Betrachtet den Beschluss als weiteren Schritt auf dem Weg der Einkehr und Umkehr in unserem Verhältnis zu den Juden: die Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer
Betrachtet den Beschluss als weiteren Schritt auf dem Weg der Einkehr und Umkehr in unserem Verhältnis zu den Juden: die Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer

Evangelische Kirche wendet sich gegen Judenmission

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) möchte völlig darauf verzichten, Juden zu missionieren. Dies sieht ein Beschluss vor, den die EKD-Synode am Mittwoch in Magdeburg gefasst hat. Die Meinungen dazu sind gespalten.

Die evangelische Kirche hat einer möglichen Judenmission eine Absage erteilt. Die Synode der EKD folgte einstimmig dem Beschlussvorschlag des Präsidiums. Darin heißt es: „Christen sind nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“

Man könne allein Gott anheim stellen, den Widerspruch zwischen den beiden unterschiedlichen Bekenntnissen von Christen und Juden zu lösen. „Wir bekräftigen: Die Erwählung der Kirche ist nicht an die Stelle der Erwählung des Volkes Israel getreten. Gott steht in Treue zu seinem Volk“. Für die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, sei dies ein weiterer Schritt auf dem Weg der Einkehr und Umkehr in unserem Verhältnis zu den Juden. „Sie ist ein wichtiger Beitrag dafür, dass die Geste der Schuldanerkennung und Verantwortungsübernahme gegenüber unseren jüdischen Geschwistern Substanz hat, die für die Eröffnungsveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit 2017 in Frankfurt geplant ist“, betonte Schwaetzer in einer Pressemitteilung der EKD.

Widerspricht dem Bekenntnis der Treue Gottes

Mit dem Beschluss gehe es um eine Absage an alle Formen des Glaubenszeugnisses, die auf Bekehrung von Juden ausgerichtet sind, hatte der Vizepräses Klaus Eberl bei der Einbringung des Beschlusses betont. Die Frage der Judenmission wird schon lange kontrovers diskutiert. Auch einzelne Landeskirchen haben sich bereits in eigenen Erklärungen dagegen ausgesprochen.

Eberl hatte mit der „bleibenden Erwählung Israels“ argumentiert. Zunächst habe Gott einen Bund mit dem Volk Israel und dann mit den Christen geschlossen. Zu beiden Bünden stehe er treu. Zugleich bekannte sich das Gremium zur „christlicher Mitverantwortung“ am nationalsozialistischen Völkermord. Jeder Form von Judenmission eine klare Absage zu erteilen, hatte auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, 2015 gefordert.

Die Berliner Theologin Dorothea Wendebourg hatte gegenüber der Tageszeitung Die Weltdie vielen Unklarheiten des Beschlusses bemängelt. Die EKD müsse erst einmal intern ihre Definition von Mission klären. Der Berliner Kirchengeschichtler Christoph Markschies sagte dem Deutschlandradio, Christen seien nur in den vorherigen Bund zwischen Gott und den Juden „hineingenommen“ worden, aber „nicht die ursprünglichen Erben der Verheißung“. Daher gebe es im Neuen Testament keine Missionierung der Juden durch jene Christen, die vorher Heiden waren. (pro)

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Von: jw

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