefolgt von den „Religiösen Freigeistern" und den „Gemeindeverwurzelten" mit jeweils 16 Prozent. „Kompromisslos-Beharrende" und die Kategorie der „Bekennenden" sind mit jeweils 13 Prozent vertreten. „Dienstleistungsorientierte" sind der Studie zufolge 9 Prozent der Katholiken, „Sozial-Fokussiert" 7 Prozent. „Für die Kritiker – überwiegend Katholiken mittleren Alters – ist die Kirche unter anderem eine Spaßbremse und versucht, den Menschen Schuld einzureden“, zitiert Die Zeit in ihrer Ausgabe vom Mittwoch die Markt- und Grundlagenforscherin bei MDG, Jana Goetzke.

Von: Norbert Schäfer

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