Diakonie-Präsident Ulrich Lilie fragt sich: „Wo müssen wir klare Grenzen setzen, und an welcher Stelle können wir gelassen bleiben, um den Populisten nicht in die Hände zu spielen?“

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie fragt sich: „Wo müssen wir klare Grenzen setzen, und an welcher Stelle können wir gelassen bleiben, um den Populisten nicht in die Hände zu spielen?“

Diakonie bezieht Stellung zu Rechtspopulismus

Mit einer neuen Handreichung will die Diakonie ihre Mitarbeiter über den Umgang mit Rechtspopulismus aufklären. Die Argumentation rühre vom christlichen Menschenbild her.

Die Diakonie hat eine Handreichung zum Umgang mit Rechtspopulismus vorgestellt. Der Präsident des Wohlfahrtsverbands, Ulrich Lilie, erklärte am Mittwoch in Berlin: Das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte stelle auch seine Organisation vor neue Herausforderungen. „Wir dulden in unseren Einrichtungen keinen Rassismus oder Antisemitismus, keine Ausgrenzung oder gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.“ Das Dokument richte sich an alle, „die in der Diakonie jeden Tag engagiert an der Seite der Menschen arbeiten“.

Im Vorwort des Dokuments „Umgang mit Rechtspopulismus – Eine Handreichung für die Diakonie“ verweisen die Autoren auf ein christliches Menschenbild: „Wir argumentieren und handeln auf christlicher Grundlage. Die Arbeit der Diakonie geschieht auf Basis unseres evangelischen Menschenbilds und dem Leitbild einer solidarischen Gesellschaft.“ Darum helfe die Diakonie „jedem Menschen, der Hilfe braucht“ und darum stünden die Angebote der Diakonie „allen Menschen offen, unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht, Weltanschauung und Religion“.

Erzieher stoßen auf Hakenkreuz-Body

Weiter erklärte Lilie: „Der Einzug der Rechtspopulisten in die Parlamente“ habe die „Maßstäbe und Grenzen des Sagbaren verschoben. Eine Verrohung der Sprache und des Umgangs, unterschwelliger oder offener Rassismus begegnen uns auch in der Diakonie“. In einer Pressemitteilung zählt die Organisation unterschiedliche Situationen auf, in denen sie sich mit eben Genanntem konfrontiert sieht: So wolle eine Bewohnerin eines Pflegeheimes zum Beispiel nur von deutschen Pflegekräften versorgt werden, in einer Kita sind Erzieher beim Wickeln auf einen Hakenkreuz-Body gestoßen oder in einer diakonischen Einrichtung sei ein Mitarbeiter durch seine Thor-Steinar-Kleidung aufgefallen. Mitarbeitende einer Tafel seien bedroht worden, nachdem sie eine Spende der AfD abgelehnt hätten.

In der Handreichung plädiert die Diakonie, bei Rechtspopulismus in den Medien und den sozialen Netzwerken für „Klarheit und Versachlichung gegen Vereinnahmung und Provokation“. Generell gelte für Anfeindungen in den Sozialen Medien, sich nicht provozieren zu lassen. Die Organisation erklärt: „Wer sich auf Diskussionen einlässt, sollte wissen, dass die Verfasser der Beiträge in aller Regel nicht zu überzeugen sein werden, weil sie für andere Meinungen und Sichtweisen nicht zugänglich sind.“ Allerdings würden die „schweigenden Mit-Leser“ erreicht.

Gerade für Seitenbetreiber sei es wichtig, zu reagieren. Andernfalls setze man sich dem Vorwurf aus, rechtsnationale Stammtischparolen zu tolerieren und sie sogar zu unterstützen. Auch warnt die Diakonie vor einer Inszenierung von Spendenübergaben und „Vereinnahmeversuchen“ durch Rechtspopulisten. Hier rät sie, die Annahme einer Spende zu verweigern oder eine getätigte Spende zurückzugeben.

Von: Martina Blatt

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