„Wir machen jetzt keinen Punkt, sondern einen Doppelpunkt“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm auf dem Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd im Bezug auf das Reformationsjubiläum

„Wir machen jetzt keinen Punkt, sondern einen Doppelpunkt“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm auf dem Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd im Bezug auf das Reformationsjubiläum

„Wir brauchen eine neue Evangelisierung“

Das Reformationsjubiläum hat der Evangelischen Kirche Rückenwind gegeben. Laut dem EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm, der auf dem Christlichen Medienkongress sprach, braucht es trotzdem eine neue Evangelisierung.

„Vertraut den neuen Wegen!“ Das hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bei der Abschlussveranstaltung des Christlichen Medienkongresses am Samstag in Schwäbisch Gmünd gesagt. Bedford-Strohm bezog sich damit auf die „Verkündigung des Evangeliums in digitalen Zeiten“, was das Thema seines Vortrags war.

Der EKD-Ratsvorsitzende wünscht sich generell mehr Selbstbewusstsein bei der Verkündung von Gottes Gnade: „Wir brauchen eine neue Evangelisierung.“ In der heutigen Welt hätten viele Menschen mehr Sehnsucht nach Spiritualität, als die Medienschaffenden und Kirchenoffiziellen manchmal dächten. Die Kirche biete den Menschen die Dankbarkeit für die Schöpfung, die freie Gnade Gottes und die Kraft durch Jesus Christus an. Die große Aufgabe sei es, diese frohe Botschaft in die Welt hineinzutragen und nahe an den Menschen zu sein.

Junger Generation Glaubensinhalte vermitteln

Starke, einprägsame Sätze, wie sie das Reformationsjubiläum 2017 geprägt hätten, seien eine gute Möglichkeit, die Botschaft des Evangeliums weiterzusagen. „Diese Sätze sollen nicht nur ins Gedächtnis, sondern in die Seele der Menschen einsickern“, sagte Bedford-Strohm. Als Beispiel nannte er aus Martin Luthers Denkschrift „Aus der Freiheit eines Christenmenschen“ den Satz: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“

Bedford-Strohm sieht bei der Vermittlung des Glaubens vor allem ein Problem bei den nachkommenden Generationen in Deutschland: „Der Glaube geht in der jüngeren Generation dramatisch verloren.“ Dabei erinnerte er auch an die „erschreckenden Zahlen“ der Insa-Studie, die auf dem Christlichen Medienkongress vorgestellt wurde. Diese zeigt ein schwindendes Interesse jüngerer Menschen am Christentum. Die Bibel bietet in den Augen des Ratsvorsitzenden alle Werkzeuge, auch die jungen Menschen heute noch zu erreichen. Er habe sich intensiver mit der Glücksforschung beschäftigt. Die zentralen Themen in dieser Forschung seien dieselben wie die der Bibel: Vergeben zu lernen, dankbar zu leben, auf soziale Beziehungen zu achten und im Hier und Jetzt zu leben.

Im Zuge des Reformationsjubiläums lobte Bedford-Strohm vor allem die starken Sätze, die im Zusammenhang mit Prominenten wie dem Fußballtrainer Jürgen Klopp, dem Schauspieler Samuel Koch oder der Nachrichtensprecherin Gundula Gause geprägt wurden. So hätten sich diese Sätze und die frohe Botschaft des Evangeliums auch über digitale Kanäle an Menschen verbreitet, die ansonsten nichts davon gehört hätten.

Authentizität allein reicht nicht

Um die jüngeren Menschen in den Sozialen Medien zu erreichen, brauche es vor allem zwei Dinge: „Wir müssen ausstrahlen, was wir sprechen“, sagte Bedford-Strohm. Es sei aber genauso wichtig, dass es eine Übereinstimmung mit einem bestimmten Inhalt gebe. Nur authentisch zu sein, reiche nicht aus. Für die Kirchen müssten beide Aspekte zusammenkommen.

Zum Reformationsjubiläum merkte der EKD-Ratsvorsitzende an, dass dieses besondere Jahr kein abgeschlossenes Ereignis sei: „Wir machen jetzt keinen Punkt, sondern einen Doppelpunkt.“ Die Kirche müsse in Bewegung bleiben und die digitalen Medien zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Das funktioniere nur dann, wenn christliche Journalisten authentisch berichteten. Sie hätten eine „ungeheuere Kraft und Verantwortung durch das Wort“.

Größte Erfolge auf den Marktplätzen der Republik

Am erfolgreichsten hätten im Reformationsjahr solche Formate funktioniert, bei denen Kirche auf Marktplätzen, in Museen und Schulen erlebbar gemacht worden sei. Der 31. Oktober des vergangenen Jahres habe der Kirche Rückenwind gegeben.

Der 5. Christliche Medienkongress, auf dem der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm gesprochen hat, fand vom 11. bis 13. Januar in Schwäbisch Gmünd statt. Rund 170 Medienschaffende haben in Seminaren und Diskussionsveranstaltungen im Christlichen Gästezentrum Württemberg darüber beraten, wie die christliche Botschaft wirkungsvoll in den Medien verbreitet werden kann. Zu den Referenten der Fachtagung gehört neben der Redaktionsleiterin Religion und Gesellschaft beim NDR, Anja Würzberg, auch der stellvertretende Chef von bild.de, Daniel Böcking.

Träger des Christlichen Medienkongresses sind die EKD, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), Bibel.TV, ERF Medien, die Stiftung Christliche Medien, die Stiftung Marburger Medien, der Christliche Medienverbund KEP, CFF – Forum für Christen in Film und Fernsehen, das Gütersloher Verlagshaus, der Schönblick und die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Von: Michael Müller

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