Der Evangelist Ulrich Parzany wünscht sich von Kirchen und kirchlichen Verbänden ein klareres Bekenntnis zu Jesus Christus

Der Evangelist Ulrich Parzany wünscht sich von Kirchen und kirchlichen Verbänden ein klareres Bekenntnis zu Jesus Christus

„Es gab kein Zerwürfnis mit der Deutschen Evangelischen Allianz“

Vor zwei Jahren hat der Evangelist Ulrich Parzany das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“ gegründet. Das Netzwerk hat seine Erwartungen nicht erfüllt und auch die Mitgliederzahl stellt ihn nicht zufrieden. Warum Parzany trotzdem hoffnungsfroh ist, erklärt er im pro-Interview. Die Fragen stellte Stefanie Ramsperger

pro: Welches Ziel hat das „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“?

Ulrich Parzany: Das Netzwerk verfolgt zwei Ziele: Wir widersprechen, wo wir sehen, dass in den Evangelischen Kirchen heute Grundlagen des christlichen Glaubens demontiert werden: Das betrifft die Autorität der Bibel, die Bedeutung von Jesus, auch im interreligiösen Dialog, das biblische Menschenbild zum Beispiel in der Debatte um die Homo-Ehe. Außerdem wollen wir Gemeinden durch biblische Lehre stärken, damit sie nicht nur aus Tradition zu etwas stehen, sondern es mit solider biblischer Lehre begründen können.

Was hat sich seit der Gründung des Netzwerks getan?

Es wächst langsam aber stetig. Wir sind jetzt bei 1.770 Mitgliedern. Das heißt, der Dienst wird angenommen und gebraucht. Außerdem hat es Klärungsprozesse gegeben, auch in den evangelikalen Verbänden. Das hatten wir erbeten. Da gab es intensive Diskussionen, sowohl mit der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) als auch mit dem Gnadauer Verband. Ich finde es erfreulich, wie klar sich jetzt der Vorsitzende und der Generalsekretär der DEA äußern. Große Teile von Gnadau äußern sich auch klar, zum Beispiel Gnadau Württemberg, in der aktuellen Debatte der Synode um die Segnung homosexueller Paare. Bedauerlich ist, dass das noch nicht die gemeinsame Stimme von ganz Gnadau ist.

Spielen Sie auf Vorstandspersonal wie Michael Diener an?

Ich spiele auf inhaltlich klare Stellungnahmen an. Da tut sich der Gnadauer Verband schwer, sich öffentlich klar zu äußern.

Hat das Netzwerk Ihre Erwartungen also erfüllt?

Eher nein. Ich freue mich über jede positive Reaktion von Einzelpersonen und Gemeinden, die sich durch die Arbeit des Netzwerkes gestärkt und ermutigt fühlen. Aber ich kann noch nicht sehen, dass wir wirklich zu einer gemeinsamen klaren Stimme in den Evangelischen Kirchen gekommen sind.

Sind Sie mit der Mitgliederzahl zufrieden?

Nein. Ich möchte, dass wir in den Evangelischen Kirchen eine Stimme haben. In vielen Gemeinden wird das Evangelium klar verkündet. Ich finde es aber bedauerlich, dass sich viele noch nicht trauen, in den kirchlichen Kontroversen öffentlich Stellung zu beziehen. Damit kann man nicht zufrieden sein. Ich weiß nicht, wo der Weg hingeht. Wenn wir gebraucht werden, wird das Netzwerk weiter bestehen. Es gibt keinen Grund zum Triumphieren, aber Grund zum Beten und Hoffen, dass der Mut zum öffentlichen Bekenntnis in Gemeinden und Gemeinschaften wächst.

War es das Zerwürfnis mit der DEA wert?

Es gab kein Zerwürfnis. Wir haben von Anfang an erklärt, dass wir Allianz-Leute sind. Wir beten miteinander und wir haben in unserem Netzwerk als ersten Punkt die Glaubensbasis der DEA genannt. Es ist innerhalb von Gremien der DEA zu kontroversen Diskussionen gekommen. Wir haben betont, dass wir die bisher bestehende Einheit in den biblisch-theologischen Grundlagen auch weiterhin behalten und bekennen wollen. Wenn das jemand ändern will, dann muss man sich damit auseinandersetzen, auch streitend. Aber es spalten nicht die, die die bisherige Gemeinsamkeit behalten wollen.

Es gibt Menschen, die von sich sagen, dass sie mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben wollen, weil sie die Streitigkeiten innerhalb der Kirche abstoßen. Was sagen Sie diesen Menschen?

Um die Wahrheit muss immer gerungen werden. Es gibt keine Entscheidung der Wahrheitsfrage durch Zwangsmaßnahmen von oben. Ich weiß nicht, was die Erwartungen dieser Leute sind. Die Christenheit ist keine Betonpyramide, in der einer oben entscheidet, was die Wahrheit ist, und die anderen halten das Maul. Und Einheit, die auf faulen Kompromissen beruht, ist keine Einheit. Wir wollen die Einheit, die auf Christus und der Wahrheit beruht.

Was planen Sie in Zukunft?

Wir werden weiter kommunizieren, vor allem über die Webseite und über die Sozialen Medien. Uns hat sich biblipedia, eine Blogger-Gruppe, angeschlossen. Wir kommunizieren in der Hoffnung, dass die Leute es hören. Wir wollen Stimme sein. Wir wollen widersprechen. Wir wollen stärken, wo Gemeinden und einzelne Christen Stärkung brauchen. Strukturell sehe ich im Augenblick keine Erweiterungen.

Zur nahen Zukunft: Die Großevangelisation proChrist steht vor der Tür. Dieses Mal nicht mit Ihnen als Hauptredner, sondern mit Elke Werner und Steffen Kern im Mittelpunkt. Welchen Tipp haben Sie für die beiden?

Ich wünsche und bete, dass sie mit der Kraft des Heiligen Geistes in Vollmacht die Wahrheit des Evangeliums verkündigen.

Wie sieht für Sie eine zeitgemäße Form der Evangelisation aus?

Es gibt 4.355 Methoden der Evangelisation. Es gibt nur einen Weg zu Gott und der heißt Jesus, aber es gibt Millionen von Wegen zu Jesus. Insofern ist der Streit um Methoden völlig unangemessen. Selten hatten wir Zeiten, in denen wir so viele Möglichkeiten hatten wie in unserer: Wir haben alle Freiheiten in diesem Land. Wir können die Medien nutzen. Freizeiten sind nach wie vor eine der wirkungsvollsten Formen der Evangelisation. Glaubenskurse sind wichtig. Und große öffentliche Aktionen sind hilfreich, für die sich Gemeinden unterschiedlicher Prägung zusammentun und nicht jede nur ihr eigenes Ding macht. Jede neue Form, die den Inhalt rüberbringt, dass Jesus der alleinige Retter ist, ist gut. Der Inhalt ist unveränderbar.

Was ist die größte Herausforderung für Evangelisten?

Wir sind als Evangelisten gefährdet, dass wir den Menschen nach dem Munde reden, weil wir sie gewinnen wollen. Dass wir dabei den Inhalt des Evangeliums verfälschen und preisgeben, ist die Gefahr. Die Herausforderung heißt: Kein anderes Evangelium, aber flexibel in den Methoden der Vermittlung!

Sie haben jüngst das „Mission Manifest“, das auf der katholischen Mehr-Konferenz vorgestellt wurde, überschwänglich gelobt. Sind Sie ein Johannes-Hartl-Fan?

Ich folge Jesus nach und habe eine Leidenschaft, dass das Evangelium unter die Leute kommt. Wenn es irgendjemandem nicht länger reicht, dass Menschen in Kirchen evangelisch oder katholisch sozialisiert werden, sondern will, dass sie sich zu Jesus bekehren, weil er allein der Retter ist, dann sage ich: Halleluja! Darum geht es. Das wird im „Mission Manifest“ klar betont. Aber Johannes Hartl ist katholisch und ich bin evangelisch und ich weiß, warum ich das bin.

Was versprechen Sie sich vom „Mission Manifest“?

Ich wünsche den Autoren von Herzen, dass sie den Aufbruch erleben, den sie damit anstoßen wollen. Ich glaube an die Kraft des Wortes Gottes und ich erwarte ja auch, dass es sich in den Evangelischen Kirchen durchsetzt. Auch wenn ich die aktuellen Entwicklungen dort sehr kritisch sehe.

Vielen Dank für das Gespräch!

Von: Stefanie Ramsperger

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