Zum Teil fast 500 Jahre alte Texte: Einen bedeutenden Fund hat ein Museumsdirektor auf einem Dachboden gemacht.

Zum Teil fast 500 Jahre alte Texte: Einen bedeutenden Fund hat ein Museumsdirektor auf einem Dachboden gemacht.

Alte Luther-Texte in Pfefferkuchenmuseum wiederentdeckt

Jahrhunderte alte Bücher mit reformatorischen Bibelauslegungen sind in dieser Woche in die Sächsische Landesbibliothek nach Dresden zurückgekommen. Sie hatten auf dem Dachboden eines Pfefferkuchenmuseums gelegen.

Bei der Inspektion des Museums „Alte Pfefferküchlerei“ in Weißenberg bei Bautzen machte der neue Museumsdirektor Sebastian Walther im Sommer vergangenen Jahres einen bedeutenden Fund. Auf dem Dachboden entdeckte er zum Teil fast 500 Jahre alte reformatorische Schriften. Zu diesen zählt unter anderem eine Bibelauslegung Luthers. Die Fundstücke gehörten ursprünglich dem Bestand der Sächsischen Landesbibliothek an, und kehrten vergangenen Mittwoch dorthin zurück.

Seit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit vermisst die Sächsische Landesbibliothek etwa die Hälfte ihres damaligen Bestandes von rund einer Million Bücher. Circa 200.000 davon wurden verbrannt und etwa genauso viele sollen in die Sowjetunion gebracht worden sein. Vor Kriegsende hatte die Bibliothek einen Teil der Bücher teilweise unkontrolliert in umliegende Landschlösser, Forsthäuser und Banken ausgelagert, um sie zu sichern. Jedoch ging der Überblick über die ausgelagerten Bestände verloren. 268 Bücherkisten wurden in das Schloss Gröditz verlegt, das nahe des jetzigen Fundortes der reformatorischen Bücher liegt. Bei der Bergung des Landsitzes 1946 fehlten jedoch 38 der Kisten.

Sechs Jahre nach Luthers Tod gedruckt

Anders als gedacht, sind manche Exemplare gar nicht nach Russland gelangt, äußerte der Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) Achim Bonte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie seien wahrscheinlich Plünderern und Vagabunden zum Opfer gefallen und stünden nun unbemerkt im ganzen Land verstreut auf Dachböden und Bücherregalen. Womöglich sei das auch der Fall bei den Büchern gewesen, die Walther in der „Alten Pfefferküchlerei“ gefunden hatte. Zumindest standen die Fundstücke alle auf der digital einsehbaren Kriegsverlustliste der SLUB.

Vergangenen Mittwoch konnte die SLUB die Verlustmeldungen jedoch aus der Liste streichen. In der Bibliothek fand eine offizielle Übergabe und Ausstellung der Bücher statt. Bonte sagte dort bei einem Interview des MDR, er habe die „Auslegung der Episteln und Evangelien von Ostern bis auff das Advent“ von Martin Luther gelesen. Das passe genau zur Jahreszeit und er fühle sich dadurch reich beschenkt. Bei Walther ist die Emotionslage anders. Es mache ihn ein wenig traurig, diesen wunderbaren Fund aus der Hand zu geben. Aber es sei auch eine Frage des Anstands, die Bücher an den rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.

Insgesamt wurden neun Bücher wiedergefunden. Die Auslegung der Episteln und Evangelien von Luther trägt eine Inschrift im Einband. Diese weist darauf hin, dass das Buch 1552, nur sechs Jahre nach Luthers Tod, von Hans Lufft in Wittenberg gedruckt wurde. Es ist zwischen zwei Holzdeckeln in kunstvoll verziertes Leder eingebunden, ist sauber gedruckt und beinhaltet zum Teil handkolorierte Holzschnitte auf gut erhaltenem, handgeschöpftem Papier. Eines der Bücher enthält sogar eine eigenhändige Widmung von Johannes Bugenhagen, einem der wichtigsten Wegbegleiter Martin Luthers. Bei den Fundstücken handelt es sich um neun sogenannte Predigt- oder Erbauungsschriften aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert.

Die Werke sollen nun digitalisiert und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Von: Stephan Mannl

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