Heinrich Bedford-Strohm machte die Digitalisierung zum Thema seiner Rede beim jährlichen Johannisempfang der Evangelischen Kirche

Heinrich Bedford-Strohm machte die Digitalisierung zum Thema seiner Rede beim jährlichen Johannisempfang der Evangelischen Kirche

Politiker sollen wieder sachlich diskutieren

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat die Politiker der Großen Koalition dazu aufgefordert, Streitigkeiten beizulegen und sich wieder drängenden politischen Fragen zu widmen. Dazu zählt er die Digitalisierung.

Mit Blick auf die derzeitigen politischen Vewerfungen innerhalb der Großen Koalition in Berlin appellierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, am Mittwoch in Berlin an die Politik: „Ich bitte alle, die darauf Einfluss haben, zum sachlichen Diskurs über die drängenden Probleme unserer Tage zurückzukehren!“ So forderte er beim traditionellen Johannisempfang der Protestanten vor prominenten Gästen aus Politik und Gesellschaft internationale Transparenz- und Regulierungsvorgaben für die großen Player der Digitalisierung wie Google oder Facebook. Diese Mächte zu kontrollieren sei eine entscheidende politische Aufgabe dieser Tage.

Manche innerhalb der Kirche sähen in der Digitalisierung „geradezu eine biblische Vision in Erfüllung gehen“. Andere verwiesen auf ihre Schattenseiten: Die Steuerung der Wahrnehmung durch Algorithmen etwa. „Es gibt gute Gründe, darüber zu erschrecken, welche Einsicht und so auch Macht diejenigen über uns haben, die über Daten von Milliarden Menschen verfügen“, sagte Bedford-Strohm. Der digitale Fortschritt könne die Welt besser machen. Doch das Tor zum Paradies werde er nicht aufstoßen. Niemand solle „falschen Internetgöttern auf den Leim gehen".

Mit Blick auf das Erstarken populistischer Bewegungen warnte der Ratsvorsitzende: „Nationalismus, Rassismus und Ausgrenzung von Menschengruppen erscheinen mit einem Mal wieder als legitime Instrumente im politischen Wettstreit.“ Doch der technologische Fortschritt des 21. Jahrhunderts lasse sich nicht mit der Mentalität des 19. Jahrhunderts gestalten.

Von: Anna Lutz

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