Kein Abstand und kein Mund-Nasen-Schutz: In Berlin wurde am 25. Oktober eine Demonstration von „Querdenken“ aufgelöst, obwohl die Veranstalter spontan einen Gottesdienst ausgerufen hatten

Kein Abstand und kein Mund-Nasen-Schutz: In Berlin wurde am 25. Oktober eine Demonstration von „Querdenken“ aufgelöst, obwohl die Veranstalter spontan einen Gottesdienst ausgerufen hatten

„Querdenker“ bezeichnen Demo als Gottesdienst

Weil für Open-Air-Gottesdienste in Bayern keine pandemiebedingten Einschränkungen existieren, haben die Veranstalter einer coronakritischen Demo diese kurzerhand in einen Gottesdienst umgewandelt.

Die Veranstalter der Initiative „Querdenken 089“ haben am Sonntag einen Gottesdienst in München mit 1.900 Teilnehmern gefeiert. Die ursprünglich als Demonstration angemeldete Veranstaltung auf der Theresienwiese wurde erst vor Ort in einen Gottesdienst umgewandelt. Hintergrund war die nicht eingehaltene behördliche Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 1.000 sowie die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Für Open-Air-Gottesdienste in Bayern gelten diese Einschränkungen jedoch nicht.

Nach Informationen der Bild-Zeitung beendete der Bewegungsanwalt Markus Haintz die Veranstaltung 16 Uhr, um stattdessen einen Gottesdienst auszurufen. „Bei Gottesdiensten gilt laut bayerischer Corona-Verordnung keine Maskenpflicht“, sagte Haintz. Nach Rücksprache mit dem Innenministerium entschied die Polizei diese Erklärung zu akzeptieren, da „Inhalte und der Charakter eines Gottesdienstes erkennbar waren“.

Als Prediger trat der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege auf. Dieser warnte die Teilnehmer eindringlich vor „Berlin“. Von dort sei zu hören: „Wollt ihr den totalen Sieg über das Virus?“ Wer jedoch den totalen Sieg wolle, „wird die totale Niederlage ernten“, sagte Fliege. Indem „Berlin“ Angst schüre, hielten sie das Land fest im Griff. „Gegen das Regime der Angst können wir nur das große Vertrauen als Medizin leben“, erklärte er.

Konzertstimmung an stillem Feiertag

Obwohl laut Polizeibericht nicht nur geistliche Redebeiträge dargeboten wurden, sei der Gottesdienst dennoch als solcher erkennbar geblieben. Im Verlauf habe sich jedoch die Veranstaltung immer mehr „in die Zielrichtung eines Konzerts entwickelt, insbesondere was die Lautstärke und die Darbietung anbelangte“. Die Polizei informierte die Veranstalter diesbezüglich mit dem Hinweis auf Allerheiligen – einen stillen Feiertag. Nachdem diese sich gegenüber der Polizei nicht einsichtig zeigten, beendete die Polizei die Veranstaltung.

Einen ähnlichen Plan verfolgte „Querdenken“ bereits bei einer Kundgebung am 25. Oktober in Berlin. Kurz bevor die Veranstalter einen Gottesdienst ausriefen, beendete die Polizei jedoch die Veranstaltung.

Von: Martin Schlorke

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