Die Erde von oben. Was mag Gott gedacht haben, als er sich auf den Weg machte, um dort unten als Mensch geboren zu werden?

Die Erde von oben. Was mag Gott gedacht haben, als er sich auf den Weg machte, um dort unten als Mensch geboren zu werden?

Ansteckende Weihnachten!

Weihnachten kann verschiedene Symptome hervorrufen – von Stress und Konsumterror bis zu heimeliger Stimmung und Besinnlichkeit. Das Entscheidende aber ist die Botschaft vom heruntergekommenen, handgreiflichen, fragwürdigen Gott. Ein Impuls von Michael Diener

Haben Sie ihn auch? – Wen? Was? – Na, den Weihnachtsvirus!

Fast epidemieartig treten „alle Jahre wieder“ bestimmte Symptome auf, die bei den Betroffenen zu ganz unterschiedlichen Reaktionen führen: Da sind auf der einen Seite die Weihnachtsbegeisterten, die die besondere Stimmung dieser Tage geradezu herbeisehnen und auch ausgedehnte Einkaufs- und Backmarathons nicht scheuen, bis sie, nach dem zehnten Weihnachtsmarktbesuch, endlich müde, aber zufrieden beim andächtigen Klang von „Stille Nacht“ in den hochweihnachtlich dekorierten Wohnzimmern ihre eigene Bescherung erleben.

Und da gibt es die Weihnachtsentgeisterten, die Geschenkstress, Konsumterror und die künstlich geschaffene, heile Glitzerwelt der Weihnachtszeit zunehmend als abstoßend empfinden und bestenfalls noch „unbewegte Miene“ zum vermeintlich bösen Spiel machen.

Egal, ob Sie nun mit Weihnachtsfrust oder Weihnachtslust auf diese Seite gelangt sind, geben Sie mir doch die Chance, Sie mit einem besonderen Weihnachtsvirus zu infizieren, der Menschen schon seit fast 2.000 Jahren ergreift. Ich verspreche Ihnen, DEN Virus können Sie sich leisten – es tut nicht weh und macht nicht krank, das „Herzstück von Weihnachten“, die Botschaft vom heruntergekommenen Gott, ins Heute zu übersetzen.

Weihnachten bedeutet: Gott wird handgreiflich

Was würden Sie tun, wenn Sie Gott wären und die Sache mit den Menschen irgendwie aus dem Ruder liefe? Schauen Sie sich doch mal um in diesen Tagen – dieser Globus quietscht und eiert mit Kriegen, Verfolgung, Umweltzerstörung, Fluchtbewegungen, Populismus und vielem mehr. Was würden Sie tun?

„Tacheles reden“, „mit der Faust dreinschlagen“ oder „die ihren Mist alleine auslöffeln lassen“?

Weihnachten spricht von einem anderen Gott: Das Maß war voll und Gott mischt sich ein, wird „hand-greiflich“: Gott redet nicht nur, sondern handelt und lässt sich als Mensch aus Fleisch und Blut „be-greifen“. Er droht nicht, schmollt nicht, schickt keine Armeen und macht aus Menschen keine Marionetten, sondern dieser Gott kommt herunter, gibt uns ein Kind, SEIN Kind, seinen SOHN.

Gott legt sich damit fest – endgültig! Gott wird Teilhaber im wirklichen Leben der Menschen, in Ihrer und meiner Welt, in Ihrem und meinem Leben.

Gott macht so deutlich, dass er allen Unrechtsstrukturen dieser Welt zum Trotz, inmitten von unsäglichem Leid und großer Ungerechtigkeit sein Maß der Liebe an unser Leben anlegen möchte. Und dieser Gott weckt Hoffnung, dass vor seinem langen Atem der Liebe Gewalt, Terror und Elend einmal „end-gültig“ die Waffen strecken werden. Aus dieser Hoffnung setzen wir uns ein, heute schon. Für Frieden, für um ihres Glaubens Verfolgte, für jedes einzelne Leben, ob gerade empfangen oder alt und schwach, ob auf dem Mittelmeer oder fast verhungert in den Elendsgebieten dieser Welt. Für Gerechtigkeit und die Bewahrung unserer Schöpfung.

Weihnachten bedeutet: Gott wird fragwürdig

Gott mutet uns an Weihnachten einiges zu! Er markiert nicht den unerschütterlichen, souveränen „Muskelprotz“, sondern kommt als kleines Kind in Windeln.

Ich glaube an Gottes unbeschränkte Möglichkeiten, aber ich erkenne an Weihnachten, dass dieses „all-mächtige“ Handeln Gottes oft nicht an der Weltwirklichkeit abzulesen ist. Ich buchstabiere in meinem Leben, dass die Allmacht der Liebe oft erscheinen mag wie die Ohnmacht der Schwachheit. Ich entdecke, dass Gott den Stall in Bethlehem und die Windeln, die Flucht des Jesuskindes nach Ägypten und den Hass, den Spott der Menschen und letztlich den Tod wählte, damit ich an IHN in meiner Not und meinen Zweifeln, meinem Versagen und in meinem eigenen Sterben glauben kann. Ich bekenne, dass dieser Gott nichts so sehr ist, wie vollkommene Liebe, „mit-leidende“ und durchtragende Gegenwart.

Ein Schüler fragt seinen Lehrer: „Meister, früher haben die Menschen Gott gesehen, warum heute nicht mehr?“ Der Lehrer antwortet: „Weil sich niemand mehr so tief bücken kann!“

Wo suchen Sie Gott? Ganz weit oben und ganz weit weg? Unnahbar und teilnahmslos dem Weltgeschehen und Ihrem Schicksal gegenüber?

Sie werden diesen Gott, den Vater Jesu Christi, übersehen, wenn Sie sich nicht bücken und merken, wie sehr heruntergekommen, zu Ihnen heruntergekommen, er ist. Sie werden Weihnachten verpassen, wenn Sie nicht zur Krippe kommen. Gott kann nur finden, wer ihn in der „anrüchigen Stallgeschichte von Bethlehem“ und dem „schändlichen Skandal von Golgatha“ sucht. Sie müssen Ihren Verstand nicht ablegen, um diesem Gott zu begegnen, aber „um-denken“, das bleibt Ihnen nicht erspart. Dieser Gott macht sich „frag-würdig“, damit Sie und ich wirklich nach ihm fragen.

Weihnachten bedeutet: Wir sind noch zu retten

Könnte unsere tiefe Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach Frieden und Harmonie, die an Weihnachten spürbar ist, nicht ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass wir den „Heiland“ – also jemanden, der mich und meine Beziehungen heilt und erneuert – wirklich nötig haben?

Dann ist die Weihnachtsbotschaft nicht einfach nur ein „sentimental-romantischer Etikettenschwindel“, sondern das ernstzunehmende Angebot Gottes, sich lieben, vergeben und verändern zu lassen. Für Gott ist Weihnachten keine romantische Angelegenheit - er wird Mensch, damit Sie und ich neues Leben finden. Er macht uns zu seinen Kindern, damit wir „selbst-los“ werden und so uns und unsere Mitmenschen finden.

Liebe Leserinnen und Leser, hat Sie mein Weihnachtsvirus angesteckt? Wenn ja, dann entdecken Sie Weihnachten als ausgestreckte Hand Gottes, in die Sie von Herzen einschlagen dürfen. Dann beginnen Sie zu glauben, dass Weihnachten „not-wendig" ist, weil Gott unsere Not wenden und unser Leben beharrlich zum Guten führen will. Dieser Weihnachtsvirus wirkt auch dann noch, wenn schon längst wieder Osterhasen durch die Dekorationen der Schaufenster hoppeln.

Ich wünsche Ihnen diesen Virus von ganzem Herzen. Denn „Gott sei Dank“ gibt es an Weihnachten nicht nur ansteckende Krankheiten, sondern auch ansteckende Gesundheiten. Ansteckende Weihnachten Ihnen allen!

Dr. Michael Diener ist Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Mitglied der Christlichen Medieninitiative pro.

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