Der Tod eines Menschen lässt Hinterbliebene plötzlich allein zurück (Symbolbild)

Der Tod eines Menschen lässt Hinterbliebene plötzlich allein zurück (Symbolbild)

„Ich habe mich gefühlt wie Hiob“

Der Tod eines Menschen stellt die Hinterbliebenen vor Herausforderungen. Ein „Trauercafé" in Frankfurt bietet Trauernden über den Ewigkeitssonntag hinaus die Gelegenheit, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten und ihre Gefühle und Sorgen zu teilen.

Der Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, ist in der Evangelischen Kirche dem Andenken an Verstorbene gewidmet. In den Gottesdiensten erfahren die Hinterbliebenen an diesem Sonntag in besonderer Weise Ermutigung und Trost. Die Evangelische Kirchengemeinde Frankfurt Nord-Ost bietet dazu ganzjährig ein „Trauercafé“ an. Dort finden Trauernde einen Raum, in dem sie auch über den Verlust eines lieben Menschen sprechen können.

Jacqueline Leifert hat das Trauercafé gegründet. Seit 27 Jahren arbeitet die Justizfachwirtin beim Amtsgericht Frankfurt. Seit 12 Jahren ist sie dort beim Nachlassgericht mit der Betreuung von Erbschaftsangelegenheiten betraut. „Die Geschichten der Menschen sind mir sehr nahegegangen“, sagt sie. Sie wünschte sich eine Stelle, einen Ort, wohin sie trauernde Menschen hätte vermitteln können. Doch den gab es in der Bankenmetropole am Main nicht. „Menschen haben einen Suizid in der Familie zu beklagen, ein Kind ist gestorben, und plötzlich steht man allein da und weiß nicht, mit wem man über den Verlust reden soll", erklärt Leifert. Auch die Erfahrung in der eigenen Familie, als 2012 ihr Vater starb und die eigene Mutter mit ihrer Trauer in Süddeutschland alleine war, ließen den Entschluss reifen, in ihrer Kirchengemeinde in jenem Jahr das „Trauercafé" zu gründen.

Jacqueline Leifert weiß aus eigener Erfahrung um die Lücken, die der Tod eines geliebten Menschen in ein Leben reißt. Groll gegen Gott hat sie nie verspürt, sagt sie.

Jacqueline Leifert weiß aus eigener Erfahrung um die Lücken, die der Tod eines geliebten Menschen in ein Leben reißt. Groll gegen Gott hat sie nie verspürt, sagt sie.

Einmal im Monat können seitdem trauernde Menschen in Frankfurt Nordost bei einem morgendlichen Treffen ihre Trauer aufarbeiten. Das „Trauercafé“ biete die Gelegenheit, über den Abschied von einem geliebten Menschen zu sprechen, die Lücken offenzulegen, die der Tod hinterlassen hat, neuen Halt und Boden unter die Füße zu bekommen, beschreibt Leifert das Anliegen. Die Treffen beginnen mit einem kostenlosen Frühstück. Eine Andacht, Gruppen- oder Einzelgespräche bieten dann die Gelegenheit, die verschiedenen Facetten der Trauer zu beleuchten. Reden. Hören. Stille. Am Ende der Treffen steht eine Segensgebet.

Die Wunde bleibt

Zunächst kamen ein bis zwei Gäste zu den Treffen. Heute sind es in der Regel zwanzig und mehr, die von Leifert und insgesamt acht Helfern mit seelsorgerlicher Ausbildung empfangen werden. „Manche Gäste sind von Beginn an dabei. Die Trauer bricht immer wieder auf", sagt Leifert. Mittlerweile seien regelrechte Freundschaften entstanden. „Wir schaffen einfach einen Platz für Menschen, wo sie sich mit ihrer Trauer angenommen wissen." Junge und Alte, Gemeindeglieder und solche, die dem Glauben abgeschworen haben, sogar überzeugte Atheisten kommen ins Café.

„Wir bieten den Menschen an, sie auf dem Weg durch die Trauer ein kleines Stück zu begleiten", sagt Leifert. „Dabei kann ich Zeugnis geben von dem, was mich trägt: Der Glaube an Jesus Christus." Leifert weiß, wovon sie spricht. Vor einem Jahr ist ihr Ehemann nach 24 gemeinsamen Jahren unerwartet im Alter von 47 Jahren an einer Lungenembolie gestorben. Das was ein Schock. Vor allem für den 14-jährigen Sohn. „Das Leben ist kostbar und kurz", weiß Leifert, die trotz des bitteren Verlustes nie böse auf Gott war oder Groll gegen ihn hegte, wie sie sagt. „Ich habe mich gefühlt wie Hiob, und gefragt, ob der Glaube wirklich trägt." Leifert hat dann selber Heilung und Trost im „Trauercafé“ erfahren, musste selber eine Pause einlegen bei der Begleitung trauernder Menschen. Zu schmerzhaft war der Verlust des eigenen Ehemanns.

„Nach einem Jahr ist immer noch eine Wunde da und es wird eine Wunde bleiben", sagt Leifert, die sich vom Glauben an Christus, der Hoffnung auf ewiges Leben daraus und ein Wiedersehen mit ihrem Mann getragen fühlt. Nun will Leifert wieder im „Trauercafé“ mitarbeiten und Zeugnis davon geben, dass „Jesus der einzige Trost ist, der Halt geben kann".

Von: Norbert Schäfer

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