Vor 30 Jahren fiel in einer friedlichen Revolution die Berliner Mauer. Für fast ein Viertel der Umfrageteilnehmer hat sich der Zustand verschlechtert, frei seine Meinung äußern zu dürfen.

Vor 30 Jahren fiel in einer friedlichen Revolution die Berliner Mauer. Für fast ein Viertel der Umfrageteilnehmer hat sich der Zustand verschlechtert, frei seine Meinung äußern zu dürfen.

Ein Viertel sieht Verschlechterungen bei der Meinungsfreiheit

Deutschland feiert in den kommenden Tagen den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren. Viele Ostdeutsche sehen seitdem kaum Fortschritte bei der Meinungsfreiheit. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des MDR.

Etwa jeder vierte Ostdeutsche (24 Prozent) findet, dass sich die Möglichkeit, seine Meinung frei zu äußern, seit dem Mauerfall verschlechtert hat. Bei den Westdeutschen vertreten 20 Prozent diese Ansicht – also jeder fünfte Befragte. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die der MDR anlässlich 30 Jahre Mauerfall beim Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap in Auftrag gegeben hat.

Etwa die Hälfte der West- und der Ostdeutschen geht davon aus, dass sich die Möglichkeiten freier Meinungsäußerung seit dem Mauerfall verbessert haben. 42 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass sie sich als Bürger zweiter Klasse fühlen. 50 Prozent sahen dies nicht so. Mehr als zwei Drittel der Westdeutschen (68 Prozent) halten diese Einschätzung für falsch. 44 Prozent der Westdeutschen rechnen damit, dass die Angleichung der wirtschaftlichen Verhältnisse in weniger als zehn Jahren erreicht sein wird. Das glauben jedoch nur 17 Prozent der Ostdeutschen.

Ein Drittel geht von schlechteren Zukunftsaussichten aus

Drei Prozent der Westdeutschen und jeder zehnte Ostdeutsche wünschen sich die DDR zurück. 35 Prozent der Westdeutschen gaben an, in der DDR habe es in keinem einzigen der abgefragten Bereiche Vorteile gegenüber dem heutigen Deutschland gegeben. 82 Prozent in Ost und West bewerten ihre aktuelle eigene wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut.

Zwei Drittel der Befragten geben an, das Freiheitsempfinden und die Chancen für Selbstverwirklichung hätten sich stark oder zumindest etwas verbessert. Etwa die Hälfte der Deutschen sieht heute eine positive Entwicklung bei der demokratischen Mitbestimmung und den Möglichkeiten, seine Meinung frei zu äußern. Die Zukunftsperspektiven für die junge Generation haben sich nach Auffassung sowohl der West- als auch der Ostdeutschen (46 bzw. 50 Prozent) seit dem Mauerfall verbessert. Allerdings gehen 37 Prozent der Westdeutschen und 33 Prozent der Ostdeutschen von schlechteren Zukunftsaussichten junger Menschen aus.

Kritikpunkt gesellschaftlicher Zusammenhalt

Für drei Viertel der befragten Ostdeutschen hat die gesellschaftliche Entwicklung seit dem Mauerfall starke oder zumindest einige Verbesserungen gebracht. Jeder Zehnte sah nur Verschlechterungen. Die Westdeutschen schätzen die Entwicklung im Bereich der individuellen Freiheit in den letzten 30 Jahren mehrheitlich (61 Prozent) positiv ein.

Am kritischsten wird die Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenhalts seit dem Mauerfall bewertet. In Ostdeutschlands sehen 57 Prozent Verschlechterungen und nur 20 Prozent Verbesserungen. Bei den Westdeutschen ist die Meinung darüber geteilt: für 37 Prozent hat sich die Situation verbessert, für 39 Prozent verschlechtert.

Für die Studie hatte Infratest dimap in der letzten Oktoberwoche jeweils rund 500 Ost- und Westdeutsche per repräsentativer Zufallsauswahl in Telefoninterviews befragt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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