Vertreter unterschiedlicher Religionen stellten ausgewählte Plakate der Kampagne vor

Vertreter unterschiedlicher Religionen stellten ausgewählte Plakate der Kampagne vor

Klare Kante gegen Antisemitismus

Die Evangelische und Katholische Kirche beziehen Position gegen Antisemitismus. Am Mittwoch stellten sie in Berlin die bundesweite Plakataktion „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ vor. Sie startet Anfang 2021 und wendet sich insbesondere an Gemeinden und kirchliche Einrichtungen.

Evangelische und katholische Kirche wollen gemeinsam Flagge zeigen gegen Antisemitismus. Das Anliegen der Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ ist es, die Gemeinsamkeiten beider Religionen in den Festen und im religiösen Leben aufzuzeigen. Dies soll helfen, um klar Stellung gegen Antisemitismus zu beziehen, wo dieser vorkomme.

Die Kampagne startet im Januar 2021 bundesweit und ökumenisch. Ihr Kernstück werden monatliche Plakate sein, die anhand von Festen und Traditionen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der beiden Religionen benennen und die in den Gemeinden aufgehängt werden können. Ein QR-Code auf den Plakaten führt zu einer Internetseite, auf der die Themen aufgearbeitet werden.

Entstanden ist die Initiative in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Daraus hat sich eine deutschlandweite ökumenische Kampagne entwickelt. Sie wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) unterstützt.

Juden sind und bleiben Gottes geliebtes Volk

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyer betonte in seiner Videobotschaft, dass der christliche Glaube ohne das Judentum nicht zu verstehen sei. Alle biblischen Stammväter seien Juden gewesen. Paulus habe klar gemacht, dass die Juden Gottes geliebtes Volk sind und bleiben. Der zunehmende Antisemitismus und die Dämonisierung von Juden dürfte keinem gleichgültig sein.

Es sei die Pflicht der Christen, jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Die 14 Plakate würden dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Sie machten deutlich, wie die Religionen miteinander verbunden sind. Neymeyer wünschte sich, dass dieses Thema in Gemeinden, Schulen und der Erwachsenenbildung vertieft werde.

Für den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm mache die Aktion deutlich, wie eindrucksvoll und eng die Beziehung beider Religionen ist und gelebt wird. Er wies in seiner Videobotschaft darauf hin, dass es christlichen Antisemitismus gibt und gegeben hat. Sowohl analog als auch digital setze die Kampagne ein Zeichen gegen neu anschwellende Judenfeindlichkeit. Diese sei Sünde und widerspreche dem Christentum.

Jüdisches Leben bekannter machen, wo es kaum wahrnehmbar ist

Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, hob hervor, dass immer noch die Ansicht verbreitet sei, die Bekämpfung des Antisemitismus gehe die Mehrheit der Bevölkerung nichts an und sei nicht deren Aufgabe. Die Kampagne könne das Bewusstsein für das Gegenteil schärfen. Sie finde parallel zum Festjahr 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland statt. Daher könnten beide Initiativen dazu beitragen, jüdisches Leben sichtbarer zu machen, wo es kaum wahrnehmbar ist. Es gehe darum, in Dialog zu treten und Berührungsängste abzubauen.

Der Publizist und frühere Grünen-Politiker Volker Beck, der katholische Theologe Thomas Brose sowie der Rabbiner Andreas Nachama stellten stellvertretend je eines der Plakate vor. Vor allem der Rabbiner machte deutlich, dass es immer wieder Anlass gebe, um über Antisemitismus zu sprechen und sich darüber auszutauschen, was den anderen bewegt. Andreas Goetze, Pfarrer für den interreligiösen Dialog, erhoffe sich durch die Plakate, digitale Dialoge und Unterrichtsmaterialien Impulse, um Neues und Überraschendes zu entdecken.

Die Vorstellung der Kampagne hatte die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein moderiert. Sie verband mit der Kampagne die Hoffnung, dass sie zu einem Segen werde und zu einem guten Miteinander beitrage: „Sie ist eine Antwort auf die Pogromnacht am 9. November 1938.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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