Felix Klein ist seit zwei Jahren Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus

Felix Klein ist seit zwei Jahren Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus

Klein warnt vor Antisemitismus wegen Corona

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Felix Klein warnt davor, in der Corona-Krise nach Sündenböcken zu suchen. Aktuelle Verschwörungsmythen sähen unter anderem Juden als „Strippenzieher“ hinter der Krise. Darin zeige sich antisemitisches Denken.

Verschwörungstheorien machen oft Juden oder Israel für Krisen oder Probleme verantwortlich, stellt Felix Klein in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Donnerstag fest. Diese Gefahr sieht der Beauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen Antisemitismus auch in der Corona-Krise. Bei den Demonstrationen gegen Anti-Corona-Maßnahmen „marschiert der Impfgegner in seltsamer Einigkeit mit dem Rechtsextremen, Antisemiten und Holocaust-Leugner“. Im „rebellischen Gestus“ dieser Proteste wie auch in Online-Diskussionen werde typisches antisemitisches Denken deutlich, schreibt Klein: „eine Haltung des Tabubruchs, ‚endlich‘ die Wahrheit darüber ans Licht zu bringen, wer im Hintergrund ‚die Fäden zieht‘ – und wie seit Tausenden von Jahren trifft es auch heute Juden und Jüdinnen“.

Weitere Beispiele dafür seien Anspielungen auf die vermeintliche Macht des jüdischen Finanzkapitals oder des israelischen Geheimdienstes Mossad. Selbst aus kirchlichen Kreisen habe er „Fehlinformationen und Verschwörungsmythen“ gehört, schreibt Klein, ohne das genauer zu benennen.

Angst und Unsicherheit sowie begrenzte Möglichkeiten, sich auszutauschen, fördere die Suche nach Sündenböcken. „Die Angst vor dem unsichtbaren Virus verbindet sich mit dem Wunsch, konkrete Schuldige identifizieren zu können. Das ist ein Grundmechanismus antisemitischen Denkens.“ Klein verweist auf die Geschichte: So seien etwa Juden im Mittelalter für die Pest verantwortlich gemacht worden. Auch nach dem Einsturz des World Trade Centers 2001 habe es vermehrt antisemitische Verschwörungstheorien gegeben. In der Corona-Krise beobachte er ähnliches, schreibt Klein, erweitert um Angriffe auf asiatisch aussehende Menschen. Auch der Attentäter von Hanau, der mehrere Menschen mit ausländischen Wurzeln tötete, sei Anhänger einer Verschwörungstheorie gewesen – des Mythos „QAnon“, der aus den USA kommt und auch hierzulande immer mehr Verbreitung findet.

Klein rief dazu auf, Verschwörungstheorien und Judenhass zu hinterfragen und darauf zu reagieren. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft lasse sich nicht „von oben“ verordnen.

Von: Jonathan Steinert

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