Sein Stück ist der Stein des Anstoßes: der bosnisch-kroatischen Regisseurs Oliver Frljić eckt mit „Unsere Gewalt, eure Gewalt“ an

Sein Stück ist der Stein des Anstoßes: der bosnisch-kroatischen Regisseurs Oliver Frljić eckt mit „Unsere Gewalt, eure Gewalt“ an

Urteil: Künstlerische Freiheit „sticht“ religiöse Gefühle

Eine Rezensentin nannte Oliver Frljić jüngst „Kamikaze-Regisseur“: In seinem Stück „Unsere Gewalt, eure Gewalt“ vergewaltigt Jesus eine Muslima. Der Prager Kardinal Dominik Duka wollte das so nicht hinnehmen und klagte gegen die Inszenierung. Das Gericht urteilte, dass die künstlerische Freiheit über der Religionsfreiheit steht.

Auf der Bühne liegt eine halbnackte Muslima, die von Jesus vergewaltigt wird. Das Stück „Unsere Gewalt, eure Gewalt“ des bosnisch-kroatischen Regisseurs Oliver Frljić sorgt nicht zum ersten Mal für einen Eklat und Auseinandersetzungen. Der Prager Kardinal Dominik Duka klagte gegen die Inszenierung an zwei Theatern der tschechischen Stadt Brünn. Das Gericht urteilte, dass sich die Verantwortlichen nicht entschuldigen müssen. Die künstlerische Freiheit stehe über der Religionsfreiheit.

Der Kardinal hatte genau diese Entschuldigung vom Zentrum für experimentelles Theater und dem Nationaltheater Brünn gefordert. Das meldet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Er sehe sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Der Anwalt des Theologen betonte, dass eine demokratische Gesellschaft unterschiedliche Ansichten aushalten müsse. Selbstsüchtige Beleidigungen seien aber nicht hinzunehmen.

Demokratische Gesellschaft muss das ertragen

Die Vergewaltigungsszene sei für ihn ein „abstoßender Akt“, der seine Glaubens- und Gewissensfreiheit beeinträchtige. Das Gericht hob die künstlerische Freiheit hervor. Sie erlaube es, spezifische Mittel, Symbole und Übertreibungen zu verwenden. Die SZ zitiert das Urteil: „Wenn das das Potenzial hat, zur Debatte über Themen von öffentlichem Interesse beizutragen, ist es rechtlich zulässig, selbst wenn ein Teil der Gläubigen dafür ein gewisses Opfer bringen muss. Derlei muss in einer demokratischen Gesellschaft ertragen werden.“

2016 hatte das Stück auf einem polnischen Theaterfestival bereits für Brisanz gesorgt. Die Bild-Zeitung berichtete von angeekelten Zuschauern. Nach der Vergewaltigung habe die Jesus-Figur sich mit einem Lendentuch in den polnischen Nationalfarben seine Genitalien abgewischt. Zuschauer hatten laut Bild-Zeitung damals eine offizielle Entschuldigung der Theaterleitung gefordert.

In dem Stück geht es um Flüchtlinge ohne Zukunftsaussichten und Integrationschancen. Irgendwann beginnen die Darsteller zu den Klängen von „Stille Nacht“ nackt zu tanzen. Aus den anfänglichen Tänzern finden sich Sex-Paare zusammen. Übrig bleibe eine Frau mit dem islamischen Gesichtsschleier, als sichtbarem Zeichen des Andersseins. Jesus vergewaltigt sie dann. Die polnische Zeitung Fakt beschrieb das Stück damals als „widerwärtige antichristliche Provokation“.

Der kroatische Theaterregisseur Oliver Frljić widmet sich zeitgenössischen Themen und versteht sich als dezidiert politisches Theatermacher. Bis 2016 war er Intendant des Nationaltheaters in Rijeka, gab aber aus Protest gegen die kroatische Kulturpolitik seinen Rücktritt bekannt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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