Nicht alle, die trauern, dürfen an einer Beerdigung teilnehmen: In der Coronakrise sind nur noch Zeremonien im kleinsten Kreis erlaubt

Nicht alle, die trauern, dürfen an einer Beerdigung teilnehmen: In der Coronakrise sind nur noch Zeremonien im kleinsten Kreis erlaubt

Was Corona für Beerdigungen bedeutet

Die Pandemie verändert auch die Art, wie wir trauern. Trauerfeiern entfallen, nur noch eine Zeremonie am Grab ist erlaubt – und selbst an der dürfen viele nicht teilnehmen, die gerne dabei sein würden.

Um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen, gelten seit Tagen drastische Maßnahmen. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt, Gottesdienste sind verboten. Auch Beerdigungen sind von den Verordnungen betroffen. Trauerfeiern in der Friedhofskapelle, ein Trauerzug zum Grab, Beileidsbekundungen – all das entfällt. Erlaubt sind nur noch kurze Zeremonien am Grab. Pfarrer müssen nun Wege finden, Angehörige trotzdem seelsorgerlich zu begleiten und einen angemessenen Abschied zu ermöglichen.

Einer von ihnen ist Eckhard Dierig. Er ist evangelischer Pfarrer im rheinland-pfälzischen Kirchen. Für Mittwoch, Donnerstag und Samstag stehen für ihn Beerdigungen auf dem Plan. Normalerweise besucht Dierig, seit 35 Jahren im Dienst, trauernde Angehörige zu Hause zum Trauergespräch. Er sitzt mit ihnen am Tisch, trinkt mit ihnen eine Tasse Kaffee, er hört zu. Manchmal sind auch mehrere Angehörige dabei, wenn der Pfarrer zu Besuch kommt. Eineinhalb Stunden bleibt er meistens da. In der Coronakrise ist das anders. Trauergespräche muss er nun telefonisch führen. „Das ist schon etwas anderes als ein echter Besuch“, sagt der Pfarrer gegenüber pro. „Bei einem Besuch zu Hause sehe ich, ob mein Gegenüber lacht oder weint, ich kann die Atmosphäre einschätzen.“ Automatisch werden die Telefonate kürzer als echte Besuche.

Das gilt auch für die Trauerzeremonien. „Unsere Trauerfeiern dauern ohnehin nur 20 Minuten, die werden jetzt wahrscheinlich noch etwas verkürzt.“ Nur zehn Personen dürfen am Grab stehen. Wenn Verstorbene viele Kinder hatten, ist diese Zahl schon mit dem engsten Familienkreis erreicht. Manche Freunde oder Bekannte werden dadurch an Beerdigungen nicht mehr teilnehmen können. „Es tut den Angehörigen gut, wenn Menschen zur Beerdigung kommen, die ihnen etwas bedeuten.“ Auf großes Unverständnis oder gar Ärger ist Dierig bisher nicht gestoßen. Doch manche Trauernden seien schon enttäuscht, wenn der Pfarrer sie nicht persönlich besuchen kann.

Trotzdem kann Dierig den Zeremonien am Grab etwas Positives abgewinnen. Dort gibt es eine Ansprache, eine Psalmlesung und das Vaterunser. „Man muss es auch mal so sehen: Diese Zeremonien am Grab sind die letzten Gottesdienste, die überhaupt noch erlaubt sind.“

Von: Nicolai Franz

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