Weil es in Deutschland immer weniger Priester gibt, holt sich die Katholische Kirche Unterstützung aus dem Ausland
Weil es in Deutschland immer weniger Priester gibt, holt sich die Katholische Kirche Unterstützung aus dem Ausland

Gastarbeiter im Priesterdienst

Die Katholische Kirche leidet unter großem Priestermangel. Daher wirbt sie vermehrt auch im Ausland um Geistliche. Die Welt am Sonntag begleitete einen Vikar im bayerischen Waldsassen, der eigentlich aus Indien stammt.

„Die Kirchen, katholisch oder evangelisch, verlieren nicht nur ständig Mitglieder, sie haben auch große Nachwuchsprobleme“, schreibt Welt-Autor Patrick Witte im Titelthema der Welt am Sonntag unter der Überschrift „Gastarbeiter im Weinberg des Herrn“. Auf fünf Seiten behandelt die Zeitung den Priestermangel der katholischen Kirche. Etwa 9.500 Pfarrer hat die römisch-katholische Kirche in Deutschland, doch es gibt mehr als 11.500 katholische Gemeinden. Die Kirche sucht deshalb Priester, auch im Ausland, etwa in Nigeria, im Kongo oder in Indien.

Exemplarisch besuchte der Autor Waldsassen in der Bayerischen Oberpfalz. Der Ort hat 7.000 Einwohner. Der 43-jährige Saji Nellikunnel ist dort seit wenigen Tagen katholischer Pfarrvikar. Geboren wurde er in Südindien. Im Bistum Regensburg, zu dem Waldsassen gehört, gibt es 95 solche ausländische Geistliche.

Irgendwann wird Nellikunnel weiterziehen

„Die Bistümer schicken die fremden Priester nach ihrer Ankunft in Deutschland erst einmal zu einem Einführungskurs, zwei Jahre lang“, schreibt Witte. „Sie sollen die Geschichte und die Organisation der Kirche in Deutschland kennenlernen, die kirchlichen Bräuche und Traditionen in Bayern, die Zusammenarbeit mit pfarrlichen Gremien, Fragen der Ökumene, Notfallseelsorge und Anregungen zum Predigtdienst.“

Eine Studie der Universität Münster habe 2011 jedoch festgestellt, dass nur bei drei von zehn ausländischen Priestern von „gelungenen Einsätzen“ gesprochen werden könne. Denn die Anforderungen und die Kompetenzen der Geistlichen passten häufig nicht zusammen. Während ein Amtsträger in Afrika etwa Autorität bereits von Amts wegen habe, müsse man sie sich hierzulande erst erwerben. Dies führe manchmal zu unterschiedlichen Vorstellungen vom Amt. Seine Heimat sei derzeit Waldsassen, sagt Nellikunnel. „Irgendwann“, heißt es im Artikel, „wenn seine Arbeit getan ist, wird es wieder Kerala sein, seine Heimat. Bis dahin wird er weiterziehen, zuhören, lächeln, predigen. Wo auch immer Gott und seine Kirche es wollen.“ (pro)

Von: js

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