Der katholische Theologe Hans Küng wird 90 Jahre alt

Der katholische Theologe Hans Küng wird 90 Jahre alt

Hans Küng wird 90

Der katholische Theologe Hans Küng ist am Montag 90 Jahre alt geworden. Der Gründer der „Stiftung Weltethos“ ist bekannter Kirchen- und Papst-Kritiker und Bestseller-Autor, dem 1979 die katholische Lehrerlaubnis entzogen wurde.

Die Bücher des Schweizer Theologen wie „Existiert Gott?“ oder „Christ sein“ wurden in über 30 Sprachen übersetzt und erreichten Millionen-Auflagen. Die Kirche solle sich „mehr auf die christliche Botschaft konzentrieren“, hatte er 2012 in einem Interview des Deutschlandfunks (DLF) gesagt. Aus der katholischen Kirche wollte er nie austreten und bezeichnet sich als „loyaler katholischer Theologe“. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er seit längerem keine Interviews mehr. Küng feiert am heutigen Montag seinen 90. Geburtstag.

Küng wurde am 19. März 1928 in Sursee im Schweizer Kanton Luzern geboren. Er studierte Theologie und Philosophie an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1954 wurde er zum Diözesanpriester von Basel geweiht. Er folgte dem Ruf als Professor für Fundamentaltheologie an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen. Aber schon bald kam es zu Differenzen zur Kirche in Rom.

Küng entwickelte ein Reformprogramm, das die Abschaffung des Zölibats, die Gleichberechtigung der Frau und eine weitreichende Ökumene zum Ziel hatte. 1962 wurde er von Papst Johannes XXIII. als Konzilstheologe des Zweiten Vatikanischen Konzils berufen. Zwischen ihm und Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., kam es zum Bruch, als Ratzinger in der Auseinandersetzung mit der 68er-Bewegung konservativere Positionen vertrat, Küng hingegen die päpstliche Position kritisierte.

In Büchern wie „Die Kirche“ und „Unfehlbar? – Eine Anfrage“ kritisierte Küng zentrale Strukturelemente der katholischen Kirche. Im Dezember 1979 stellte ein von Papst Johannes Paul II. gebilligter Erlass der Glaubenskongregation gravierende Abweichungen Küngs von der katholischen Lehre fest, was einen Verbleib im theologischen Lehramt unmöglich machte. Nach verschiedenen Rügen aus Rom entzog ihm die Deutsche Bischofskonferenz die kirchliche Lehrerlaubnis. Ab 1980 war Küng ein fakultätsunabhängiger Professor für Ökumenische Theologie und Direktor des Instituts für ökumenische Forschung der Universität Tübingen.

Kritik an katholischer Kirche

Zu Küngs Hauptwerken zählen „Christ sein“ (1974), „Existiert Gott?“ (1978) und „Ewiges Leben?“ (1982). Immer wieder hinterfragte er Lehrmeinungen der römisch-katholischen Kirche, etwa die Unfehlbarkeit des Papstes, die Unsittlichkeit der künstlichen Empfängnisverhütung, das strikte Verbot der Abtreibung, die Unmöglichkeit der Frauenordination oder die Zölibatsverpflichtung für Priester. Nach Küngs Meinung ist die Katholische Kirche zu einer „Machtkirche“ geworden, die vor allem eigene Interessen verfolgt und nicht dem Evangelium Jesu Christi entspricht.

1990 veröffentlichte Küng ein Buch mit dem Titel „Projekt Weltethos“, aus dem die „Stiftung Weltethos“ mit Sitz in Tübingen hervorging, deren Präsident er seit 1995 ist. Die Stiftung will den Dialog der Religionen und Kulturen fördern. Küng moderierte für das deutschsprachige Schweizer Fernsehen mehrere Folgen der Sendung „Sternstunde Religion“.

Im Interview des DLF vor sechs Jahren sagte Küng, er habe „keinen anti-römischen Affekt“, kritisierte aber eine Art „päpstlichen Absolutismus, wo einer meint, er kann über die Pille befinden, über alle Fragen der Moral befinden. Das ist einfach nicht mehr durchzuhalten. Und da gibt es halt auch keine Kompromisse etwa in der Frage, kann er nun Statements abgeben, die nicht falsch sein können. Das ist die Unfehlbarkeit.“ Auf die Frage, was sein Rezept für eine Reform sei, sagte Küng: „Im Grunde geht es ja darum, dass wir uns wieder mehr auf die christliche Botschaft konzentrieren und fragen würden, nicht was sagt das Kirchenrecht, was sagt der Papst Soundso, was sagt das Konzil, sondern was würde Jesus selber sagen und tun, wenn er hier wäre, der Nazarener?“

Von: Jörn Schumacher

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