Der Politikwissenschaftler Matthias Blöser berät die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau beim Umgang mit Rechten und Ausländerfeinden

Der Politikwissenschaftler Matthias Blöser berät die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau beim Umgang mit Rechten und Ausländerfeinden

Kirchen: Eigene Botschaft gegen Angst und Populismus setzen

Kirchen müssen ein fachliches Netzwerk aufbauen, um dem Thema Populismus in der kirchlichen Praxis begegnen zu können. Dazu hat der Politikwissenschaftler Matthias Blöser aufgerufen. Gemeinden sollten konfliktfähiger werden.

Matthias Blöser, Referent beim Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, hat bei der Tagung „Religion und Populismus“ die Kirchen dazu aufgefordert, an konkreten Lösungen zu populistischen Phänomenen zu arbeiten und diese politisch einzufordern. Die Kirchengemeinden vor Ort müssten konfliktfähig sein. Es gelte, Netzwerke zu stärken und tragfähige sozialpolitische Bündnisse zu gestalten.

Die Kirche sollte sich fragen, was sie tun könne und wo ihre Stärken seien. „Die eigene Botschaft ist tragfähig“, sagte Blöser. Für Besuchsdienste habe seine Landeskirche etwa die Schrift „Paroli den Parolen“ herausgegeben. Neben Pfarrern würden noch viel häufiger Ehrenamtliche mit Parolen konfrontiert, denen man entgegentreten müsse. Die Evangelische Jugend habe beispielsweise einen Koffer entwickelt, der sich für öffentliche Aktionen eigne. Bei Ereignissen wie jüngst in Köthen oder Chemnitz könnten Kirchen einen Ort für die Trauerarbeit anbieten und dort Angebote machen.

Blöser warb dafür, Heimat inklusiv zu gestalten statt Menschen auszugrenzen. „Als Kirchen haben wir den Blick zum Himmel und können auch auf die bleibende Hoffnung schauen.“ Er wünsche sich eine menschenfreundliche Kirche. Deren Mitglieder müssten Haltung einüben, zeigen und gut reflektieren. „Die Kirche muss die Wahrheit und die Demokratie verteidigen. Sie muss eigene Themen setzen, statt Angstmacher nachzuahmen“, mahnte er.

Christliche Botschaft bleibt eine Frohe Botschaft

Als Beispiele für Populismus nannte der Politikwissenschaftler die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach, die im Internet schon häufig mit manipulierten Bildern Ängste geschürt habe. Kirche müsse hier deutlich machen, dass Gott alle Menschen liebt und die Kirche in jedem Menschen Gottes Wirken sieht. Er warb dafür, beim Dialog auch die Grenzen zu erkennen. Wenn Personen wie der Aktivist Götz Kubitschek salonfähig gemacht würden und er auf der Buchmesse aufträte, sei dies sehr bedenklich.

Wenn AfD-Politiker wie Hans-Thomas Tilschneider sagten, dass sich die Kirche mit der Masseneinwanderung gegen den Willen Gottes stelle, werde das Christentum von den Füßen auf den Kopf gestellt. Die NPD habe sogar Luther für Wahlwerbung instrumentalisiert. Rechtspopulisten würden das Christsein und die christliche Botschaft umdeuten. „Die christliche Botschaft ist aber eine Frohe Botschaft und soll das Kernanliegen bleiben.“

Parteien wie die AfD schüfen Opfermythen. Mit dem Motto „Die Evangelische Kirche grenzt wieder mal die Kirche aus“ habe die AfD den Fall einer hessischen Kirchenvorsteherin genutzt. Diese war von der FDP in die AfD gewechselt ist. Mit der Karfreitagssymbolik und dem biblischen Spruch „Vergib ihnen ihre Sünden, denn sie wissen nicht, was sie tun“ habe sie hier eine klare Strategie verfolgt und die Schuld den Kirchen in die Schuhe geschoben.

Auf der Tagung „Die Kirchen und der Populismus“ wurden von Montag bis Mittwoch das Verhältnis der Kirchen zu populistischen Tendenzen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven erörtert. Veranstaltet hat sie die Schader Stiftung in Darmstadt zusammen mit der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen & Pastoraltheologinnen sowie der Fachgruppe Praktische Theologie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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