Berliner Synagoge nahe dem Alexanderplatz: Egal ob Juden, Christen oder Muslime – Religiöse können in Kreuzberg weiterhin mit der Bezirksmedaille ausgezeichnet werden. Das hat der Bezirk nun erneut deutlich gemacht
Berliner Synagoge nahe dem Alexanderplatz: Egal ob Juden, Christen oder Muslime – Religiöse können in Kreuzberg weiterhin mit der Bezirksmedaille ausgezeichnet werden. Das hat der Bezirk nun erneut deutlich gemacht

Kreuzberg ehrt Diakonie

Kreuzberg wolle religiöse Bürger nicht mehr mit einer Bezirksmedaille auszeichnen, hieß es vor knapp einem Jahr in Boulevardmedien. Christen in Berlin wähnten sich diskriminiert. Nun geht besagte Ehrung an die Diakonie.

Am 26. Juni wird das Diakonische Werk Berlin Stadtmitte die Bezirksmedaille Friedrichshain-Kreuzberg erhalten. Klingt nach einer netten Lokalgeschichte – doch die Brisanz dieser Entscheidung reicht weit über Berlin hinaus. Denn im August des vergangenen Jahres brach ein Streit über eben jene Bezirksmedaille los, der über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt wurde. BZ-Autor Gunnar Schupelius berichtete über die Änderung der Vergabekriterien der Bezirksmedaille und witterte eine Diskriminierung religiöser Menschen, weitere Medien griffen das Thema auf.

Zum Hintergrund: Die Medaille erhalten regelmäßig Bürger, die sich besonders um den Stadtteil bemühen. „Die zu ehrende Person/Gruppe/Initiative soll sich durch ein herausragendes Engagement über einen längeren Zeitraum in Gesellschaftsbereichen wie zum Beispiel Jugend und Familie, Kultur, Soziales, Religion, Umwelt, Entwicklung, Innovation, Wirtschaft verdient gemacht haben”, hieß es bis 2013 in der von der Bezirksverordnetenversammlung festgelegten Geschäftsordnung für die Auslobung. Doch Anfang des vergangenen Jahres stellten die Piraten einen Antrag auf die Streichung des Wortes Religion in dieser Aufzählung – und das Bezirksparlament stimmte mehrheitlich zu, lediglich die Union wehrte sich gegen die Änderung.

Kirchenkampf abgeblasen

Die BZ witterte daraufhin einen „neuen Kreuzberger Kirchenkampf“ und Bild am Sonntag-Kolumnist Peter Hahne verglich das Vorgehen des Bezirks gar mit dem der Nazis und der SED, die auch nichts gegen Religion gehabt hätten, „solange man davon nichts sieht“. Auf Anfrage von pro verteidigte sich die Bezirksverordnetenversammlung vehement: „Herrn Schupelius‘ Schilderung, die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg würde die Bezirksmedaille nicht mehr an Bürgerinnen und Bürger verleihen, die sich in einer religiösen Gemeinschaft engagieren, ist falsch. Selbstverständlich können auch religiöse Menschen mit der Bezirksmedaille geehrt werden. Einziges Kriterium für die Auszeichnung ist, dass sie sich im ehrenamtlichen Engagement um Friedrichshain-Kreuzberg und seine Bewohnerinnen und Bewohner besonders verdient gemacht haben.”

Dem hat Kreuzberg nun Taten folgen lassen. Für „hervorragende Verdienste um das Gemeinwohl“ erhalten neben verschiedenen Einzelpersonen und dem Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr auch die Diakonie und der Pfarrer Klaus Duntze die Bezirksmedaille 2014, wie die Bezirksverordnetenbersammlung am Mittwoch mitteilte. Geehrt wird vor allem das kirchliche Engagement für Flüchtlinge, aber auch Senioren, Wohnungslose, Familien und Menschen mit Suchtproblemen. „Ohne ihr ehrenamtliches Engagement wäre Friedrichshain-Kreuzberg nicht der bunte Bezirk, der er ist, in dem Menschen aus allen Ländern der Welt zuhause sind“, heißt es in der Mitteilung weiter. (pro)

Von: al

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