71 Prozent der Geflüchteten, die vom Januar 2013 bis zum Dezember 2016 nach Deutschland gekommen sind und hier einen Asylantrag gestellt haben, rechnen sich dem Islam zu, nur 17 Prozent dem Christentum

71 Prozent der Geflüchteten, die vom Januar 2013 bis zum Dezember 2016 nach Deutschland gekommen sind und hier einen Asylantrag gestellt haben, rechnen sich dem Islam zu, nur 17 Prozent dem Christentum

Glaube und Religion sind für christliche Flüchtlinge bedeutsam

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat die Religionszugehörigkeit und die religiöse Praxis von Geflüchteten untersucht. Die zeigt: Christlichen Flüchtlingen ist ihre Religion offenbar wichtig.

Eine Studie zeigt, dass Glaube und Religion besonders christlichen Geflüchteten wichtig zu sein scheinen. Bei muslimischen Geflüchteten ist das offenbar anders, laut der Untersuchung vom Forschungszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Den befragten muslimischen Flüchtlingen sind demnach Glaube und Religion weniger wichtig als den sonstigen muslimischen Religionsangehörigen in Deutschland. Die Religiosität der geflüchteten Muslime, so lautet es in der Studie, scheine „eher den in Deutschland lebenden Menschen christlichen Glaubens zu entsprechen“.

In der Studie, die am Montag veröffentlich wurde, hat das Forschungszentrum des Bundesamtes bundesweit die Lebenssituation von Schutzsuchenden untersucht, die im Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2016 nach Deutschland gekommen sind und hier einen Asylantrag gestellt haben. Die gemeinsame Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) und des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin basiert auf einer repräsentativen Wiederholungsbefragung der Personen.

Keine Abschottung erkennbar

Die Teilnahme am religiösen Leben kann demnach Geflüchteten die Integration in Deutschland erleichtern. „Geflüchtete, die sich am religiösen Leben beteiligen, sind etwas stärker sozial eingebunden als Geflüchtete, die dies nicht tun“, erklärt der Autor der Studie, Manuel Siegert, und weiter: „Dabei steht der häufige Besuch religiöser Veranstaltungen auch in einem positiven Zusammenhang mit der Zeit, die speziell mit Deutschen verbracht wird. Das heißt, es gibt keine Hinweise darauf, dass die Teilnahme am religiösen Leben mit einer Abschottung von der Aufnahmegesellschaft einhergeht.“

Unter den befragten Geflüchteten ist der Anteil der muslimischen Religionsangehörigen deutlich größer als in der restlichen Bevölkerung in Deutschland. Im Gegensatz dazu sind die Anteile der christlichen Religionsangehörigen und derjenigen, die sich keiner Glaubensrichtung zuordnen, erheblich geringer. 71 Prozent der Geflüchteten rechnen sich dem Islam zu, nur 17 Prozent dem Christentum.

Christliche Flüchtlinge meist orthodox

2010 rechneten sich mehr als 60 Prozent der Bürger in Deutschland zum Christentum, etwa fünf Prozent zum Islam. Bei den geflüchteten Muslimen handelt es sich mit rund 83 Prozent überwiegend um Sunniten, bei den christlichen Flüchtlingen gehörten 42 Prozent einer orthodoxen Kirche an, etwa ein Drittel war evangelisch und etwa jeder Fünfte (19 Prozent) katholisch. Hinsichtlich ihrer religiösen Zugehörigkeit sind die Geflüchteten nicht zwingend repräsentativ für ihre Herkunftsländer, heißt es in der Studie. Vielmehr seien insbesondere religiöse Minderheiten zum Teil überrepräsentiert, wie beispielsweise christliche Geflüchtete aus Iran.

„Durch den Zuzug Geflüchteter wird das religiöse Leben in Deutschland insgesamt vielfältiger“, erklärt Siegert. Die Daten zeigen, dass der überwiegende Teil der muslimischen Geflüchteten aus dem Nahen und Mittleren Osten stammt. Die sonstige muslimische Bevölkerung ist in Deutschland dagegen mehrheitlich türkeistämmig. Rund 73 Prozent der muslimischen Geflüchteten stammen aus Syrien, Afghanistan und Irak. „Es ist daher anzunehmen, dass aufgrund der unterschiedlichen lokalen Traditionen auch das muslimische Leben in Deutschland vielfältiger wird“, erklärt Siegert.

Von: Norbert Schäfer

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