Ist Jesus Christus der Kirche abhanden gekommen?
Ist Jesus Christus der Kirche abhanden gekommen?

Hat die Kirche ihr Gesicht verloren?

Beliebig, gönnerhaft, kraftlos: So wirkt die Evangelische Kirche in Deutschland auf die Journalistin Friederike Gräff. In der Zeit-Beilage „Christ und Welt“ rechnet sie mit den Protestanten ab.

„Wenn ich mein Unbehagen an der evangelischen Kirche in einem Wort zusammenfassen müsste, dann ist es ihre Leisetreterei“, schreibt Gräff in der aktuellen Ausgabe der Zeitung. Hauptanliegen der Protestanten scheine es zu sein, niemanden vor den Kopf zu stoßen. Über die Kirche sagt sie: „Sie ist für den Klimaschutz und gegen Menschenhandel, sie ist gegen Massenvernichtungswaffen und für gerechten Handel. Sie ist für alles, wofür bürgerliche Mehrheiten sind.“

Dennoch sieht Gräff Widersprüche in den Forderungen der Protestanten: „Die evangelische Kirche prangert die Exzesse des Kapitalismus an, so wie es heute zum guten Ton gehört, und sieht mit der gleichen Verve wie die Mehrheit der Bevölkerung darauf, dass sich ihr Geld möglichst stark vermehrt. Sie fordert gerechte und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen und wehrt sich gegen Tarifverträge für ihre Angestellten. Sie will Leben schützen und sagt gern, dass alles Leben gleich viel wert sei, aber ein klares Wort gegen Pränataldiagnostik kann sie sich nicht abringen.“

„Als schäme sie sich“

Geradezu unüblich sei es geworden, innerhalb der eigenen Reihen über Glaubensdinge zu sprechen. „Es ist, als schäme sie sich für das, was man ihr Innerstes nennen könnte, wie für eine unansehnliche und sozial inakzeptable alte Tante.“ Die Kirche komme allen entgegen, finde so viele Bibelübersetzungen, bis alle mit dem Text zufrieden seien, traue Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, hänge das Kreuz ab, weil der Anblick verstörend sein könnte. „Sie hat ihre Absolutheitsansprüche so weit über Bord geworfen, dass sie keinen erkennbaren Kurs mehr fährt. Sie ist unattraktiv, weil sie sich andient bis zur Gesichtslosigkeit“, schreibt Gräff.

Die Pastoren, die sie kenne, seien zwar interessiert an Glaubensfragen, aber sie lebten nicht danach. Sie vermittelten nicht das Gefühl, dass Jesus Christus ihnen Kraft schenke. Auffallend sei auch die Abschätzigkeit, mit der die Landeskirchen über Freikirchler sprächen: „Das klingt oft so, als seien es geistig wenig Bemittelte, die sich in lebhaften Gesang und enge Gruppenbindungen flüchteten. Angesichts der Zuwachsraten bei den Freikirchen, von denen die Lutherischen, Reformierten und Unierten nur träumen können, klingt es auch nach Trauben, die zu hoch hängen.“

Von: al

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