Wer oft Gottesdienste besucht und in einer Kirchengemeinde aktiv ist, schützt sich gegen Rechtsextremismus

Wer oft Gottesdienste besucht und in einer Kirchengemeinde aktiv ist, schützt sich gegen Rechtsextremismus

Jesus „immunisiert“ gegen Rechtsextremismus – auch im Osten

Wer in einer Kirchengemeinde aktiv ist, kann sich gegen Rechtsextremismus „immunisieren“. Im Besonderen gilt das für Menschen in Ostdeutschland. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Forschern der Universitäten Bern und Leipzig.

Gottesdienstbesuche und eine aktive Mitarbeit in der Kirchengemeinde können davor schützen, dem Rechtsextremismus zu verfallen. Das fanden Wissenschaftler der Universitäten Bern und Leipzig heraus. In einer Studie untersuchten sie den Zusammenhang zwischen Religiosität und Rechtsextremismus. Stefan Huber vom Institut für Empirische Religionsforschung der Universität Bern und Alexander Yendell vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig beleuchteten, inwieweit verschiedene Formen von Religiosität rechtsextreme Einstellungen begünstigen oder verhindern. Grundlage ihrer Forschungen waren die Daten einer repräsentativen Erhebung in Deutschland – die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS).

Statistisch hingen Religiosität und Rechtsextremismus zusammen, fanden die Forscher heraus. Im Besonderen gelte das für die Menschen im Osten Deutschlands. Wer in diesem Teil des Landes kirchlich aktiv sei, werde gegen rechtsextreme Einstellungen regelrecht „immunisiert“, so die Wissenschaftler. „Wir erklären dies damit, dass die kirchlich aktiven Menschen sich mit der offenen und toleranten Weltanschauung der Kirche identifizieren und eher zum Typus des radikalen Christen gehören, für den Nächstenliebe und Toleranz oberstes Gebot sind“, sagte der Leiter der Studie Stefan Huber. Das gelte besonders für Ostdeutschland, wo die Kirche beim Fall der Mauer 1989 eine wichtige Rolle gespielt habe, aber nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung konfessionell gebunden seien. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Kirchlich Aktive wählen im Osten deutlich seltener die AfD als Menschen, die keinen Bezug zum christlichen Glauben haben.

Kirchen haben wichtige Rolle im Kampf gegen Rechtsextremismus

Die Wissenschaftler fanden zugleich heraus, dass Aberglaube mit rechtsextremen Einstellungen verbunden ist – sowohl im Osten, als auch im Westen. „Der Glaube an Glücksbringer, Wahrsager, Horoskope und Wunderheiler geht häufig mit einer ethnozentrischen Sichtweise und rechtsextremen Einstellungen einher“, sagt Alexander Yendell. Ähnliches habe bereits der der Soziologe und Philosoph Theodor Adorno in seinen Untersuchungen festgestellt.

Huber und Yendell folgern, dass der evangelischen und katholischen Kirche eine wichtige Rolle im Kampf gegen Rechtsextremismus zuteil wird. So könnten die Kirchen dazu beitragen, Vorurteile gegenüber dem Islam und Muslimen abzubauen, da sie sich selbst für Geflüchtete und interreligiösen Dialog einsetzten.

Von: Swanhild Zacharias

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