Erinnerung an die jüdische Vergangenheit in Deutschland: Das „Tal der Gemeinden“ in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Erinnerung an die jüdische Vergangenheit in Deutschland: Das „Tal der Gemeinden“ in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Das Virus des Antisemitismus bekämpfen

Vor 76 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Der Antisemitismus wurde dadurch aber nicht ausgemerzt. Auch deswegen ist das Gedenken an den Holocaust so wichtig. Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Der Autor und Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad hat mich mit seinen Thesen schon oft zum Nachdenken gebracht. In seinem aktuellen Buch „Aus Liebe zu Deutschland – Ein Warnruf“ fragt er danach, „ob das Ergebnis eines Traumas identitätsstiftend sein kann“. Abdel-Samad hat den Eindruck, „als sei dieses Trauma selbst, die Katastrophe des Dritten Reiches, der einzige verbliebene, traumatische Gründungsmythos des Landes“. Deutschland sei stark auf das historische Trauma fixiert.

Man merke, „dass die Guten gut sein wollen, indem sie sich auf das Böse beziehen bzw. davon abgrenzen. Sie konstruieren eine auf Schuld basierende Identität, in der das Gute nur durch Verdammung des Bösen zur Geltung kommen kann“. Demzufolge müsste der 27. Januar, der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Nationalfeiertag sein in unserem Land.

Die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 76 Jahren ist aber kein Mythos. Das Lager selbst war kein Mythos. Selbst wenn mancher Zeitgenosse uns das glauben machen möchte. Auch die damals darin verbliebenen Gefangenen sind keine Mär.

Wann immer es möglich ist, besuche ich Veranstaltungen mit Zeitzeugen des Holocaust. Die mittlerweile hochbetagten Menschen berichten aus erster Hand, welche Gräuel sie einst im Namen einer Ideologie erleiden mussten. Am meisten beeindruckt haben mich dabei immer der unerschütterliche Lebenswille, die gereifte Milde und der unbedingte Drang der Überlebenden, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät. Nicht, um jemanden zu beschuldigen, sondern um die Verantwortung der Nachgeborenen wachzuhalten. Die Begegnungen mit den Zeitzeugen habe ich jeweils als äußerst erhellend und wohltuend empfunden.

Dieser Tage wird viel darüber spekuliert, ob und wann genügend Impfstoff gegen das Corona-Virus zur Verfügung steht, damit die Pandemie überwunden wird. Klar ist, dass das Virus nicht mehr gänzlich aus der Welt zu schaffen sein wird. Somit werden wohl spätere Generationen nicht um eine Impfung herum kommen.

Das Virus des Antisemitismus ist 1933 nicht mit den Nationalsozialisten in die Welt gekommen und es wurde nicht am 27. Januar 1945 für immer von der Oberfläche der Erde getilgt. Bislang wurde aber auch noch kein wirksamer Impfstoff gegen dieses „Virus“ gefunden. Wir sind daher gut beraten, uns öfter einer Auffrischung der Immunabwehr gegen den tödlichen Viren-Cocktail aus Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit zu unterziehen. Der 27. Januar ist ein geeigneter Zeitpunkt dafür.

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