Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Entstehung der Menschheit sollten im Zuge eines Evolutionsweges präsentiert werden: Die Bürger einer kleinen Westerwald-Gemeinde haben das abgelehnt.

Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Entstehung der Menschheit sollten im Zuge eines Evolutionsweges präsentiert werden: Die Bürger einer kleinen Westerwald-Gemeinde haben das abgelehnt.

Kleine Kommune votiert gegen Evolutionsweg

An der Errichtung eines so genannten Evolutionsweges erhitzten sich in der kleinen Westerwald-Gemeinde Hellenhahn-Schellenberg in den vergangenen Wochen die Gemüter. Am Sonntag brachte ein Bürgerbegehren die Entscheidung und lehnte das Projekt ab.

Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Einwohner der Gemeinde Hellenhahn-Schellenberg gegen den Bau eines Evolutionsweges entschieden. 250 Personen in der Westerwald-Gemeinde votierten für die Errichtung, 339 Wähler lehnten sie ab. Rund 60 Prozent aller Stimmberechtigten des Ortes beteiligten an dem Bürgerentscheid.

Wie der Radiosender SWR2 meldet, sollten die Schilder entlang des Weges die Entstehung der Welt nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen darstellen. Ortsbürgermeisterin Birgit Schmidt hatte die Maßnahme angestoßen. Sie wolle den Bürgern damit etwas Gutes tun und Wissen vermitteln. „Wir leben im Jahr 2020 und wollen nicht zurück ins Mittelalter“, sagte sie dem Radiosender.

Lediglich „marginale Aufwandsentschädigung“

Eine Gruppe von Gläubigen hatte den Bürgerentscheid durchgesetzt. Sie kritisierten, dass die Schilder und der Weg der Schöpfungsgeschichte in der Bibel widersprechen. Einer der Kritiker ist Karl-Heinz Stiller. Er prangerte gegenüber dem Radiosender vor allem die Finanzierung des Projekts an. Die Kommune könne sich private Sponsoren suchen, solle den Weg aber nicht auf Kosten der Steuerzahler finanzieren.

Ricarda Hinz von der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung verdeutlichte in einem separaten SWR2-Beitrag, dass ihre Stiftung für die Errichtung des Weges eine „marginale Aufwandsentschädigung“ verlange. Diese sei längst nicht mit den aus Steuergeldern finanzierten Bischofsgehältern zu vergleichen.

Ihre Stiftung habe nichts gegen Religion, übe aber Religionskritik, um die Gesellschaft von Irrtümern zu befreien: „Wenn man konsequent zweifelt, muss man auch an der Existenz Gottes zweifeln“, sagte sie gegenüber dem Sender. Sie sei gerne bereit, mit den Kritikern zu diskutieren, weil es immer sinnvoll sei, mit anderen Weltanschauungen in den Dialog zu treten.

Ortsbürgermeisterin Birgit Schmidt störte sich im Nachgang des Bürgerbegehrens daran, dass das Thema in fünf Gemeinderatssitzungen öffentlich diskutiert wurde, aber weder sie noch ihre Mitstreiter im Gemeinderat von den Gegnern des Weges angesprochen worden seien. Hinterher habe man ihr vorgeworfen, dass sie nicht zum Dialog bereit sei.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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