Gesang soll auch in Zeiten von Corona durch die Straßen schallen – allerdings nicht mehr von Chören vor der Tür, sondern von vielen Einzelnen aus offenen Fenstern

Gesang soll auch in Zeiten von Corona durch die Straßen schallen – allerdings nicht mehr von Chören vor der Tür, sondern von vielen Einzelnen aus offenen Fenstern

Abendliches „Balkonsingen“ wird fortgesetzt

Öffentliche Versammlungen in Kirchen sind zurzeit verboten. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) möchte trotzdem ein Zeichen der Zuversicht setzen. Sie setzt ihre Aktion „#Balkonsingen“ fort. Um 19 Uhr stimmen Menschen von Balkonen und aus offenen Fenstern das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ an.

Menschen in ganz Deutschland sollen täglich um 19 Uhr in ganz Deutschland auf Balkonen, an geöffneten Fenstern und in Gärten das bekannte Kirchenlied „Der Mond ist aufgegangen“ singen. Zu dieser Aktion lädt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein. Ein entsprechender Aufruf in den sozialen Netzwerken hatte allein über Facebook rund 200.000 Menschen erreicht.

In den sozialen Netzwerken wurden zahlreiche Videos von ersten Sing-Aktionen vervielfältigt. Zu den Unterstützern gehört auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Er beteiligte sich mit seiner Geige am Start der Aktion. Die ehemalige Reformationsbotschafterin Margot Käßmann betonte, dass das gemeinsame Singen in schwierigen Zeiten ermutigen und dadurch Gemeinschaft entstehen könne. Der Liedtext verdeutliche, dass der Tod nicht das letzte Wort habe, sondern „dass es zugleich das Leben in aller Fülle gibt“.

Eine Auslegung auf der EKD-Internetseite weist darauf hin, dass Matthias Claudius diesen Text 1779 geschrieben hat. In dieser Phase seien Krankheit und Tod durch Hungerkatastrophen und Infektionskrankheiten viel präsenter gewesen als heute. Claudius, der selbst viel Leid und Trauer erlebt hat, schreibe einen Text voller Zuversicht und Gottvertrauen. Er verschweige den Tod und das endliche Leben nicht. Trotzdem habe der Tod nicht das letzte Wort über die Menschen. Die Zuhörer des Balkonsingens könnten für die Dauer dieses Liedes ihre Sorgen vergessen.

In Italien, Spanien und Griechenland gab es bereits Sympathiebekundungen von Bürgern, um sich bei den Ärzten und dem Pflegepersonal in der Corona-Krise zu bedanken. Vor dem Hintergrund der Krise hat die Evangelische Kirche in Deutschland einige Alternativen zusammengestellt, wie der Glaube auch ohne Ansteckungsgefahr gelebt werden kann. Auch die Landeskirchen haben viele gut funktionierende alternative Angebote zu den Gottesdiensten vor Ort entwickelt. Auf der Seite www.kirchevonzuhause.de sowie in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #kirchevonzuhause sind viele dieser Angebote zusammengestellt und werden laufend aktualisiert. Außerdem werden die täglichen Videobotschaften des EKD-Ratsvorsitzenden auf den Social-Media-Kanälen der EKD veröffentlicht.

Ähnliche Aktion an Ostern geplant

Zusätzlich zur EKD-Aktion hat das Posaunenwerk Hannover noch die Aktion „#Osternvombalkon“ ins Leben gerufen. Am Ostersonntag um 10 Uhr soll es einen Musik-Flashmob geben. Sänger, Bläser und Organisten sollen sich nach dem Glockenläuten zu einem „Flashmob auf Sicherheitsabstand“ vereinen: egal, ob zuhause am Fenster, auf dem Balkon, im Garten, im Wald, auf dem Hof oder auf der Straße mit dem Trichter oder der eigenen Stimme im Wind.

Gemeinsam soll dann – unter Berücksichtigung der je aktuell gegebenen Verhaltensempfehlungen oder -vorschriften – der Choral „Christ ist erstanden“ erklingen. Auf diese Weise soll die Osterbotschaft an vielen verschiedenen Orten durch viele verschiedene Menschen, aber gefühlt wie ein Chor möglichst viele Menschen erreichen. Wer möchte, kann hinterher noch ein paar Lieder oder Musikstücke spielen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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